Kirche und Corona: St. Jacobi-Gemeinde Werther muss viele Herausforderungen meistern
Prinzip Hoffnung gibt den Weg vor

Werther -

Trotz Teil-Lockdown bleibt die Kirche offen. Nicht nur täglich von 16 bis 17 Uhr für eine kleine Einkehr oder ein stilles Gebet, sondern auch sonntags zum Gottesdienst. „Zum Glück“, sagt Pfarrerin Silke Beier aus Werther.

Donnerstag, 05.11.2020, 18:27 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 18:32 Uhr
Gottesdienst per Livestream: Das wird in der St. Jacobigemeinde Werther gut angenommen.

„Auch wenn es mit Maske und Abstand und ohne Gemeindegesang so anders ist, sind viele doch erstaunt, wie gut es trotzdem tut“, gibt sie ihren Eindruck wider.

Maximal 97 Personen dürfen derzeit gleichzeitig in der weitläufigen Jacobikirche sein. Mit ausgeklügeltem Sitzplan war das bei den Konfirmationsgottesdiensten ausgereizt, aber Silke Beier ist angenehm überrascht, dass sich die Kirche auch sonst recht gut „füllt“. Viele bringen wie selbstverständlich schon eine „Visitenkarte“ (Vordruck unter www.kirche-werther.de) mit, was die erforderliche Registrierung beim Betreten der Kirche erleichtert. „Alle halten sich sehr diszipliniert an die Regeln. Zum Glück haben wir die Listen nie gebraucht, bevor sie nach vier Wochen vernichtet werden“, berichtet Silke Beier. Zusätzlich gibt es seit März die Möglichkeit, den Sonntagsgottesdienst und eine wöchentliche Andacht mit dem Titel „wertvoll!“ über den eigens gestarteten Youtube-Kanal der evangelischen Kirchengemeinde zu verfolgen. Am Reformationssonntag waren auf diese Weise 100 Gläubige mit dabei. Auf Distanz.

Und so läuft im Moment vieles in der Gemeinde. Konfirmationsunterricht per Videokonferenz, sogar die Chorprobe digital – das sei natürlich nicht ideal, sagt Pfarrerin Beier. Aber immerhin besser als nichts. „Es ist schon bitter: Gerade war alles wieder mit der gebotenen Vorsicht angelaufen: Seniorenrunde, Gruppenstunden, Übungsabende. Und nun muss wieder alles runter gefahren werden.“

Was die Gemeinde deutlich spürt: Die Sommerfreizeiten fehlen. Nicht nur für den Spaß in den Ferien, sondern auch für den Beziehungsaufbau. „Manch einer der Teilnehmer hat sonst so den Weg in die Jugendarbeit gefunden“, erzählt Silke Beier. Hier täten sich im Moment Lücken auf.

Abstand halten ist notwendig und machbar, Abstand aushalten dagegen sehr viel schwerer. Silke Beier denkt da an Trauerfälle, die sie begleitet hat. Oder sorgenvolle Gespräche mit kranken, einsamen oder verzweifelten Menschen. „Ganz klar: Wer es ohnehin schon schwierig hat – sei es persönlich bedingt oder durch die Lebensumstände – den trifft diese Krise doppelt.“ Als Seelsorgerin möchte sie offenes Ohr und helfende Hand anbieten.

Kreativität und Improvisation sind da gefragt. Im aktuellen Gemeindebrief gibt es anstelle der Freizeit-Berichte aus Spiekeroog oder Schweden, geistliche Impulse, damit der gewohnte Umfang bleiben kann. Der Einkaufsservice für Senioren wurde geboren und manch guter Einfall für ein Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen gefunden – in der Zuversicht, alles auch umsetzen zu dürfen.

Überhaupt denkt Silke Beier auch an schöne Momente, die Corona ermöglichte. „Anfangs war es nicht erlaubt, dass wir Pfarrer einen Täufling berühren. Also habe ich die Worte gesprochen, während die Eltern ihrem Kind selbst Wasser über den Kopf gegeben haben. Das war ein sehr inniger, berührender Moment“, erinnert sie sich.

Welche langfristigen Folgen die Pandemie gerade auch finanziell für die Gemeinde bedeutet, sei noch nicht absehbar. „Die ersten Hochrechnungen von 30 -prozentigen Etatkürzungen wurden zum Glück inzwischen revidiert“, ist Beier erleichtert. Es bleibe abzuwarten. „Auch in diesem Bereich gilt für uns als Kirche: Wir sind unterwegs mit dem Prinzip Hoffnung.“

 

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