Betriebsausschuss stimmt für Gebührenanhebung von 1,73 auf 2,10 Euro
Wasser in Werther wird teurer

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Werther (WB). „Mit dieser Entscheidung werden wir keine Begeisterungsstürme bei den Bürgern auslösen.“ Damit wird Betriebsausschuss-Mitglied Andreas Honsel (FDP) wohl Recht behalten. Denn in Werther wird das Wasser teurer vom kommenden Jahr an. Der Kubikmeter wird dann 2,10 statt 1,73 Euro kosten. Im Jahr 2019 lag der Preis noch bei 1,22 Euro.

Samstag, 03.10.2020, 05:00 Uhr
Wenn es ums Wasser geht, stellen sich einigen Wertheraner die Nackenhaare auf beim Gedanken an die vergangenen Jahre. Eine Wassergebühren-Erhöhung zum 1.1.2021 ist somit nicht erst seit gestern kein Thema mit Beifallgarantie. Foto: dpa

Werther (WB). „Mit dieser Entscheidung werden wir keine Begeisterungsstürme bei den Bürgern auslösen.“ Damit wird Betriebsausschuss-Mitglied Andreas Honsel (FDP) wohl Recht behalten. Denn in Werther wird das Wasser teurer vom kommenden Jahr an. Der Kubikmeter wird dann 2,10 statt 1,73 Euro kosten. Im Jahr 2019 lag der Preis noch bei 1,22 Euro.

Bekanntlich ist das Wasser in Werther ein heikles Thema. Der Kalkgehalt, Grenzwerte wie Eisen, Mangan und Sulfat stellenweise nicht hinnehmbar, von Eintrübungen und Verunreinigungen ganz zu schweigen: Beim Stichwort Wasser muss der Wertheraner sich am Stammtisch schon den ein oder anderen Kommentar gefallen lassen. Ereignisse wie die vorübergehende Schließung von Gesamtschule und AWO-Kita Weststraße, weil die saubere Wasserversorgung nicht garantiert werden konnte, wollen viele Wertheraner lieber schnell vergessen.

Nichts geheim gehalten

Und warum wird das Wasser in Werther dann teurer? Weil die Stadt seit Jahren eine Gebührenunterdeckung vor sich her schiebt. Und diese muss abgebaut werden. 2018 lag das Minus bei 235.885 Euro, 2019 bereits bei 487.315 Euro und nach einer Erhöhung der Gebühr auf die aktuellen 1,73 Euro konnte die Unterdeckung zumindest auf 428.344 Euro gedrückt werden. Georg Hartl (SPD) brachte es auf den Punkt: „Eine Situation wie seit 2018 darf es nicht noch einmal geben, wir haben die Lernkurve hinter uns.“ Das verstünde der Bürger sonst gar nicht mehr.

Doch warum gab es nicht längst eine Erhöhung, um frühzeitig gegenzusteuern? „Wir haben damals entschieden, dass wir die Wassergebühr nicht ausgerechnet dann erhöhen können, wenn gerade einige technische Anlagen im Bau sind“, erklärte Bürgermeisterin Marion Weike (SPD). Das sei einstimmig vom zuständigen Betriebsausschuss so getragen worden. „Wir haben überhaupt nichts geheim gehalten“, betonte Weike, die am Abend der letzten Betriebsausschuss-Sitzung dieser Legislatur genau 21 Jahren auf dem Chefsessel saß.

Anlage ist saniert

Ein Kommentar von Reinhard Kreft (UWG) sorgte nicht nur bei der Bürgermeisterin für Empörung. „Es hat schon ein Geschmäckle: Gerade haben wir gewählt und schon macht die Stadt das Wasser teurer“, sagte Kreft im Ausschuss am Donnerstagabend im Haus Werther.

Georg Hartl platzte fast der Kragen: „Das ist doch Irrsinn und erschreckend, dass Sie das so aufdröseln.“ Jedes Ausschussmitglied könne die Gebührenerhöhung vernünftig begründen. „Wir können das Minus einfach nicht noch weiter auflaufen lassen.“ Und Bürgermeisterin Weike nutzte die Steilvorlage Krefts, um ihr Schweigegelübde in der Wahlkampfzeit nun nach der Wahl zu brechen. „Ich war schon erstaunt, was zum Thema Wasser im Wahlkampf suggeriert wurde: Mich ärgert es, wenn versprochen wird, eine gerade sanierte Enthärtungsanlage noch einmal zu sanieren“, empörte sich die scheidende Bürgermeisterin. „Die Zahlen sprechen für eine Erhöhung und es ist richtig, den neuen Bürgermeister nicht mit dieser Entscheidung zu belasten“, betonte Karl-Hermann Grohnert (CDU).

Andreas Honsel (FDP) räumte ohne Umschweife wie alle Ausschuss-Mitglieder die „massiven Probleme im Wasserbereich in den vergangenen Jahren“ ein und bezweifelte nicht, dass „diese große Gebührenerhöhung sicher einige Bürger, gerade Familien, erheblich trifft“. Der einstimmige Beschluss bei einer Enthaltung (Reinhard Kreft) zeigte jedoch, dass der Ausschuss auch angesichts höherer Aufwendungen bei einem niedrigeren Wasserabsatz keine Alternative zu höheren Gebühren sieht. Dieser Beschluss wird am 8. Oktober im Rat abschließend auf der Agenda stehen.

Kämmerer Rainer Demoliner sicherte zu, dass jährlich geprüft werde, was rechnerisch möglich sei bei den Wassergebühren. „Und vielleicht können wir die Gebühren ab 2023 schon wieder nach unten anpassen.“

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