Wasserwerk der Stadt hat mit Sanierungsarbeiten am Hochbehälter begonnen
Nach harter Zeit wieder weiches Wasser

Werther (WB). Wie hart oder weich das Wasser ist, das derzeit in Werther aus dem Kran kommt, hängt ganz davon ab, an welcher Stelle in der Stadt er aufgedreht wird. Der Grund: Der Wasserhochbehälter an der Egge ist seit Jahresanfang außer Betrieb. Eine umfassende Sanierung ist angelaufen. Und damit fehlt das “Sammelbecken” der Wertheraner Wasserversorgung, in dem sonst sehr hartes und sehr weiches Wasser der drei Brunnen zum “Einheitswasser” verschnitten werden.

Donnerstag, 23.01.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 12:12 Uhr
Der Wasserhochbehälter an der Egge ist seit Jahresanfang außer Betrieb. Eine umfassende Sanierung ist angelaufen. Diese etwa 400.000 Euro teure Maßnahme ist ein Baustein, um das Trinkwasser in Werther wieder weicher zu bekommen. Foto: Margit Brand

Also vermischt sich das Wasser, das im Moment direkt aus den Brunnenhäuschen eingespeist wird, irgendwo im Netz. Wo genau hartes Wasser (Brunnen Kök und Temming, roh 38 bis 42 Grad deutscher Härte, hinter der Enthärtungsanlage noch 26 bis 28 Grad dH) und weiches Wasser (Brunnen Schanze, 7 bis 8 Grad dH) ineinander laufen, mag auch Volker Kahmann, technischer Leiter des Wasserwerkes, nicht zu sagen. Am Wertherberg wird man zurzeit feststellen, dass schon wenig Seife mächtig schäumt, während der Nordwesten der Stadt mit Kalkrändern allüberall hadern dürfte.

Sechs Monate Provisorium

Ein halbes Jahr lang wird dieses Provisorium voraussichtlich andauern. Eine Fachfirma aus Fuldabrück (bei Kassel) hat begonnen, im Innern des leer gelaufenen Hochbehälters den in die Jahre gekommenen Spezialputz von den Wänden zu schlagen. 4,60 Meter hoch ist der Ringbehälter, in dem das Wasser meist um die vier Meter hoch steht, wie die Ablagerungen in luftiger Höhe verraten. Knapp 40 Jahre sei die letzte Sanierung her, weiß Kahmann. Zeit, Materialien und Technik auf den neuesten Stand zu bringen. Gut 400.000 Euro wird es kosten, bis hier Wasser durch Edelstahlrohre aus und in den riesigen Tank läuft. Dessen Wände werden erneut mit einem mineralischen Putz versehen - von Schwimmbadatmosphäre also auch in Zukunft keine Spur.

Bis es soweit ist, gilt es einige Beeinträchtigungen in Kauf zu nehmen, wie Volker Kahmann erläutert. Denn das Wasser aus den Brunnen Kök und Temming, die den selben unterirdischen Grundwasser-See anzapfen, ist nicht nur geologisch bedingt hart. Es hat außerdem einen hohen Sulfat-Wert, der unkritisch ist, solange nur genügend Schanze-Wasser beigemischt wird. Aktuell liege er bei 374 (Kök) bzw. 256 Milligramm pro Liter (Temming) – bei einem Grenzwert in der Trinkwasserverordnung von 250 Milligramm. Die Stadt stehe in enger Verbindung mit dem Gesundheitsamt und der Unteren Wasserbehörde (siehe Stellungnahme des Kreises Gütersloh im Kasten)

Keine Wahl am Wasserhahn

Kahmann: “Es gibt Mineralwässer mit einem Sulfatwert von mehr als 1000 Milligramm. Nur hat man als Verbraucher im Getränkemarkt die Wahl - am Wasserhahn jedoch nicht.”

Die Sulfat-Frage reicht auch in die Zeit nach der Hochbehälter-Sanierung. Denn: Das weiche Schanze-Wasser, das zurzeit noch in größtmöglicher Menge gefördert und ins Netz gespeist wird, fällt voraussichtlich vom Herbst für Monate komplett weg. Das Problem: Schon jetzt können oben in Ascheloh die dort erlaubten Fördermengen nur noch zur Hälfte ausgeschöpft werden, weil der Brunnen es nicht mehr her gibt. Eisen und Mangan verstopfen inzwischen das poröse Gestein. Weil der Brunnen quasi unter seinen Möglichkeiten bleibt (”Er ist verockert”, sagt der Fachmann), wird ein neuer unweit der jetzigen Stelle gebohrt. “Die dadurch entstehenden Erschütterungen erlauben es nicht, den alten Schacht parallel weiterzunutzen”, erklärt Kahmann. Die Hoffnung sei, in Zukunft hier wieder 160.000 statt aktuell gut 100.000 Kubikmeter fördern zu können.

Den Notausgleich während der Bauphase liefert Bielefeld. An der Schlossstraße, gleich an der Grenze zu Deppendorf, wird (wie berichtet) ein Übergabeschrank installiert, aus dem Wasser aus der Senne dafür sorgen soll, dass Werther nicht auf dem Trockenen sitzt. Das bringt für hiesige Verhältnisse angenehme 14 bis 15 Grad deutscher Härte mit.

Das sagt die Wasserbehörde

Der Kreis Gütersloh als Untere Wasserbehörde hat Stellung zu den erhöhten Sulfatwerten im Stadtwasser von Werther genommen. Im Rahmen der Prüfung des Antrages der Stadt auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung bis Ende 2020 hat die Aufsichtsbehörde ein Gutachten zur Frage möglicher Auswirkungen der zu erwartenden Sulfatwerte auf die menschliche Gesundheit, insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von 2 Jahren sowie für Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen in Auftrag gegeben. Die Wasserbehörde stellt fest, dass derzeit und bis auf weiteres das Trinkwasser erhöhte Sulfatwerte aufweise. Der seit 2011 maßgebliche Grenzwert von 250 mg/l werde überschritten, der bis zum Jahr 2011 gültige Grenzwert von 500 mg/l jedoch nicht erreicht. Bis Ende 2020 könne es zeitweise in Teilen des Versorgungsnetzes zu Sulfatwerten von bis zu 400 mg/l kommen. Sulfat habe eine abführende Wirkung, so der Kreis. Die Einhaltung des Maßnahmehöchstwertes solle insbesondere Säuglinge und Kleinkinder bis zum Alter von zwei Jahren schützen. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt laut Kreis, bei der Zubereitung von Nahrung für nicht gestillte Säuglinge kein Trinkwasser mit mehr als 250 mg/l Sulfat, sondern abgepacktes Wasser zu verwenden. Der Kreis verweist außerdem auf ein laufendes Überwachungsprogramm, das die Sulfatwerte erfasse und über die Homepage der Stadt veröffentlicht werde.

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