Tourismusförderung in Werther: Trotz Corona-Rückschlags mit langem Atem und vielen Ideen
„Heimaturlaub“ ist gefragt

Werther (WB). „Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen.“ Auch wenn dieser Slogan mancher Ferienregion für Werther noch nicht voll ins Schwarze trifft: Gerade während des ersten Corona-Lockdowns von Mitte März bis Anfang Mai haben viele Einheimische entdeckt, dass vor ihrer Haustür das ideale Revier zur aktiven Erholung liegt.

Samstag, 11.07.2020, 08:00 Uhr
Viele Einheimische haben den Teuto neu entdeckt. Werther und seine Nachbarn hoffen, dass Natur und Sehenswürdigkeiten auch Touristen anlocken. Foto: Projektbüro Hermannshöhen

Mit diesem Pfund wirbt die Stadt Werther seit geraumer Zeit immer intensiver um auswärtige Touristen. Speziell die Phase um Ostern, als viele Zeit hatten, aber wegen der Corona-Beschränkungen ihre Urlaubsreisen nicht antreten konnten, schien den Bemühungen zum Durchbruch zu verhelfen. „Da stand das Telefon zeitweise nicht mehr still und das E-Mail-Postfach war voll“, berichtet Sandra Wursthorn von vielen Anfragen nach Freizeitaktivitäten in und um Werther.

Ferien im Inland

Im Fachbereich 1 der Stadtverwaltung kümmert sie sich speziell um Tourismusförderung und setzt Werthers Reize in allen erreichbaren Medien wirkungsvoll in Szene. „Der Flyer mit den Wertheraner Wanderrouten fand reißenden Absatz, die neu markierten Wege wurden super angenommen. Auch zu den Ruhe- und Aussichtspunkten und der ‚Digitalisierung‘ gab es nur positive Resonanz. Das war schon ein kleiner Hype“, sagt Sandra Wursthorn. Ein kleiner Hype, der Hoffnungen nährte, dass Werther schon diesen Sommer vom Trend zu Ferien im Inland durch Wochenendurlauber und Übernachtungsgäste profitieren könnte.

Diese Hochrechnung hat der Corona-Ausbruch im Juni am anderen Ende des Kreisgebiets vorerst durchkreuzt. „Wir wollten das Thema ‚Urlaub bei uns‘ natürlich in den Fokus rücken. Deshalb ist es sehr schade, dass unsere Region jetzt erst mal diesen unverschuldeten Imageschaden überwinden muss“, sagt Sandra Wursthorn. Eine bittere Pille vor allem für die Gastronomie mit Übernachtungsmöglichkeiten wie das Hotel-Restaurant Bergfrieden am Waldrand des Teuto.

Noch ein Rückschlag

„Bei uns war der Betrieb nach der ersten Corona-Zwangspause gerade wieder in Gang gekommen. Wir hatten die ersten kleineren Gesellschaften und Geburtstagsfeiern, als der Rückschlag kam. Von zusätzlichen Übernachtungen durch Feriengäste haben wir bisher noch nicht profitiert“, berichtet Dirk Wulfmeier, der Wirt des Bergfriedens.

Auch er hofft aber, dass sich ein langer Atem in der Tourismusförderung auf Sicht auszahlen wird. In Werther hat der Zug in diese Richtung vor etwa vier Jahren Fahrt aufgenommen – seit sich Sandra Wursthorn auf diesen Bereich konzentrieren kann und die kommunalpolitischen Gremien den Bemühungen Rückhalt geben.

Schwerpunkt Wandern

Inzwischen hat sich viel getan, von dem auch Einheimische und Neubürger in ihrer Freizeit profitieren. Wer unter „stadt-werther.de” den Menüpunkt „Entdecken” wählt, lernt unter elf Links von „Stadtführungen” bis „Skulpturenpfad“ viele neue Seiten von Werther und Umgebung kennen. Besonders vielfältig ist das Angebot unter „Laufen, Wandern, Radfahren“ mit dem Schwerpunkt Wanderwege.

Vom zeitgemäßen Online-Auftritt bis zur Präsenz bei Tourismus-Messen drehen sich schon viele Räder. Aber Sandra Wursthorn („Ich brenne dafür, dass wir noch mehr erreichen“) sieht weitere Reserven. Deshalb intensiviert sie seit geraumer Zeit die Zusammenarbeit mit Kolleginnen aus den Rathäusern in Halle und Borgholzhausen, um die Region unter dem Motto „Ravensberger Landpartie“ für Busreisen attraktiv zu machen. Besuche im Böckstiegel-Museum, bei Lebkuchen-Schulze oder auf der Burg Ravensberg sollen Gruppen an den Teuto locken.

Genießen für Radler

Das nächste Projekt in Kooperation mit Nachbar-Kommunen ist ebenfalls schon in Arbeit. Sandra Wursthorn: „Wir haben den Wanderweg für Genießer auf der Landesgartenschau vorgestellt. Da kam aus unterschiedlichen Altersgruppen die Frage: Gibt es das auch für Radfahrer?“ Noch nicht, aber seit dieser Anregung wird passend zum Fahrradboom inzwischen an der schönsten Radrunde durch die fünf Altkreiskommunen gearbeitet. Wenn es optimal läuft, kann man schon 2021 den Schildern auf der neuen Route folgen – die nächste Entdeckungsreise durch einen Landstrich, wo es sich lohnt, Urlaub zu machen.

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