Stadtbibliothek und Buchhandlung Lesezeichen in Werther laden ein Fontanes starke Frauen

Werther (WB). Stine, Cécilie, Jenny Treibel, Grete Minde und – natürlich – Effi Briest: Theodor Fontanes Frauen sind eindrückliche Figuren, starke Frauen, die aber mit den bürgerlichen Moralvorstellungen der Wilhelminischen Ära hadern oder gar an ihnen zerbrechen. Der Wertheraner Leseherbst widmet dem Dichter und seinen Frauen einen Abend – und zwar am Donnerstag, 23. Januar, 20 Uhr mit Christine von Brühl im Saal des Hauses Werther.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Ob Effi Briest, Jenny Treibel oder Grete Minde: Bettina Gehle von der Buchhandlung Lesezeichen (links) und Stadtbibliothekarin Susanne Damisch freuen sich auf die Lesung mit Christine von Brühl über „Fontanes Frauen“.
Ob Effi Briest, Jenny Treibel oder Grete Minde: Bettina Gehle von der Buchhandlung Lesezeichen (links) und Stadtbibliothekarin Susanne Damisch freuen sich auf die Lesung mit Christine von Brühl über „Fontanes Frauen“. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Hintergründe liegen in realen „Frauengeschichten“

Christine von Brühl, Journalistin und Autorin aus altem Adel und einer Diplomatenfamilie, hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend historischen Frauen gewidmet, über die Hohenzollern-Damen und Königin Luise geschrieben. Ihr neues Buch heißt „Gerade dadurch sind sie mir lieb – Theodor Fontanes Frauen“. Daraus wird sie lesen und so Fontanes Werk, aber auch dessen Hintergründe zeigen. Und diese liegen im Falle der Frauenfiguren in realen Frauen in Fontanes Leben. „An den Beziehungen zu den Frauen, mit denen Fontane verwandt war oder die ihn unmittelbar umgaben, lässt sich leicht erkennen, woher sein Interesse an weiblichen Schicksalen rührt“, schreibt Christine von Brühl in ihrem Buch.

Und auch Bettina Gehle, die für die Buchhandlung Lesezeichen und gemeinsam mit Stadtbibliothekarin Susanne Damisch den Abend vorbereitet, sagt: „Der Dichter war von starken Frauen umgeben. Er hatte, wie sich in Briefwechseln zeigt, ein inniges Verhältnis zu seiner Ehefrau, es gab die Mutter, die Schwester, eine Tochter.“ „Vaters Liebling“, wie Christine von Brühl schreibt – und sie macht Bezüge auf zwischen Martha Fontane und der Figur der Corinna in „Frau Jenny Treibel“: „Unmissverständlich macht Fontane im Verlauf der Geschichte klar, dass er Frauen wie Corinna entschieden mehr Raum zur Entfaltung gewünscht hätte“, schreibt Christine von Brühl. Doch die gesellschaftlichen Vorstellungen waren eben andere: Heiraten, Kinder bekommen, dem Ehemann treu ergeben sein.

Tochter Martha zwischen guter Ausbildung und unglücklicher Liebe

Der eigenen Tochter bezahlten die Fontanes eine gute Ausbildung, die der der Brüder in nichts nachstand, besuchte schließlich das Lehrerinnen-Seminar – der höchste Bildungsweg, der Frauen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts offenstand. Marthas unglückliche Liebe, ihre Seelen­zustände – ein anderes Kapitel, das Christine von Brühl ebenfalls behandelt.

Dass Fontane auch der sich seit den Tagen des Vormärz’ und der 1848er-Revolution formierenden Frauenbewegung nicht ablehnend gegenüberstand, verwundert nicht. Auch das ist von Brühl ein Kapitel wert. Dass die Autorin diese direkten Bezüge zwischen dem literarischen Werk und dem realen Leben Fontanes schafft, ist für Susanne Damisch so spannend und ein guter Einstieg für den Normalleser in das klassische Werk. Auch in der Stadtbibliothek ist Fontane natürlich vertreten.

Karten für den Abend gibt es in der Buchhandlung Lesezeichen und in der Stadtbibliothek im Vorverkauf.

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