Revierförster informiert Werthers Lokalpolitiker auf einer Wiederaufforstungsfläche
Ausschuss steht im Wald

Werther (WB). Borkenkäfer und Orkantief „Friederike“ haben den Wald auch in Werther schwer geschädigt. Auf der Tagesordnung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt stand nun der Umgang mit einigen städtischen Kalamitätsflächen. Entscheidungshilfen erhofften sich Ausschuss und Verwaltung von Revierförster Johannes-Otto Lübke vom Landesbetrieb Wald und Holz . Bei einem Ortstermin erläuterte er Maßnahmen auf einer privaten Wiederaufforstungsfläche an der Stadtgrenze zu Bielefeld.

Donnerstag, 01.10.2020, 02:15 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 02:20 Uhr
Mitglieder des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt und weitere Interessierte ließen sich von Revierförster Johannes-Otto Lübke die Wiederaufforstungsmaßnahmen auf einer ehemals von Fichten dominierten Fläche erklären. Foto: Johannes Gerhards

Im Hintergrund stehen noch die Skelette einiger Fichten, die sich bereits verabschiedet haben. Bevor Sturmtief „Friederike“ Anfang 2018 den Wald in diesem Bereich zu Fall brachte, beherrschte die Fichte das Bild, obwohl sie laut Johannes-Otto Lübke in NRW von Natur aus nicht vorkommt. Nach Rodung der Fläche wurden im September 2018 insgesamt acht verschiedene Baumarten angepflanzt, um einen multifunktionalen Wald entstehen zu lassen.

Junge Bäume hochschieben

„In kleinen Kompartimenten stehen Eiche, Buche, Lärche, Douglasie und vereinzelt auch Esskastanien zusammen“, erklärte der Waldfachmann. Man achte auf intraspezifische Konkurrenz, damit sich die jungen Bäume gegenseitig hochschieben. Würde der Wald sich selbst überlassen, setzten sich Pioniergehölze wie die schnell wachsende Birke, Eberesche und Erle durch. Das stehe aber den gewünschten Zielbaumarten entgegen, die sich erst nach mehreren hundert Jahren durchgesetzt haben könnten.

Anstelle von Fichtenmonokultur strebt der Waldbesitzer einen stabilen, multifunktionalen Wald an mit unterschiedlich tief wurzelnden Gewächsen. Durch den Wegfall der Fichte steigt aber der Importbedarf von Bauholz, räumt Lübke ein. Die ungewöhnlich hohen Holzexporte nach China hingen auch damit zusammen, dass die hiesigen Verarbeitungskapazitäten dem Überangebot nicht gerecht würden. „Außerdem lässt sich das gefällte Holz nicht unbegrenzt lagern“, ergänzt Waldbauer Hannes Dicke-Wentrup.

Fichten anpflanzen zu wollen, ist legitim

Widersprüchliche Ansichten gibt es in Bezug auf standortgerechte Baumartenwahl. Während Wolfgang Böhm (früher Grüne, jetzt WDGA) sich für Selbstselektion ohne waldpädagogische Maßnahmen ausspricht, möchte Gert Klages (SPD) die Bestimmungen im für Behörden verbindlichen Landschaftsplan einhalten, der Baumarten wie Lärchen und Esskastanien in diesem Bereich nicht zulässt. Auf Nina Wellands (UWG) Einwand, der Plan aus dem Jahre 1999 sei womöglich nicht an die Klimaveränderungen angepasst, reagierte Klages mit dem Hinweis, das Grundgesetz sei noch älter.

Revierförster Johannes-Otto Lübke orientiert sich nicht zuletzt am Willen des Waldbesitzers. Es sei trotz geringer Erfolgsaussichten legitim, weiterhin Fichten anzupflanzen. Auf Nachfrage von Udo Lange (SPD) bezeichnet er die Douglasie als nicht invasive Art. Sie bleibe in der Regel im Areal der Mutterbäume und sei in der Regel deutlich widerstandsfähiger gegenüber dem Borkenkäfer.

Beim öffentlichen Wald spielt Wirtschaftlichkeit untergeordnete Rolle

Beim öffentlichen Wald spielt die Wirtschaftlichkeit eine eher untergeordnete Rolle. Das wurde auch bei der Ausschutzsitzung deutlich. Auf den insgesamt etwa 1,2 Hektar großen Teilflächen Hengeberg, Am Hang, Blotenberg, Schwarzer Weg und oberhalb der Borgholzhausener Straße werde man gerne etwas nachhelfen, den Kulturlandschaftsraum zu erhalten und den „unnatürlichen Zustand ohne Bäume“ zu beenden, schlug Bürgermeisterin Marion Weike vor. Sie regte den Verzicht auf nicht im Landschaftsplan Osning vorgesehene Baumarten an. Wolfgang Böhm konnte sich mit seiner Idee einer „Naturwaldzellen“ nicht durchsetzen. Mit seiner Gegenstimme und zwei Enthaltungen der Grünen werden außerplanmäßige Kosten in Höhe von 26.400 Euro aus dem laufenden Haushalt bereitgestellt. Das Land NRW fördert die Maßnahme voraussichtlich mit 11.000 Euro.

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