Ausstellung im Böckstiegel-Museum Werther: Vortrag würdigt Expressionisten Wilhelm Morgner
Ein Soester und seine verrückten Bilder

Werther (WB). Nur noch drei Tage, dann endet am Sonntag die Ausstellung „Kirchner, Macke, Morgner… Grafische Meisterblätter aus der Sammlung des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster“ im Böckstiegel-Museum in Werther. Höchste Zeit also, sich nun also mit dem „Dritten im Bunde“, mit Wilhelm Morgner und seinem Werk auseinanderzusetzen. Für intensive und beeindruckende Einblicke sorgte die Leiterin des Morgner-Museums in Soest, Dr. Annette Werntze.

Freitag, 10.01.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 05:03 Uhr
Meister der klaren Linien und der Abstraktion: Böckstiegel-Museumsleiter David Riedel und Dr. Annette Werntze, Leiterin des Morgner-Museums, vor einer Kohle-Zeichnung aus dem Jahr 1913, die den Namen Lineare Komposition VII trägt. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Die 35 Zuhörerinnen und Zuhörer kamen nicht umhin, sich zu fragen, wo Morgner in der Kunstwelt stehen könnte, wenn er nicht im Alter von nur 26 Jahren 1917 an der Westfront gestorben wäre. So umfassend ist sein Werk mit – geschätzt – 250 zumeist großformatigen Gemälden und 2000 Zeichnungen – so reichhaltig und tiefgehend. Der Soester Künstler steht für naturalistische Portraits, vornehmlich, aber nicht nur in seiner Anfangszeit, wie auch für astrale und ornamentale Konzeptionen in seinen religiösen Bildern und ebenso für einerseits pointierte Farbigkeit, andererseits für eine Kunstkonzeption, in der sich, wie Annette Werntze sagte, die Farbe verselbstständigt und das Motiv verlässt.

Morgner hat auch Rembrandts Kunst studiert

Die Bögen, die Schwünge, prägen Morgners Werk in weiten Teilen. Der Himmel scheint um die Hauptmotive zu kreisen. Jan Miel färbt auf den jungen Soester ab, wie Annette Werntze erläuterte. Die Rockschöße der Bauersfrau, die Heuhaufen auf dem Feld sind in geschwungenen Bögen wie denen des alten Meisters gemalt. Morgner hat auch, angeleitet von seinem Lehrer Georg Tappert, erst in Worpswede, später in Berlin, Rembrandts Kunst studiert.

Morgner malt die Landbevölkerung – eine deutliche Parallele zu Böckstiegel. Und er malt sie mit Wertschätzung und Respekt: „Obwohl es die Ärmsten sind, die abends noch einmal die abgeernteten Felder absuchen dürfen, gibt er ihnen Haltung und Würde. Morgner wahrt Distanz, um Menschen darzustellen“, so Werntze.

Sich gegen alle Widerstände aufgemacht

Zwei Künstler aus Westfalen: Peter August Böckstiegel und Wilhelm Morgner. Der eine aus Arrode, der andere aus Soest. „Zwei ganz junge Männer haben sich aufgemacht. Gegen alle Widerstände“, beschreibt David Riedel eine Parallele, die ihm, dem Leiter des Böckstiegel-Museums Werther, auffällt, wenn er Leben und Werk der beiden heimischen Expressionisten betrachtet. Böckstiegel hat für seinen Weg streiten müssen. Und Morgner durfte sich nicht nur der Anerkennung der Kunstwelt erfreuen, sondern musste auch Schimpf und Schande seiner Soester Mitbürger hinnehmen – nicht erst, als Arbeiten zur Kreuzigungs-Thematik als blasphemisch verrissen wurden. „Die Soester halten meine Bilder für ganz verrücktes Zeug“, soll der Avantgardist gesagt haben.

Doch bei aller Abstraktion behielt er den Bezug zum Realismus. In seinem Werk, das während des Krieges an der Ostfront entstanden ist, fing er mit klarem Blick und viel Gefühl die Menschen in seinem Umfeld ein – auch das verbindet ihn mit Böckstiegel, der ebenfalls in zahlreichen Bildern die Bevölkerung darstellte. Morgner – ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit, die schließlich im Ersten Weltkrieg ihren Anfang nahm. Annette Werntze machte deutlich, wie weit Morgner bereits in jungen Jahren war: „Er musste da aufhören, wo andere Künstler erst anfangen“, sagte sie.

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