Wie das Familienunternehmen Josting aus Werther-Häger erfolgreich improvisiert
Spuckschutz ist gefragt – noch

Werther-Häger (WB). Während viele Betriebe ihre Mitarbeiter aufgrund ausbleibender Aufträge bereits in Kurzarbeit oder nach Hause geschickt haben, gibt es bei der Firma Josting in Häger derzeit jede Menge zu tun. Ein Grund dafür ist die Flexibilität des Unternehmens: Denn anstelle von Kunststoffteilen für den Maschinenbau werden aktuell jede Menge Spuckschutz-Scheiben für Arztpraxen, Apotheken und Lebensmittelgeschäfte hergestellt.

Donnerstag, 02.04.2020, 12:00 Uhr
Geschäftsführer Daniel Josting zeigt eine Auswahl an Plexiglas-Zuschnitten. Insbesondere Spuckschutz ist derzeit gefragt. Damit kann der Zehn-Mitarbeiter-Betrieb fehlende Aufträge aus dem Messe- und Maschinenbau etwas kompensieren. Foto: Malte Krammenschneider

„Im Moment läuft es gut. Die Frage ist allerdings, wie lange noch“, sagt Juniorchef Daniel Josting. Gemeinsam mit seiner Frau Nancy sowie Senior-Chef Rolf Josting leitet er das Unternehmen an der Engerstraße schon in der dritten Generation. Beim Pressegespräch macht er deutlich, dass er sich ausdrücklich nicht als „Profiteur“ der Corona-Krise sieht. „Wir haben unsere Preise nicht angehoben, obwohl es mittlerweile schon Lieferengpässe beim Plexiglas gibt. Was uns durch die fehlenden Aufträge aus dem Messe- und Maschinenbau verloren geht, können wir nun etwas kompensieren“, erklärt Josting. Und seine Frau Nancy fügt hinzu: „Wir wollen keinen Reibach machen. Es geht uns auch um Solidarität.“

Anfragen von Ärzten, Apothekern und Lebensmittelgeschäften

Eine Solidarität, die der zehn Mitarbeiter zählende Betrieb in den vergangenen Tagen mit enormem Einsatz unter Beweis stellte; die Anfragen von Ärzten, Apothekern und Lebensmittelgeschäften schossen förmlich durch die Decke. Alle wollen mit den Plexiglas- oder Macrolon-Scheiben ihre Mitarbeiter vor einer Tröpfcheninfektion schützen und ein sicheres Gefühl am Arbeitsplatz ermöglichen.

„Die Kunden rufen an und schicken uns eine Skizze mit den erforderlichen Maßen. Dann schneiden wir mit Fräsmaschinen drei bis acht Millimeter dicke Scheiben aus zwei mal drei Meter großen Rohlingen heraus – auf Wunsch mit einem kleinen Durchreiche-Fenster“, erklärt Daniel Josting, laut dem es für den Spuckschutz keine Normen oder Vorgaben gebe. Durch die Flexibilität des Unternehmens und die nur etwa 30-minütige Herstellungszeit sei die Abholung der Scheiben häufig noch am selben Tag möglich. Eine Lieferung wird ebenfalls angeboten und soll dazu beitragen, dass jeder Kunde möglichst zeitnah versorgt wird. Schließlich gehe es um die Gesundheit.

Das Familienunternehmen hat scheinbar Wege gefunden, der allgemein vorherrschenden Wirtschaftsflaute zu trotzen, doch der Juniorchef weiß auch, dass dies nicht allzu lange anhalten dürfte: „Irgendwann sind alle mit dem provisorischen Spuckschutz versorgt. Es gibt ja inzwischen viele Anbieter. Ich hoffe, wir kommen drumherum, Kurzarbeit anmelden zu müssen“, so Daniel Josting.

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