Fußballer Richard Uphaus ist seit 80 Jahren Mitglied im BV Werther
Nach dem Spiel an die Waschschüssel

Werther (WB/th/vh). Als Richard Uphaus einst mit seinen Fußballfreunden am Sportplatz an der Gaststätte „Tannenkrug“ kickte, da mussten sich die Sportler anschließend noch an einer großen Waschschüssel im Keller der Gaststätte wieder frisch machen. Das ist inzwischen mehr als 70 Jahre her. Uphaus selbst feiert jetzt ein seltenes Jubiläum: Seit 80 Jahren gehört er dem BV Werther mittlerweile an.

Donnerstag, 05.03.2020, 05:00 Uhr
Wenn das kein Glück bringt: BV-Vorsitzender Joachim Twelmeyer (links) überreicht Richard Uphaus (91) zwei Lose für die Jubiläumstombola – mit den Glückszahlen 1940 für den Beitritt und 80 für die Jahre im BV Werther. Foto: Thomas Heidemann

100 Jahre alt wird der Ballspiel-Verein (BV) Werther 1920 in diesem Jahr – und das ist nicht die einzige eindrucksvolle Zahl in diesem Jahr. Richard Uphaus gehört ihm 80 Jahre an, und der rüstige Senior selbst ist auch schon 91. Was man ihm auf den ersten Blick nicht ansieht; der Wertheraner erfreut sich nach wie vor guter Gesundheit. Erst kürzlich gehörte er zu den ersten Fahrgästen, die die neue Linie des Bürgerbusses zwischen ZOB, Webers Kamp und Böckstiegel-Museum nutzten.

Vor allem aber blickt Uphaus gerne auf viele Fußballerlebnisse zurück. Als er im Kriegsjahr 1940 dem BV beitrat, leitete der Volksschullehrer Heinrich Baumann den Verein als Vorsitzender, und Hansi Bartling war Trainer für die jungen Spieler. So spielte Richard Uphaus noch in den Kriegsjahren bis 1944 in der Jugendmannschaft, ehe auch die jungen Männer zur Wehrverpflichtung eingezogen wurden.

1946 hatte ein Wertheraner Geschäftsmann uns eine Siegprämie von 50 Reichsmark in Aussicht gestellt – und prompt wurde das Spiel von Werther gewonnen.

Fußballfan Richard Uphaus

Nach dem Krieg spielte Uphaus erst in der Jugendmannschaft, danach in der ersten Mannschaft und auch in der Reservemannschaft. „Während dieser Zeit habe ich auf allen Bielefelder Plätzen gegen alle dort bekannten Vereine gespielt“, berichtet der Senior stolz. Er erinnert sich besonders an ein Spiel im Jahr 1946: „Damals wurde ein erstes Freundschaftsspiel des BV Werther gegen eine Auswahl der in Bielefeld stationierten englischen Soldaten organisiert. Zu dem Spiel hatte ein Wertheraner Geschäftsmann eine Siegprämie von 50 Reichsmark in Aussicht gestellt – und prompt wurde das Spiel von Werther gewonnen.“

Bevor Richard Uphaus als Jugendlicher in der Herrenmannschaft spielen durfte, musste er sich zuvor in der Bielefelder Gaststätte Siekmann „nach Prüfung der körperlichen Reife“, wie es hieß, die erforderliche Genehmigung vom Sportausschuss einholen.

Beste Erinnerung hat er auch an die damaligen Sportplätze und Umkleiden: „Ehe in den 1950er Jahren der Sportplatz bei Drewing entstand, spielte sich das Vereinsleben in und um den Sportplatz an der Gaststätte ‚Tannenkrug‘ ab. Im dortigen Keller waren zwei Räume mit einer großen Schüssel zum Waschen für die Sportler bereit gestellt.“ Beim neuen Platz gab es dann schon eine Verbesserung in der Form, dass die Mannschaften sich gemeinsam auf der Deele vom Gasthof Drewing umziehen konnten – und anschließend je einen Bottich mit Wasser vor der Tür benutzen konnten.

Ein schwarz-weißes und ein blau-weißes Herz

Ein prägendes Ereignis für Richard Uphaus war der Besuch des Gastspiels von Schalke 04 mit den Spielern Ernst Kuzorra und Fritz Szepan gegen eine Bielefelder Vereinsauswahl. Seither schlägt neben dem schwarz-weißen BV-Herz auch ein blau-weißes Herz in seiner Brust.

Bedingt durch den Beruf als Elektromechaniker, auch mit Bereitschaft und Sonntagsarbeit verbunden, fehlte dem Fußballfan mehr und mehr die Zeit zum aktiven Mannschaftsspiel. Auf die Frage, warum er als passives Mitglied noch immer seine Beiträge für den BV zahle, kommt die spontane Antwort: „Dieses Geld ist in der Jugendarbeit im Verein sehr gut angelegt. Heute wie damals ist die Jugend in der Vereinsgemeinschaft bestens aufgehoben!“

Als kleines Dankeschön für solch lange Vereinstreue überreichte BV-Vorsitzender Joachim Twelmeyer jetzt zwei Lose für die Jubiläumstombola an Richard Uphaus – natürlich mit den Glückszahlen 1940 für den Beitritt und 80 für die Jahre im BV.

Ehrung auf der Versammlung am 27. März

„Wir freuen uns schon, Richard Uphaus auf der Jahreshauptversammlung für 80 Jahre Vereinstreue zu ehren – und das im Jahr des 100-jährigen Vereinsbestehens!“, sagt BV-Sprecher Thomas Heidemann. Die Versammlung am Freitag, 27. März, beginnt – natürlich – um 19.20 Uhr im Sportheim am Meyerfeld. Es gibt noch Lose für die Tombola: bei den Banken in Werther, EP Bökenkamp, Lotto Güttler, Telekommunikation Jebahl und am BV-Kiosk.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7311000?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516078%2F
Hakenkreuz-Christbaumkugel in Chat-Gruppe der Polizei
Im Dritten Reich gab es Christbaumkugeln mit Hakenkreuz. Dieses Bild entstand in einer Ausstellung über historischen Weihnachtsschmuck. Das Gesetz erlaubt das Zeigen eines solchen Fotos in Berichten über zeitgeschichtliche Vorgänge. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker