Sie wollen in Werther mitgestalten – auch ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten
Die FDP ist neutral – noch

Werther (WB). „Ein Bürgermeister ist weder Bundeskanzler noch König von Werther“, sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Jan-Holm Sussieck. Zwei Drittel aller Fragen, die derzeit an die fünf Kandidaten gerichtet sind, würden in aller Regel vom Rat entschieden. Und hier habe auch der Bürgermeister nur eine Stimme.

Donnerstag, 10.09.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 05:04 Uhr
An dieser Stelle könnte die Straße an Wochenenden außerhalb der Ladenöffnungszeiten durch variable Poller gesperrt werden, um die Aufenthaltsqualität am Alten Markt zu erhöhen. Andreas Honsel (links) und Jan-Holm Sussieck von der FDP schlagen eine entsprechende Testphase vor, um die Auswirkungen besser beurteilen zu können. Foto: Johannes Gerhards

Sussieck ist sich mit dem Ortsvorsitzenden Andreas Honsel darüber einig, dass die derzeitige Fokussierung auf die Bürgermeisterkandidaten in einem der intensivsten Wahlkämpfe der letzten Jahre sachlich nicht gerechtfertigt ist. Die Freien Demokraten hätten mindestens so viel zu sagen wie die anderen Parteien, deren Kandidaten sich unentwegt zu programmatischen Aspekten äußern. „Wenn wir einen eigenen Bewerber aufstellen, dann nur einen, der es will und kann und keinen reinen Zählkandidaten“, betont Andreas Honsel. Beim letzten Mal habe man noch Marion Weike unterstützt, diesmal gibt es keine klare Wahlempfehlung. Die FDP ist laut Honsel strikt neutral, bei einer zu erwartenden Stichwahl werde man sich neu positionieren.

Nicht das Auto ganz verbannen

Am Wochenende haben ihre Mitglieder Bürgerbefragungen auf dem Alten Markt durchgeführt. „Auch wir sind für eine Reduzierung des Verkehrs in der Innenstadt, im Idealfall nach der Devise Durchgangsverkehr raus – Einkäufer rein“, sagt Andreas Honsel. „Wir wollen die Situation für alle verbessern“, ergänzt Jan-Holm Sussieck und erteilt der „Verbannung des Autoverkehrs als Wert an sich“ eine klare Absage. Wenn die Autos weg bleiben, verschwinden auch die inhabergeführten Geschäfte des Einzelhandels, so die Überzeugung der Liberalen in Werther.

Sie denken darüber nach, im Sinne einer Verkehrsberuhigung den Alten Markt an Wochenenden nach Geschäftsschluss temporär auf Höhe der Eisdiele abzusperren. Man sei offen fürs Ausprobieren und wolle erst einmal anfangen, um dann zu sehen, ob sich die Situation verbessert oder verschlechtert. Diese „verträgliche abgewogene Position mit Augenmaß“ sei bei den Umfragen gut angekommen, behaupten die beiden Liberalen.

Investitionsstau beim Wasser

Doch ihnen gehe es nicht nur um verkehrspolitische Fragen. Ihr plakativer Slogan „Wasser klar machen“ verweise auf einen Investitionsstau von acht Millionen Euro bei der Infrastruktur von Wasser und Abwasser. Die FDP will vernünftige Qualität zum vernünftigen Preis und schließt auch Kooperationen mit Nachbarkommunen nicht aus, wenn es sich wirtschaftlich rechne.

Auch wenn in Werther auf den ersten Blick alles gut zu sein scheine, hat die FDP mit der leicht zurückgehenden Bevölkerungszahl und dem höchsten Altersdurchschnitt zwei gesellschaftliche Alarmzeichen ausgemacht. „Das wird uns Steuerkraft kosten und kann dazu führen, dass bestimmte Leistungen nicht mehr angeboten werden, weil das Geld fehlt“, befürchtet Jan-Holm Sussieck. Allen Gewerbetreibenden müssten Möglichkeiten eröffnet und die Engpässe beim Wohnungsbau etwa durch eine digitale Bauplatzbörse beseitigt werden. Das Schließen städtischer Baulücken kann nach Ansicht der FDP nur im Einvernehmen mit Grundstückseigentümern erfolgen.

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