Vor 25 Jahren hat sich die Hospiz-Initiative Werther gegründet – Zwangspause durch Corona
(K)ein Jubiläum in aller Stille

Werther (WB). Ein Jubiläum in aller Stille – nein, das passt nicht zur Hospiz-Initiative Werther. Gern hätten die ehrenamtlichen Trauer- und Sterbebegleiter im größeren Rahmen mit Freude und Dankbarkeit auf die 25 Jahre zurück geblickt, die seit ihrer Gründung vergangen sind. Das Thema Sterben wollten sie mit einigen Veranstaltungen dorthin rücken, wo es ihrer Meinung nach hingehört: in die Mitte der Gesellschaft.

Dienstag, 09.06.2020, 08:00 Uhr
Auf der letzten Etappe des Lebens nicht allein: Viele Wertheraner Familien haben in 25 Jahren die Unterstützung durch die Ehrenamtlichen der Hospiz-Initiative erfahren. Im Moment ist diese Nähe leider nicht möglich. Die Arbeit ruht. Foto: dpa

Doch dann kam Corona und durchkreuzte nicht nur die Planungen zum besonderen Geburtstag. Vor allem legte die Pandemie die Begleitung todkranker Menschen und ihrer Angehörigen komplett lahm. Und wann die durch Ehrenamtliche wieder aufgenommen werden kann, sei leider völlig unklar, bedauert Margot Pankoke.

Ohne Nähe geht es nicht

Nähe ist nun einmal zentrales Element der Hospizarbeit. Die entsteht manches Mal schon durch ein Wort, kommt aber trotzdem nicht ohne körperliche Anwesenheit aus. Begleitung auf Abstand? Kaum denkbar. „Manchmal ist vielleicht ein Telefonat möglich", sagt die 71-Jährige, die von Beginn an Vorsitzende des Vereins ist. „Aber das fängt es nicht auf."

Margot Pankoke nennt es ein „unfreiwilliges Sabbatjahr", das der Gruppe auferlegt wurde. „Wer weiß? Vielleicht setzt das ja kreative Ideen frei", versucht sie es auch positiv zu sehen. Immerhin seien jetzt wieder die monatlichen Treffen mit etwa einen Dutzend der Mitglieder möglich – wenn auch nicht im gewohnten Platz im Altenheim, dem sich die Initiative sehr verbunden fühlt. Dort sind die Türen für Gruppentreffen dieser Art nach wie vor verschlossen.

Niemals Routine

Bei diesen Zusammenkünften ist Raum für den Austausch über Erfahrungen, die die Helfer sammeln, wenn sie einen Menschen auf einem wichtigen Stück des Lebens begleitet haben. Wie viele das in 25 Jahren gewesen sind, vermag Margot Pankoke nicht zu beziffern. Ohnehin sei jede Begegnung wertvoll und einzigartig: „Auch mit viel Erfahrung ist Hospizarbeit niemals Routine. Man geht beim ersten Mal immer ganz leer zu einer Familie", berichtet die Wertheranerin.

Dass das Begleiten auf der letzten Etappe des Lebens mitunter erschöpfend, unterm Strich aber immer bereichernd ist, davon zeugt die große Zahl der Aktiven, die seit der Gründung 1995 bis heute dabei sind. Seitdem hat sich – nicht nur in Werther – viel im Bereich der Hospizarbeit getan. Die Palliativmedizin, die Schmerzen in der letzten Lebensphase wirksam zu nehmen weiß, hat enorme Fortschritte gemacht.

Dankbare Spenden

Das Ansinnen, dem Sterben mehr Menschlichkeit zu geben, Angehörige zu entlasten und damit vielen Menschen den Abschied in vertrauter Umgebung zu ermöglichen, trägt Früchte. Auch ohne Anschluss an eine Institution ist die Hospiz-Initiative vielen Wertheranern ein Begriff, und so mancher Spendenaufruf unter einer Traueranzeige ist Ausdruck der Wertschätzung für die geleistete Unterstützung.

„Das 25-jährige Bestehen wäre nicht möglich ohne die engagierten Menschen, die diese Aufgabe mittragen und sie ideell oder finanziell unterstützen", dankt Margot Pankoke im Namen ihrer Mitstreiter. Sie haben zwar sämtliche Aktionen, die übers Jahr verteilt vorgesehen waren ("Die ersten Einladungen waren schon verschickt, als die Corona-Krise den Alltag plötzlich auf den Kopf stellte"), nun abgesagt. Aber nächstes Jahr soll stattdessen "25 +1" gefeiert werden – wie vorgesehen mit Märchen und Harfenmusik, einem Theaterstück "Sterben lernen" und einer Mitmach-Aktion vorm Rathaus.

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