Trotz vorübergehender Schließung: Anita Rauffmann bringt Mode kreativ an die Frau „Man wird erfinderisch“

Werther (WB). Die vielen Kunden, die ihr Mut machen und auch jetzt nach Möglichkeit treu bleiben, ihre Mitarbeiterinnen, ihr Vermieter, der die Miete erlässt, und nicht zuletzt ihr Partner, der ihr nach seinem eigenen Feierabend mit unter die Arme greift – das sind wertvolle Dinge, die Anita Rauffmann Mut machen. Und so geht sie jetzt kreative Wege, um die aktuelle Mode an die Frau zu bringen.

Von Volker Hagemann
Mode kommt zu den Kunden: Anita Rauffmann, Inhaberin des Modehauses Sudfeld in Werther, packt nach Kundenwunsch Kleidungsstücke oder ganze Outfits in die Taschen und liefert diese zur Anprobe bis an die Haustür.
Mode kommt zu den Kunden: Anita Rauffmann, Inhaberin des Modehauses Sudfeld in Werther, packt nach Kundenwunsch Kleidungsstücke oder ganze Outfits in die Taschen und liefert diese zur Anprobe bis an die Haustür. Foto: Volker Hagemann

„Wichtig ist vor allem: Wir sind gesund. All das lässt mich in der jetzigen schwierigen Lage weiter optimistisch nach vorn schauen“, sagt sie. Denn wie eine Reihe weiterer Einzelhändler hat die Inhaberin des Wertheraner Modehauses Sudfeld seit mehr als zwei Wochen mit erheblichem Umsatzausfall zu kämpfen: Wegen der Corona-Gefahr darf sie ihr Geschäft seit dem 18. März bekanntlich nicht mehr für Besucher öffnen. Ob die zunächst bis zum 19. April geltende Regelung dann verlängert oder verändert wird, ist ungewiss.

Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit geschickt

Eines stellt Anita Rauffmann klar: „Für die Einschränkungen habe ich grundsätzlich Verständnis, schließlich geht es um größtmöglichen Gesundheitsschutz für alle.“ Gleichzeitig habe sie in den vergangenen Wochen viele schlaflose Nächte gehabt, gesteht die Selbständige. Im etwa 400 Quadratmeter großen Modehaus ist es mucksmäuschenstill, „meine vier festangestellten Mitarbeiterinnen musste ich in Kurzarbeit schicken.“

Dennoch will Rauffmann zuversichtlich bleiben. Denn die anfangs genannten Dinge haben sie bestärkt und kreativ werden lassen . „Unsere Schaufenster gestalte ich weiterhin abwechslungsreich, und jeden Tag stelle ich Fotos von einem neuen Modebeispiel oder einem kompletten Outfit auf unsere Internetseite. Denn Bestellungen sind ja weiterhin möglich, wir sind telefonisch, per E-Mail und über Internet weiter erreichbar“, sagt sie. „Kundinnen können ihre Wünsche und Kleidergröße, ihren Geschmack beschreiben und auch Fotos von sich schicken. Nach diesen Anhaltspunkten stelle ich dann einzelne Stücke oder ganze Outfits zusammen“, erklärt Anita Rauffmann. „Und viele kenne ich eh persönlich, weiß um Vorlieben und Konfektionsgrößen. Das sind die großen Stärken, mit denen wir Einzelhändler punkten können und sollten – ganz im Gegensatz zu Amazon und Co.“

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Während die Kundin zu Hause anprobiert, warte ich im Auto und erledige am Telefon Korrespondenz.

Anita Rauffmann

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Doch wie kommt aktuelle Frühjahrs- und Sommermode zur Kundin, wenn das Ladengeschäft dicht bleiben muss? Rauffmann ist auch da kreativ, schwingt sich aufs Fahrrad oder ins Auto: „Ich bringe die Kleidung gerne in mehreren Größen zur Kundin an die Haustür. Dann kann sie alles in Ruhe anprobieren.“ Kontaktlos heißt das Stichwort. Und selbst die Wartezeit nutzt Anita Rauffmann: „Ich sitze dann im Auto und erledige am Telefon Korrespondenz.“ Ebenso flexibel gestaltet sich das Bezahlen: „Ich habe Wechselgeld dabei, viele zahlen auch online oder überweisen.“

Ein Aufwand, den die Geschäftsfrau vorübergehend gerne betreibt, „wir wollen ja für unsere Kunden da sein.“ Etwas stiller wird sie, als sie vergleicht: „Ich habe in den vergangenen drei Wochen so gerade mal einen Tagesumsatz zusammenbekommen.“ Schwierig sei zudem die Situation mit Lieferanten und Herstellern: „Bereits georderte Frühjahrs- und Sommermode muss ich abnehmen, auch wenn ich sie wegen der Schließung schwer oder gar nicht verkaufen kann. Manche Lieferanten sind zum Glück möglichst kulant, können noch stornieren.“ Weiteres Problem: „Ich habe weitestgehend europäische Hersteller im Sortiment, etwa bei Schuhen. Doch während der Corona-Pandemie wird in Italien, Spanien oder der Türkei kaum noch produziert.“

Eigentümer verzichtet auf die Ladenmiete

Angesichts all dessen seien die 9000 Euro Soforthilfe vom Bund eine nur kleine Hilfe für ihr Unternehmen. „Großes Lob allerdings für das Arbeitsamt! Alles ging zügig und relativ unbürokratisch.“ Und dann kehren ihr Strahlen und die Dankbarkeit zurück, als sie glücklich berichtet: „Mein Ladenvermieter Hans-Werner Böhme verzichtet für die Zeit meiner Schließung auf die Miete.“

Wie könnte es weitergehen? „Was nach dem 19. April gelten wird, weiß man noch nicht. Eine Idee wäre, dass Einzelhändler unter sehr strengen Auflagen wieder öffnen dürften“, hofft Anita Rauffmann. „Etwa mit einer begrenzten Zahl an Kunden, die sich gleichzeitig und nur mit Abstand im Geschäft aufhalten dürfen. Wir würden nur jede zweite Umkleidekabine und dazu auch Schutzmasken und Desinfektionsmittel nutzen.“ Man werde ohnehin erfinderisch, sagt sie und blickt nach vorn: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Bürgermeisterin wendet sich an Geschäftsleute

Viele Einzelhändler gehen derzeit trotz Schließung ihrer Ladenlokale neue Wege. Bestellung, Abholung und Lieferung sind in vielen Fällen nach Vereinbarung möglich, die Händler sind per Telefon oder E-Mail erreichbar. Mehr dazu auch im Internet unter www.facebook.com/werbegemeinschaft.werther.

Zu den finanziellen Soforthilfen des Bundes zugunsten von Kleinunternehmen erhalten Gewerbetreibende nähere Informationen auf der Seite www.handelsverband-owl.de.

Werthers Bürgermeisterin Marion Weike wendet sich in ihrer Ansprache direkt an die Geschäftsleute: www.werther-tv.de/wirtschaft22/

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