Jochen und Christiane Dammeyer erzählen beim Kamingespräch vom Mauerfall
Erste Spritztouren unter Freudentränen

Werther (WB). Endlose Trabbi-Schlangen an den Grenzübergängen, sich in den Armen liegende Menschen und ein freigesetztes Gefühl der Zusammengehörigkeit: Der Tag der Deutschen Einheit ist für die Hägeraner Jochen und Christiane Dammeyer mit ganz besonderen Erinnerungen verknüpft, denn die Beiden erlebten die Entwicklung bis zur Wiedervereinigung hautnah – und das, obwohl sie den eigentlichen Moment des Mauerfalls „verschlafen“ haben.

Samstag, 10.10.2020, 06:00 Uhr
Trabbis so weit das Auge reicht. Die Ost-Berliner konnten es damals kaum erwarten, mit ihrem Auto eine Spritztour in den Westen zu unternehmen. Die Dammeyers, die in West-Berlin lebten, sahen es damals mit Staunen.                  

Von ihren Erfahrungen und Beobachtungen in der „Wende-Zeit“ berichteten die Dammeyers nun im Kamingespräch, dass aufgrund des einzuhaltenden Sicherheitsabstandes nicht wie gewohnt im Haus Tiefenstraße, sondern im Evangelischen Gemeindehaus stattfand. „Für mich ist es die spannendste Zeit, die Berlin in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Rückblickend war das schon sehr aufregend“, sagte Jochen Dammeyer, der den mehr als 20 Zuhörern zu Beginn des Vortrages erklärte, dass es ihn als gebürtigen Bielefelder aus beruflichen Gründen 1987 nach West-Berlin verschlagen habe.

Grenzposten zückten Kamera

Gemeinsam mit seiner Christiane wohnte er damals im Ortsteil Frohnau, einer beschaulichen Gegend, wie Jochen Dammeyer berichtete: „Berlin hatte immer schon viel Grün. Die Havel war 150 Meter entfernt. Wir sind oft spazieren gegangen und waren fast auf dem Land. Es hat sich nicht angefühlt wie in einer Großstadt“.

Einige der Spaziergänge führten die Dammeyers, die den Vortrag übrigens sehr anschaulich mit alten Fotos bebilderten, zur Berliner Mauer, die für alle Bürger ein unüberwindbares Hindernis darstellte. „Wenn ich ein Foto geschossen habe, haben die DDR-Grenzposten auch direkt ihre Kameras gezückt . Das war schon kurios“, erinnerte sich Jochen Dammeyer an seine Berliner Anfangszeit. Schon zu dieser Zeit zeichnete sich jedoch schon nach und nach ab, dass die Tage der Deutschen Demokratischen Republik gezählt waren.

Linienbus aus Bielefeld in Berlin

„Am Abend des Mauerfalls sind wir in die Sauna und dann relativ früh ins Bett gegangen, denn wir mussten ja früh aufstehen und zur Arbeit“, erinnert sich Christiane Dammeyer. Am nächsten Morgen habe sie ihren Ohren nicht trauen können, als der Radiomoderator berichtete, dass sich der Stau auf dem Ku’damm auflösen würde. „In der S-Bahn und auf den Straßen haben wir dann gesehen, was passiert war. Es waren Freudenfeste und überall flossen die Tränen“, so Christiane Dammeyer, bevor Jochen Dammeyer ein Foto mit einer endlosen Trabbi-Schlange zeigte. „Die wollten ja alle direkt rüber. Für mich war es besonders, aber wie muss es erst für die Ostdeutschen gewesen sein?“, sagte Dammeyer, dem in der Folgezeit ein Erlebnis in ganz besonderer Erinnerung geblieben ist. „Am 22. Dezember 1989 sind wir dann zum ersten Mal durch das Brandenburger Tor gelaufen. Mir sind dabei die Tränen gekommen, denn es hatte große Symbolkraft“, berichtete er.

Der Hägeraner erzählte zum Abschluss noch davon, dass die Zeit ein Beispiel dafür gewesen wäre, wie man sich als Gesellschaft schnell, effektiv und unbürokratisch helfen kann. „Das war schon beeindruckend. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren nach der Wiedervereinigung in Berlin völlig überfüllt. Es kamen deshalb Busse aus ganz Deutschland zur Hilfe. Ich habe sogar einen von den Bielefelder Stadtwerken gesehen“, sagte der schmunzelnde Dammeyer, dem es mit seiner Frau gelungen ist, die für viele Menschen so einschneidende Zeit wieder aufleben zu lassen.

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