Schiedsmann Heinrich Heining in Werther feiert sein 25-jähriges Dienstjubiläum
Streitschlichter aus Berufung

Werther (WB). Den einen stört der vom Grill herüberziehende Rauch von der Nachbarterrasse, dem nächsten hängen die Äste zu weit über die Grundstücksgrenze. Mit diesen und anderen Nachbarschaftsstreitigkeiten beschäftigt sich Heinrich Heining schon seit 25 Jahren als Schiedsmann. Dafür wurde er jetzt ausgezeichnet.

Montag, 10.08.2020, 05:06 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 05:10 Uhr
Seit 25 Jahren schlichtet er Streitigkeiten: Zu seinem Jubiläum als Schiedsmann gratulieren Heinrich Heining die Direktorin des Amtsgerichts Halle, Ina Lehmann-Schön (Mitte) und Bürgermeisterin Marion Weike. Foto: Kerstin Panhorst

„Ich übe dieses Amt ausgesprochen gerne aus, es hat immer Spaß gemacht weil es mit viel Abwechslung verbunden ist. Für mich ist es selbstverständlich, das man als Staatsbürger nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten hat und ein Ehrenamt übernimmt“, sagt Heinrich Heining.

Der 72-Jährige leistet viel ehrenamtliche Arbeit, hat einst im Förderverein des St. Jacobistiftes für den Erhalt des Wertheraner Krankenhauses gekämpft, saß im Aufsichtsrat des Bankvereins, hat sowohl den Treckerclub mitbegründet wie auch die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG). Neben seiner Tätigkeit als Schiedsmann ist Heining derzeit auch noch als Kirchmeister der Jacobigemeinde im Einsatz und ist Beisitzer in der Bezirksvereinigung Bielefeld des Bunds Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. (BDS).

Auch der Vater war Schiedsmann

Als vor 25 Jahren die Stadt Werther einen Schiedsmann suchte fühlte sich der damalige Verwaltungsleiter des Evangelischen Gymnasiums gleich angesprochen. „Mein Vater war früher Schiedsmann, und ich erinnere mich, ich als kleiner Junge an der Tür zum Wohnzimmer gestanden habe und zuhörte bei den Schlichtungen. Das war in der Nachkriegszeit, da ging es um von der Leine geklaute Wäsche oder fehlende Hühner im Stall“, erzählt Heinrich Heining. Die meisten Fälle, die er bearbeitet, sind inzwischen Nachbarschaftsstreitigkeiten. Dazu kommen ehrverletzende Äußerungen und einige strafrechtliche Bagatellen.

Im strafrechtlichen Bereich hat die Nachfrage nach einer außergerichtlichen Einigung beim Schiedsmann aber stark nachgelassen. „Die meisten haben heute eine Rechtsschutzversicherung und gehen gleich zum Anwalt und vor Gericht, nur bei Nachbarschaftssachen ist das Schiedsverfahren obligatorisch vorgeschaltet“, erläutert die Direktorin des Amtsgerichts Halle, Ina Lehmann-Schön. Dabei sei ein Schiedsmann oft eine schnelle und kostengünstigere Lösung. „Die Gebühren sind mit unter 50 Euro ausgesprochen gering. Wo man bei Gericht oft Jahre wartet, gibt es bei uns innerhalb weniger Wochen einen Termin. Und vor Gericht gibt es Gewinner und Verlierer – das ist bei Nachbarn ineffektiv, da man ja weiter nebeneinander wohnen muss und sich weiter im Kriegszustand befindet“, sagt Heining.

Streitigkeiten auf den Grund gehen

Bei vielen Nachbarn liege die Ursache für Streitigkeiten oft Jahre, wenn nicht sogar Generationen zurück. Deswegen nimmt er sich viel Zeit, den Grund aufzuspüren und bei den Schlichtungsterminen alles anzusprechen. Für die Zukunft wünscht er sich allerdings, das sein Amt wieder mehr an Bedeutung gewinnt, vor allem bei strafrechtlichen Verfahren. Deshalb plädiert Heining für die Aufhebung eines Erlasses, der Schiedsleute dazu verpflichtet, Strafsachen wie Beleidigung, Verleumdung, Hausfriedensbruch oder leichte Körperverletzung bei der Polizei anzuzeigen: „Diese Bagatellfälle landen dann vor Gericht und werden meist wegen Geringfügigkeit eingestellt. Würde man diese von den Schiedsleuten regeln lassen, könnte das Land Millionen an Gerichtskosten sparen, und die Beteiligten hätten die Möglichkeit auf eine Einigung“.

Noch vier Jahre ist er offiziell im Amt, aber derzeit arbeitet Heinrich Heining seine Stellvertreterin und potenzielle Nachfolgerin Martina Ulrich bereits ein. „Ich kann das nicht unendlich machen und möchte im Laufe der Amtszeit den Stabwechsel vollziehen, auch wenn noch nicht fest steht, wann genau“, sagt der Jubilar.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7527746?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516078%2F
Flug mit Migranten aus Moria in Hannover gelandet
Unbegleitete minderjährigen Migranten, kranke Kinder oder Jugendliche sowie ihre Familien aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria sind am Morgen in Hannover angekommen.
Nachrichten-Ticker