Zweites Windrad in Werther-Häger kann rechnerisch 2500 Haushalte mit Strom versorgen
4,5-Millionen-Gigant ist startbereit

Werther (WB). Der Gigant soll Windenergie in Strom verwandeln. Da mutet es paradox an, dass ausgerechnet eine starke Brise den Start für Hägers zweite Windkraftanlage verschoben hat. Die Sturmböen am vergangenen Mittwoch haben dafür gesorgt, dass sich die gewaltigen Rotorblätter von 61,5 Meter Länge nicht schon in dieser Woche in Bewegung setzen, sondern erst in der nächsten.

Dienstag, 01.09.2020, 10:42 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 10:44 Uhr
Das zweite Windrad in Häger aus Sicht von Werthers Innenstadt, im Hintergrund ist das Windrad Nagelsholz in Spenge zu erkennen. Foto: Gunnar Feicht

„Wegen des Sturms am Mittwoch konnten an dem Tag auch keine Innenausbauarbeiten verrichtet werden. Dann schwankt es bei 130 Metern Höhe einfach zu stark“, erläuterte Projektleiter Albrecht Beckmann am Freitagabend. Er informierte die Teilnehmer einer Radtour der Grünen, die im Rahmen des Kommunalwahlkampfes zum Ortstermin an der Holzstraße führte. Beckmann von der Planungs- und Betreibergesellschaft Projekt GmbH Oldenburg lieferte spannende Fakten zu dem bis zuletzt umstrittenen Bauvorhaben, das erst im Mai mit der letzten Klage-Abweisung am Verwaltungsgericht Minden endgültig grünes Licht erhielt.

Turm reckt sich auf 137 Meter empor

Die frische Brise am Standort, die auch bei Fußballspielen auf dem nahen Sportplatz ein Faktor ist, hatte Mittwoch zeitweise Sturmstärke erreicht. „Ab zehn Metern pro Sekunde Windgeschwindigkeit kann auch der Kran nicht mehr arbeiten“, nennt Albrecht Beckmann einen weiteren Grund, warum der Mittwoch für den Aufbau verloren ging. Dennoch waren die drei Rotorblätter bis Freitag fertig montiert, der Kran konnte abrücken. Jetzt wartet die gewaltige Anlage auf die erste Umdrehung im Wind: Der Turm reckt sich bis zur Nabe auf 137 Meter empor, misst am Fundament sechs Meter im Durchmesser und verjüngt sich im Bereich der oberen 80 Meter bis auf vier Meter. Er besteht aus fünf Elementen, von denen die unteren drei für den Sechs-Meter-Bereich vor Ort zusammengesetzt werden mussten.

Wenn die Rotorblätter (1,50 bis vier Meter breit) den höchsten Punkt ihrer Kreisbahn erreichen, bewegen sich die Spitzen 200 Meter über dem Fundament. Auch das hat wegen der Hanglage atemberaubende Dimensionen: 4,50 Meter tief (bei einem Durchmesser von 22,70 Metern) war die Baugrube, die auf einer Basis von 1000 Kubikmetern Schotter mit 650 Kubikmetern Beton aus 70 Lkw ausgegossen wurde. Was ein Projekt dieser Größenordnung natürlich kostspielig macht. Albrecht Beckmann: „Inklusive der dazugehörigen Infrastruktur erfordert diese Windkraftanlage Investitionskosten von circa 4,5 Millionen Euro. Sie soll nach den Prognoseberechnungen etwa zehn Millionen Kilowattstunden Strom produzieren, das entspricht dem Verbrauch von rund 2500 Durchschnitts-Haushalten.“ Und der Experte begründete auch, warum es zu dem Riesen (Nennleistung 3,6 Megawatt) unter den Ausschreibungsbedingungen der Bundesnetzagentur keine Alternative gebe: „Mit kleineren Anlagen ist Strom aus Windkraft nicht marktgerecht zur produzieren.“

Ab 7. September soll der erste Strom geliefert werden

Wegen der vielen Unwägbarkeiten in den Genehmigungsverfahren stockt derzeit vielerorts der Ausbau der Windenergie. Auch in Werther stand das Projekt wie berichtet wegen der Klage der Stadt und eines Anliegers bis Mai auf der Kippe. „Deshalb konnten wir in der Planung auch keine Bürgerbeteiligung – etwa in Form von genossenschaftlichen Anteilen – anbieten. Wenn eine Genehmigung beklagt wird, ist das Risiko einfach zu hoch“, erläuterte Albrecht Beckmann. Gemeinsam mit den Technikern vor Ort hofft er, dass die letzten Schritte bis zum Start jetzt störungsfrei verlaufen.

Am 2. September soll die Stromversorgung für die Technik der Anlage zugeschaltet werden. Wenn danach Inbetriebnahme und Sicherheitstests wie geplant über die Bühne gehen, wird das Windrad vom 7. September an den ersten Strom liefern. Hoffentlich dank einer stetig frischen Brise über der Holzstraße, die aber möglichst selten den Wert zur Sicherheitsabschaltung erreicht. Die erfolgt dann, wenn es in 140 Metern Höhe mit mehr als 20 Metern pro Sekunde bläst.

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