Knut Weltlich will seine Dokumentation über die Kleinbahn zwischen Werther und Bielefeld fortsetzen
Startsignal für Filmfolge 2

Werther (WB). Ein Schlusslicht gibt das Signal zum Neustart. Die gut erhaltene Petroleumlampe, die einst am letzten Waggon der Bielefelder Kleinbahn leuchtete, hat Knut Weltlich bekommen, als er seinen Film über das Transportmittel, das viele Wertheraner so in ihr Herz geschlossen haben, schon x-mal gezeigt hatte. „Und immer wieder gibt es Anfragen: Wird der Film fortgesetzt?“ Jetzt hat der 70-jährige Hägeraner sich entschlossen: „Ja, ich dokumentiere auch die Wegstrecke von Dornberg bis Schildesche.” Aber dafür braucht er Hilfe.

Dienstag, 07.07.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 08:02 Uhr
Die „Dicke Dornberg“ brachte von 1901 bis 1956 auch schwere Güter von Werther nach Bielefeld. Poppe & Potthoff hatte einen eigenen Gleisanschluss. Nachdem eine erste Dokumentation große Resonanz fand, soll nun eine zweite folgen. Foto: Stadtarchiv Werther

Denn in den Erinnerungen vieler Älterer ist die Kleinbahn, die von 1901 bis 1956 zwischen Werther und dem Bielefelder Ostbahnhof verkehrte und das Städtchen damit ans große Schienennetz brachte, zwar noch sehr präsent. Aber de facto erinnern in Werther nur noch ein altes Bahnhofsgebäude und zwei Brücken an die Strecke. Da war es ein Kunststück, einen Film zu drehen, wenn es die Motive nicht mehr gibt.

Wenn, dann jetzt

Und dazu die Zeitzeugen immer weniger werden. „Wenn, dann jetzt”, hat sich Knut Weltlich deshalb gesagt. Er ist nun auf der Suche nach neuem Material, das ihm und dem inzwischen verstorbenen Stadtführer und Heimatforscher Wilhelm Redecker bislang noch nicht in die Finger gekommen ist. „Ein Film lebt nun einmal besonders vom Bild”, hofft der Hobbyfilmer mit professioneller Ausrüstung darauf, dass alte, bislang unentdeckte Fotos und andere Dokumente auftauchen und mit ihm Geschichten, die sich um die legendäre Kleinbahn ranken.

Der erste Film, der im Februar 2018 uraufgeführt wurde und einen riesigen Andrang erlebte, widmet sich vornehmlich der Strecke von Werther bis zur Stadtgrenze Bielefeld. Die Fortsetzung soll nun an dem Ort beginnen, wo der erste endete: am Bahnhof in Dornberg. Auf dem erhöhten Bahndamm ratterte der Zug im gemütlichen Tempo noch ein paar Kilometer weiter bis Schildesche.

Es hat gefunkt

„Das griechische Restaurant Lindos in Babenhausen zum Beispiel war früher Bahnhofsgaststätte”, erzählt Weltlich. Das könne er anhand alter Aufnahmen bereits wunderbar dokumentieren. Aber das es da noch viel mehr zu erzählen gibt, davon ist er überzeugt. Wo doch schon viele Zuschauer, die den ersten Teil gesehen haben, unzählige Anekdoten zum Besten gegeben haben. „Eine Frau hat sich plötzlich als junges Mädchen auf der Leinwand wiederentdeckt. Sie hat unterwegs ihren Ehemann kennengelernt.”

Solche Geschichten machen den Dokumentarfilm fast einen Heimatfilm. Aber es braucht natürlich Material, mit dem die Erinnerungen anschaulich werden. Auch düstere und dramatische aus dem Zweiten Weltkrieg. Am 30. September 1944 wurde der Bielefelder Bahnhof zerbombt, auch 29 Wertheraner starben damals. Viele von ihnen wollten gerade mit der Kleinbahn nach Hause fahren.

Traurige Erinnerungen

An diesem Tag wurde der kleine Zug nicht selbst getroffen. Ein anderes Mal nahmen die Tiefflieger sehr wohl die Kleinbahn ins Visier. Allerdings verfehlten sie ihr Ziel. Stattdessen wurde der Giebel des Hofes Meyer zu Köker in Brand geschossen. Zudem riss ein Bombenvolltreffer die Bahntrasse auf 20 Metern komplett auf.

Der erste Film dauert genauso lang wie einst die Fahrt von Werther nach Bielefeld: 45 Minuten. Wie lang die Fortsetzung der Erinnerungsreise werden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel „Futter“ ihm geliefert wird. Wer einen Beitrag leisten kann und möchte, melde sich bei Weltlich unter Tel. 05203/ 883365 oder per E-Mail an knut45@gmx.de.

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