Große Resonanz bei Kamingespräch über die Palliativ-Versorgung Zuhause sein – bis zuletzt

Werther (WB). Insbesondere für die Angehörigen ist die Pflege von Menschen, die unheilbar krank sind und sich in ihrer letzten Lebensphase befinden, eine große Herausforderung. Es gilt, die Lebensqualität, Selbstbestimmung und Würde des Menschen in den eigenen vier Wänden zu erhalten – seien die Umstände auch noch so schwierig. Eine spürbare Entlastung können hierbei Palliativ-Teams und Netzwerke bilden, die nicht nur betreuend und beratend zur Seite stehen, sondern auch wertvolle Aufgaben übernehmen.  

Von Malte Krammenschneider
Konnten zahlreiche Interessierte zum Kamingespräch begrüßen: (von links) Mario Peitzmeier (Palliativ-Netzwerk Bielefeld), Sigrid Ellerbrake (Palliativ-Team Diakonie) und Moderator Willi Rose.
Konnten zahlreiche Interessierte zum Kamingespräch begrüßen: (von links) Mario Peitzmeier (Palliativ-Netzwerk Bielefeld), Sigrid Ellerbrake (Palliativ-Team Diakonie) und Moderator Willi Rose. Foto: Malte Krammenschneider

  Um über diese Angebote aufzuklären, war es den Organisatoren des Kamingesprächs am Montagnachmittag gelungen, zwei kompetente Referenten in das voll besetzte Haus Tiefenstraße zu locken. Zum einen war es die in der Böckstiegelstadt bekannte Sigrid Ellerbrake vom Palliativteam der Diakonie, und zum anderen der Krankenpfleger und Gesundheitswissenschaftler Mario Peitzmeier vom Verein Palliativ-Netzwerk Bielefeld.

Letzterer eröffnete nach einem gemütlichen Kaffeetrinken den informativen Nachmittag und erklärte zunächst, dass er sich bereits seit 17 Jahren mit der Palliativ-Versorgung beschäftige.                     Doch wobei handelt es sich dabei eigentlich genau? „Sie soll nicht die Erkrankung auf Teufel komm raus heilen, sondern dabei helfen, Beschwerden zu lindern. Es geht darum, alles zu tun, damit Menschen bis an ihr Lebensende gut versorgt werden“, sagte Mario Peitzmeier. Seinen Worten zufolge handelt es sich beim Palliativ-Netzwerk Bielefeld um einen Verein bestehend aus Vertretern von Pflegeheimen, Hospizen und Krankenhäusern sowie Ärzten , in dem auch eine Vielzahl von Ehrenamtlichen aktiv ist. „Im vergangenen Jahr haben wir im Bielefelder und Gütersloher Netzwerk insgesamt etwa 1000 Patienten betreut, Nachtwachen gehalten und viele Gespräche geführt. Wir arbeiten als Personen und Institutionen zusammen, um den letzten Weg für alle Beteiligten einfacher zu machen“, sagte Mario Peitzmeier.

Seinen Erfahrungen nach ist es der große Wunsch von Patienten, in den eigenen vier Wänden zu versterben. „Allein von den über eine Million an Demenz-Erkrankten Personen werden in Deutschland 80 Prozent zu Hause von Angehörigen gepflegt. Die vertraute Umgebung macht viel aus – leider sterben die meisten jedoch letztendlich in einem Krankenhaus“, erklärte Peitzmeier. 

 Um die teils von den Krankenkassen finanzierte Hilfe der Palliativ-Netzwerke anzunehmen ist übrigens eine Anmeldung durch den Hausarzt erforderlich. „Dann nehmen wir Kontakt zu den Patienten oder Angehörigen auf, machen uns bei einem Hausbesuch ein Bild von der Lage und benachrichtigen die palliativen Pflegedienste“, sagte Peitzmeier.

Sigrid Ellerbrake, die zu einem von insgesamt fünf Palliativ-Teams im Altkreis gehört, empfiehlt derweil, sich schon frühzeitig anzumelden und betont, dass es sich bei der Palliativ-Pflege oftmals um Krisenintervention handelt. „Es ist leider oft so, dass die Krankheit den weiteren Verlauf bestimmt. Hier werden mit dem Körper, der Psyche, Spirituellem und Sozialem verschiedenste Bereiche tangiert“, sagte Sigrid Ellerbrake, für die die Angehörigen eine besonders wichtige Rolle übernehmen. „Die häusliche Palliativ-Pflege steht und fällt mit ihnen“, so die Expertin, die sich wünschen würde, dass mehr Menschen das Angebot der Palliativ-Netzwerke annehmen würden. „Es gibt da, glaube ich, Hemmschwellen. Die sind aber völlig unbegründet, denn es kann für viele Betroffene eine Erleichterung sein“.        

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