Windrad Häger: Mittwoch Verhandlung in Minden – aber die Fahrzeuge rollen schon
Baubeginn vor Gerichtsentscheid

Werther (WB). Auf der Zufahrt am Sportplatz des SV Häger rollen bereits seit Ende April Baufahrzeuge, doch erst an diesem Mittwoch werden juristisch die Weichen gestellt, ob das umstrittene zweite Windrad (geplante Höhe 200 Meter) am Ortsrand gebaut werden kann. Dann steht die mündliche Verhandlung einer Klage der Stadt Werther gegen das Projekt vor dem Verwaltungsgericht Minden an.

Dienstag, 12.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 05:02 Uhr
Vorbereitungen für den Windradbau: Die Baufahrzeuge haben am Rand eines Waldstücks Flächen planiert und befestigt. Foto: Gunnar Feicht

Auch der Anwohner Frank Uphaus hat gegen die Genehmigung des Bauvorhabens durch den Kreis Gütersloh geklagt. In dieser Sache wird unter dem Eindruck der Covid-19-Pandemie auf die ursprünglich ebenfalls für Mittwoch anberaumte mündliche Verhandlung verzichtet, weil alle Sachargumente schriftlich vorliegen und sich der zuständige Richter bereits 2019 bei einem Ortstermin ein Bild gemacht hat. „Das bedeutet aber keinesfalls einen Klageverzicht“, betont Frank Uphaus. Er macht Einschränkungen durch Lärm, Infraschall, Schattenwurf und optische Bedrängung durch die mächtige Anlage geltend. Hier wird nun im schriftlichen Verfahren ein Urteil gefällt.

„Wir wollen hier kein Windrad - ihr seid hier nicht willkommen“, stand auf dem Schild, das Anwohner Ende April an der Zufahrt zum geplanten Baugelände in der Fortsetzung der Holzstraße aufgestellt hatten. Helmut Althoff, Sprecher des Vereins „Lebensraum Häger“, legt Wert auf die Feststellung, dass diese plakative Meinungsäußerung nicht das Werk seiner Initiative gewesen sei. Doch inhaltlich stimmt er mit den Protesten der Anwohner überein. Der Verein Lebensraum hatte bereits vor Jahresfrist kritisiert, dass neun Häuser weniger als 600 Meter von dem mächtigen Rotor entfernt und damit von Schattenschlag, Geräuschen und optischer Bedrängung betroffen seien. Unter der Forderung „Keinen zweiten Koloss für Häger!“ bündelte der Verein im Frühjahr 2019 die Interessen der Windrad-Gegner nach der Genehmigung der Anlage durch den Kreis Gütersloh, sammelte Un­terschriften und strebte eine juristische Klärung an.

Die geht nun in die entscheidende Phase. Im Eilverfahren gegen die Baugenehmigung hatte Frank Uphaus im August 2019 zunächst keinen Erfolg gehabt, seine Klage steht aber jetzt zur endgültigen Entscheidung an. Ebenso wie ein von der Stadt Werther angestrengtes Verfahren, das im Kern der Vereinbarkeit der Baugenehmigung mit einem gültigen Bebauungsplan widerspricht: Bei Westwind würden die Flügel des gewaltigen Windrads in den Bebauungsplan-Bereich hineinragen, der eine maximale Höhe von nur 80 Metern zulässt, argumentiert die Stadt. Sie lässt sich von einem Fachanwalt vertreten.

Auch Helmut Althoff ist gespannt, wie die Verwaltungsrichter entscheiden werden: „Solche Sachverhalte sind bisher juristisch unterschiedlich bewertet worden. Wir sind schon überrascht, dass die Bauarbeiten jetzt zu einem Zeitpunkt begonnen haben, wo ein Urteil zur endgültigen Klärung in greifbarer Nähe ist.“

Die Baugenehmigung hatte der Kreis Gütersloh bereits vor gut einem Jahr erteilt. Nach den Planungen der „Projekt Firmengruppe für regenerative Energiesysteme“ aus Oldenburg sollten die Arbeiten ursprünglich schon im vergangenen Herbst beginnen. So hieß es im April 2019 aus der Firmenzentrale. Warum sich die Vorarbeiten verzögerten, jetzt aber kurz vor dem Termin der Verwaltungsgerichts-Verhandlung begonnen haben, ließ sich am Montag nicht klären: Zwei Bitten um telefonische Auskunft im Laufe des Tages blieben ohne Rückmeldung. Am Montag rollten unterdessen am Ortstrand von Häger weiterhin die Fahrzeuge einer Baufirma, die aus Richtung Schröttinghauser Straße die Zufahrt mit einem tragfähigen Schotteruntergrund befestigt hat und auch das eigentliche Baugelände planiert und vorbereitet.

Grüne pro Windrad: „Klimaschutzziele nur mit erneuerbarer Energie erreichbar“

Zum Baubeginn des zweiten Windrades in Häger nehmen auch die Wertheraner Grünen Stellung und machen sich für die Baumaßnahme stark. Sie verweisen auf das Klimaschutzkonzept der Stadt Werther, das im November 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. „Auf das hohe Maß an Bürgerbeteiligung bei der Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes in Werther können Sie stolz sein“, habe damals Michael Brieden-Segler, Geschäftsführer des von der Stadt beauftragten Energie­b̈üros, die rege Beteiligung der Wertheraner Bevölkerung hervorgehoben. Schon vor sieben Jahren sei klar gewesen, dass die Klimaschutzziele nur unter Nutzung der Windenergie erreichbar sein würden. Auch der Kreis Gütersloh setze in seinem „mit großer politischer Mehrheit gefassten“ Klimaschutzkonzept auf den Ausbau von Windenergie.

In der Stellungnahme der Grünen heißt es weiter: „Nun, da diese Beschlüsse konkret werden, wollen sich offensichtlich viele nicht mehr daran erinnern. Die Coronakrise zeigt uns doch gerade deutlich: Wir brauchen mehr Energie. Denn, spätestens in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling wird offenbar, wie wichtig der schnelle Ausbau des Internets ist. Denn, die Serverfarmen, die für Videokonferenzen und Streamingdienste notwendig sind, verbrauchen sehr viel Energie. Auch die Verkehrswende wird mit einem Mehrverbrauch an elektrischer Energie einher gehen.“ Daraus folgert der Wertheraner Ortsverband: „Um die Klimaschutzziele zu erreichen, ist daher der Ausbau der erneuerbaren Energien zwingend notwendig. Man sollte auch mal an die Menschen in Datteln denken, die riesige Kohlekraftwerksblöcke vor der Haustür haben, oder an diejenigen, die in der Nähe von Atomkraftwerken wohnen. Wem will man das denn zumuten?“, heißt es weiter.

Zwei Windräder seien deshalb als Beitrag zum Klimaschutz für eine Stadt durchaus zumutbar. Zumal bei erneuerbaren Energie im Gegensatz zur Erzeugung von Kohle- und Atomstrom keine Ewigkeitskosten anfallen würden. Auch beim Rückbau hätten Wind- und Photovoltaikanlagen klar die Nase vorn, argumentieren die Grünen.

 

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7405062?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516078%2F
Diese neue Corona-Schutzverordnung gilt ab Dienstag in Nordrhein-Westfalen
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (rechts, CDU) und Andreas Pinkwart (FDP) informieren über neue Corona-Schutzbedingungen in dem Bundesland.
Nachrichten-Ticker