Einstimmig beschlossen: Gutachter soll gesamte Wasserproblematik in Werther durchleuchten
Schluss mit tröpfchenweise

Werther (WB). Eintrübungen und Verunreinigungen, Defekte an Rohrleitungen , schwankende Werte zu Wasserhärte, Kalk oder Sulfat – all das sind viele Wertheraner leid. Nun wollen die Lokalpolitiker zumindest bei diesem seit Jahren brodelnden Thema an einem Strang ziehen: Im Betriebsausschuss gaben sie am Donnerstagabend einstimmig grünes Licht für einen Rundumschlag, der Licht ins Dunkel bringen soll: Zur gesamten komplexen Wasserproblematik soll ein externer Gutachter gesucht werden. Das hatte am 16. Januar die CDU-Fraktion beantragt.

Samstag, 01.02.2020, 06:00 Uhr
Ist Werthers Trinkwasserqualität noch akzeptabel? Nach Ansicht der Politik wurde bislang nur Stück für Stück gehandelt, den Problemen gar hinterher gehechtet. Ein Gutachter soll in den kommenden Monaten für Klarheit auch den Bürgern gegenüber sorgen. Foto: dpa

Gibt es einen Investitionsstau?

Dieser Gutachter soll einen Bericht über den Zustand des teils jahrzehntealten städtischen Wasserrohrleitungsnetzes und des Wasserwerks erstellen – und die zu erwartenden Reparaturen der nächsten drei bis fünf Jahre deutlich machen. Auch der Zustand der Wasseraufbereitungstechnik und ein möglicher Investitionsstau sollen offengelegt werden. Zudem soll kontrolliert werden, ob es Wartungspläne gibt und ob sie eingehalten werden. „Denn die Wasserprobleme sind nicht mehr hinnehmbar“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Birgit Ernst.

Diese umfassende Überprüfung befürworten jetzt alle Fraktionen: Auf Vorschlag der SPD wurde der CDU-Antrag sogar noch erweitert: Verlangt wird auch eine mittel- bis langfristige Perspektive zu den Investitionen – und es wird gefragt, ob die personelle Ausstattung in Wasserwerk und Stadtverwaltung überhaupt ausreicht und kompetent genug ist, die Probleme in den Griff zu bekommen.

Wir sind vermehrt von Bürgern auf hohe Kalkwerte und starke Verunreinigungen im Trinkwasser angesprochen worden. Jedesmal verweist die Verwaltung auf Wasserrohrbrüche.

Birgit Ernst (CDU)

„Wir sind vermehrt von Bürgern auf hohe Kalkwerte und starke Verunreinigungen im Trinkwasser angesprochen worden. Jedesmal verweist die Verwaltung auf Wasserrohrbrüche. Dafür waren bekanntlich schon Gesamtschule und AWO-Kita vorübergehend geschlossen“, erinnert Birgit Ernst.

„Was hier gefordert wird, sollte doch eigentlich tägliches Geschäft der Verwaltung sein?“, befand Wolfgang Böhm (Grüne). SPD-Fraktionsvorsitzender Georg Hartl erinnerte zudem an seinen 2015 beschlossenen Antrag, jedes Jahr wenigstens einen Kilometer Grundleitungsrohr zu erneuern: „Wird das auch umgesetzt?“ Zumindest beim Wasserwerk habe man kein Qualitätsproblem, schränkte Andreas Honsel (FDP) ein. „Weil es aber seit 2014 immer wieder Überraschungen gibt, finde ich den jetzigen Antrag gut. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, aber wir müssen wissen, wo wir stehen.“ Dennoch: „Wir werden mittelfristig nicht drumherum kommen, das etwa 50 Jahre alte Wasserwerk zu erneuern“, mutmaßte Reinhard Kreft (UWG).

Mangelnde Transparenz als Kernproblem

Kernproblem sei letztlich die Transparenz, betonte Birgit Ernst: „Wir müssen dem Bürger ehrlich sagen können: Was ist Phase? Das habt Ihr zu erwarten, das kostet es, und so lange dauert es.“

Die Verwaltung soll nun mehrere Gutachter suchen. Diese werden sich in einer der nächsten Ausschusssitzungen mit ihren Konzepten vorstellen, um die Politik entscheiden zu lassen. „Möglichst vor der Sommerpause“, wie Birgit Ernst am Freitag im WB-Gespräch sagte. Und wie könnten konkrete Maßnahmen aussehen? „Man muss nicht großartig etwas ausbuddeln. Es gibt ja hoffentlich Unterlagen, um sich ein Bild etwa zum Leitungsnetz zu machen“, so Ernst. „Könnte man vielleicht jährlich mehr Leitungsabschnitte erneuern als bisher? Ist die Entkalkungsanlage in Ordnung? Reicht das Personal?“ Wie lange gutachterliche und anschließende Maßnahmen dauern könnten und was sie kosten würden, sei schwer zu sagen. „Aber wir haben deswegen nicht plötzlich einen neuen Haushaltsansatz.“

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