Hans-Rudolf Ronning aus Werther liest aus den Feldpostbriefen des Vaters
Tränen der Mutter machen manche Stellen unleserlich

Werther(WB). Als Hans-Rudolf Ronning im Jahr 1997 begann, die vielen Feldpostbriefe seines Vaters zusammen zu tragen, berührte ihn eines der Schriftstücke ganz besonders: Weihnachten 1942 sagte sein Vater seine Geburt voraus.

Sonntag, 09.02.2020, 08:00 Uhr
Hans-Rudolf Ronning hat die Feldpostbriefe seines Vaters in einem Buch veröffentlicht. 420 Briefe sind erhalten. Foto: Sara Mattana

Persönlich kennengelernt hat Hans-Rudolf Ronning seinen 1944 im Krieg gefallenen Vater nie. Doch seit der Wertheraner damit begann, die 420 Feldpostbriefe zu lesen, fühlt er sich seinem Vater trotzdem ganz nah. „Eigentlich wollte ich die Briefe nur für meine Familie sammeln. Doch meine Frau und meine Kinder haben mich dann überredet, die Briefe als Buch zu veröffentlichen“, sagte Hans-Rudolf Ronning, als er das Buch mit dem Titel „Änne, ist unser Hafer schon gesät?“ jetzt bei der Frauenhilfe im Gemeindehaus vorstellte.

Etwa 30 Besucherinnen tauchten bei dieser Gelegenheit ein in die Vergangenheit und in die Familiengeschichte der Ronnings.

„1942 hat mein Vater meine Zeugung vorausgesagt. Er schrieb meiner Mutter, dass er ihr ein Weihnachtsgeschenk unter das Herz legen werde. Diese Formulierung berührt mich heute noch“, sagte Hans-Rudolf Ronning, der mit seinem Buch hofft, mehr Verständnis für die Geschichte schaffen zu können. Doch hinter seiner Briefsammlung steckt viel Arbeit – so musste er die Feldpostbriefe erst einmal aus der Sütterlin-Schrift übersetzen. „Die habe ich zum Glück in der Schule gelernt, aber es war trotzdem sehr aufwändig“, sagte der 76-Jährige, der auf den zahlreichen Briefen immer wieder unleserliche Stellen gefunden hat, die wohl von den Tränen seiner Mutter stammten, wie er vermutet.

„Mein Vater war Landwirt auf dem Gut Brincke, und von dieser Arbeit hing die Existenz der Familie ab. Als er ein halbes Jahr nach der Hochzeit in den Krieg eingezogen wurde, musste sich meine Mutter allein darum kümmern“, sagte Hans-Rudolf Ronning. So erkundigte sich sein Vater immer wieder nach Kartoffeln, Steckrüben oder dem Hafer, bevor seine Post endete – beim Rückzug nach der Belagerung Leningrads fiel sein Vater.

Besonders am Herzen liegt es Hans-Rudolf Ronning, dass auch junge Menschen die Geschichte seiner Eltern hören und das Leben damals im Krieg besser verstehen. Deshalb hat er vor einiger Zeit bereits die PAB-Gesamtschule besucht und möchte bald auch an der Schule seiner Enkelin in Hamburg aus den Briefen lesen.

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