Hans-Martin Weber sendet in Werther musikalische Signale der Zuversicht aus
Trompetengruß vom Balkon

Werther (WB). „Das ist ein schöner Corona-Nebeneffekt“, sagt Anne Weber über die musikalischen Grüße an die Nachbarschaft, die ihr Mann Hans-Martin vom 19. März bis Pfingsten allabendlich um 19 Uhr vom Balkon aus erklingen ließ. In Zukunft will er im Zuge der allgemeinen Lockerungen auch selbst etwas kürzer treten und sein Kurzkonzert noch zweimal pro Woche anbieten.

Samstag, 06.06.2020, 08:00 Uhr
Konzert auf Balkonien: Hans-Martin Weber und Ehefrau Anne erfreuen die Nachbarn mit musikalischen Grüßen während der Corona-Krise. Das soll künftig nicht mehr täglich, aber immerhin noch zweimal pro Woche so bleiben. Foto: Johannes Gerhards

Der pensionierte Pfarrer spielt normalerweise die zweite Trompetenstimme im Posaunenchor Werther. Weil gemeinsames Musizieren derzeit nicht möglich ist, nahm er gerne die von der Kirchengemeinde angeregte schöne Idee auf, während der Passionszeit Choräle, Volkslieder und Spirituals auf dem Balkon zu spielen – in Ergänzung zu Corona-Glockenläuten und Berggebet . Die Reaktionen aus den Nachbarhäusern waren durchweg positiv, beschwert ob vermeintlicher Ruhestörung habe sich niemand, betont Hans-Martin Weber.

Eines Tages fand sich eine Geldspende im Briefkasten

Ganz im Gegenteil – eines Tages fand sich eine Geldspende vom „Laienchor aus der Nachbarschaft“ in seinem Briefkasten. Diese hat er umgehend an Sebastian Plath vom Mittagstisch weiter geleitet. Zusätzlich vergrößerte sich das Ensemble. Vom Fenster des Nachbarhauses aus beteiligt sich Webers Schwager Gerhard Esdar als „Junge mit der Mundharmonika“ am abendlichen Konzert, und Ehefrau Anne singt dazu. Inzwischen füllen 28 Texte drei provisorische Liederblätter, das abendliche Repertoire entsteht ganz spontan auf Zuruf.

Zur Einstimmung erklingt beispielsweise „When the Saints go marching in, dann wünscht sich eine Dame aus Nachbars Garten drei Strophen „Ich singe dir mit Herz und Mund“. Ein Dachfenster öffnet sich, und weitere Stimmen melden sich bei „Die Gedanken sind frei“ zu Wort. Den Schlusspunkt bilden schließlich „Der Mond ist aufgegangen“ und Beethovens „Ode an die Freude“ als Zuversichtsmelodie, wie Anne Weber es nennt.

Durchweg positive und begeisterte Rückmeldungen

„Manche verfolgen das Konzert auch am Telefon“, berichtet Hans-Martin Weber von dem Interesse der Enkelkinder an Trompeten- und Harmonikaklängen. Seine Frau und er haben sich im März freiwillig in Quarantäne begeben, denn als gelernter Elektriker kenne er sich mit Isolierung aus, merkt er scherzhaft an. Inzwischen kommen Kinder und Enkel auch wieder zu Besuch, wobei das Abstandhalten natürlich noch weiterhin ein Thema ist. Lieber schließlich etwas länger vorsichtig sein als ungewollt das Virus verbreiten, so lautet Webers Credo.

Seine Zuhörer geben durchweg positive und begeisterte Rückmeldungen, ein sich gelegentlich einschleichender falscher Ton wird bereitwillig überhört. Auch wenn Hans-Martin Weber seine Trompete demnächst seltener auspackt, zeigt sein Engagement doch, dass die Coronasituation durchaus auch positive Auswirkungen haben kann.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7438338?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516078%2F
Armina-Sportchef Arabi: „Saisonstart macht Gier auf mehr“
Arminias Sportgeschäftsführer Samir Arabi spricht von einem gelungenen Start in die Bundesliga-Saison. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker