„Digitale Engel” helfen Senioren in Werther bei den ersten Schritten in der Online-Welt
Niemals zu alt fürs Internet

Werther (WB). Bücherei zu. Läden genauso. Busfahren nur mit Online-Ticket. Bankschalter nur nach Absprache erreichbar: Der Corona-Lockdown im Frühjahr hat sehr deutlich vor Augen geführt, welche Türen ohne Internet verschlossen bleiben. Das trifft besonders Senioren.

Dienstag, 06.10.2020, 03:03 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 03:10 Uhr
Monika Schirmeier (hinten) ist ein „Digitaler Engel” und hilft Senioren bei den großen und kleinen Nöten vorm Bildschirm. Das Infomobil der Organisation hält Ende Oktober am Haus Tiefenstraße und im Bürgerhaus Häger und gibt praktische Unterstützung.

Manch einer hat in dieser Zeit gelernt, mit Kindern und Enkeln per Video-Chat Kontakt zu halten. Oder sich geärgert, dass er diese Möglichkeit nicht nutzen konnte. Monika Schirmeier ist ein „Digitaler Engel“. Diese bundesweite Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere älteren Leuten beim Eintritt und dem Entdecken des Internet zu helfen. Sind alte Menschen durch Corona endgültig abgehängt?

Einfach per Klick klären

„Nein”, sagt die 36-jährige Expertin. „Aber der Shutdown hat gezeigt, dass es wichtig und lohnenswert ist, sich mit dem Internet und seinen Möglichkeiten zu beschäftigen.” Sie ist überzeugt: Wer anlog groß geworden ist, muss noch lange nicht offline alt werden. Wann hat der Arzt noch einmal Sprechstunde und wann ist er im Urlaub? Wird die TV-Lieblingssendung irgendwann noch einmal wiederholt? Sehr praktisch, wenn man das mit ein paar Klicks klären kann.

Infomobil kommt

Das Info-Mobil der „Digitalen Engel” macht am Dienstag, 27. Oktober, Station in Werther und Häger. Die erste Veranstaltung von 9.30 bis 11.30 Uhr im Haus Tiefenstraße vermittelt Grundlagen im Umgang mit Smartphone und Tablet. Nachmittags von 15 bis 17 Uhr geht es im Bürgerhaus Häger um die Grundlagen des Online-Bankings. Für beide Workshops sind verbindliche Anmeldungen bei Claudia Seidel im Haus Tiefenstraße unter Tel. 05203/ 1408 bis Dienstag, 20. Oktober nötig. Vorkenntnisse oder Geräte sind dagegen nicht erforderlich.

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Nur ist es ehrlicherweise bis dahin ein mitunter weiter Weg. Wer den Unterschied zwischen WLAN und mobilen Daten nicht kennt, von Updates nie was gehört hat und ohnehin vor allem besorgt Meldungen über Betrüger-Mails und Datenklau vernimmt, der muss an die Hand genommen werden. „Es empfiehlt sich, die Sache von Grund auf zu lernen. Dann tut man sich auch später mit Unvorhergesehenem leichter”, ist Monika Schirmeier Erfahrungen aus der digitalen Arbeit mit Senioren.

Digitaler Marktplatz

Für die, die zu Hause bereits technisch ausgerüstet sind und/oder ein Smartphone besitzen, gibt es jederzeit die Online-Unterstützung der “digitalen Engel”. Gratis, versteht sich – schließlich steht das Projekt unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin. Wer schon “drin” ist, kann auf der Website www.digitaler-engel.org den “Treffpunkt Marktplatz digital” ansteuern und sich dort schlau machen. Einfache Erklär-Videos beleuchten Stück für Stück neue Ecken der Internet-Welt.

„Es geht nur mit Geduld“, sagt sie – gerade auch in Richtung der technisch versierten Angehörigen, die Neueinsteigern behilflich sein wollen. Umgekehrt ermuntert sie alle Neulinge im Netz: „Jede Frage darf gestellt werden.”

Nur Geduld

Also: Keine Angst vor dem Satz “Mehr Informationen finden Sie auf unserer Homepage”! Wer im Internet erst einmal einen Fuß in der Tür hat, der müsse sich nicht scheuen, neue Räume auch zu betreten. „Es gilt, den richtigen Weg zwischen sorglos und überängstlich zu finden”, sagt Monika Schirmeier. „Mit dem nötigen Grundwissen ist das auch kein Problem.” Yoga für Anfänger kann man eben nicht nur bei der VHS, sondern auch online betreiben. Einfache Bankgeschäfte lassen sich am Esszimmertisch regeln, Nachschub für Sudoku-Fans gibt’s Tag und Nacht im Netz.

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