Elisabeth Kerksiek hat mit ihrer Pickertdeele eine Marktnische für sich entdeckt
Spezialitäten am Kachelofen

Werther-Rotenhagen (WB). „Ich hätte es ja nicht gedacht, dass man ohne Speisekarte so viele Leute ansprechen kann”, staunt Elisabeth Kerksiek als Betreiberin der Pickertdeele am Nordholz 2 in Rotenhagen. Sie wundert sich immer noch ein wenig darüber, dass ihre Geschäftsidee so große Resonanz findet – ganz ohne digitale Unterstützung aus den derzeit allgegenwärtigen sozialen Medien.

Donnerstag, 02.01.2020, 07:00 Uhr
In der großen gusseisernen Pfanne bereitet Elisabeth Kerksiek gleich mehrere Lappenpickert auf einmal zu. Die westfälische Spezialität lockt hungrigen aus dem weiten Umkreis. Foto: Gerhards

Elisabeth Kerksiek ist eine Frau, die genau weiß, was sie will. Sie folgt dem eingeschlagenen Weg zielstrebig und setzt ihre Vorstellungen konsequent um. Seit dem Jahrtausendwechsel betreibt sie die Pickertdeele auf gewerblicher Basis, bei einem Qualifizierungskurs der Landfrauen hat sie sich das nötige Hintergrundwissen angeeignet. „Ich wollte keine Laufkundschaft, kein zusätzliches Bauerncafé und sonntags frei haben“, so fasst sie ihre Bedingungen zusammen. Auch Feierlichkeiten bis tief in die Nacht sind nicht unbedingt ihr Ding.

Arme-Leute-Essen von früher

„Wer mich einlud, bekam Pickert“, erinnert sie sich rückblickend und kommt damit auf ihre große Leidenschaft zu sprechen. Nach dem ohnehin geplanten Ausbau der heute urig-gemütlichen Deele mit tatkräftiger Unterstützung aus der großen Verwandtschaft reifte nach und nach die Idee, hier auch ausgewählte Gäste zu bewirten. „Dazu kam, dass meine an Demenz erkrankte Schwiegermutter das Kartoffelschälen zu ihrer neuen Lebensaufgabe gemacht hatte“, berichtet Elisabeth Kerksiek. Es bot sich geradezu an, das dabei anfallende Rohmaterial in Pickert umzuwandeln. Diese ostwestfälische Spezialität galt früher als Arme-Leute-Essen, denn Kartoffeln, Eier und Mehl waren in der Regel in jedem Haushalt verfügbar.

Im zweiten Bauabschnitt wurde der Schweinestall ausgebaut. Seitdem geben sich die Reisegruppen fast die Türklinke in die Hand. Minimal 20 und maximal 40 Personen können nach Vorbestellung bewirtet werden. „Unsere Besucher kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Das nette Publikum weiß die familiäre Atmosphäre zu schätzen“, betont Elisabeth Kerksiek. Zwischen dem späten August und dem frühen April ist Pickertsaison, vor allem im November sei immer viel los. Dafür meidet sie übertriebenen Weihnachtstrubel und verbringt die Feiertage ganz entspannt bei ihrer Tochter in Hamburg.

Lebendige Tradition pflegen

Die Werbung beschränkt sich im Wesentlichen auf das Hofschild, die meisten Gäste erfahren über Mund-zu-Mund-Propaganda von „Kerksiek’s Pickertdeele“ mit dem großen Kachelofen, der „wohnzimmerartige“ wohlige Wärme spendet. In der Regel wird im ersten Gang Lappenpickert aufgetischt, es folgen Kastenpickert und Püfferchen. Wer dann noch nicht gesättigt ist, bekommt die „Wunschplatte“ mit dem persönlichen Lieblingspickert. Dazu gibt es Marmelade, Butter, Rübenkraut und Apfelmus – oder in der deftigen Variante

Leberwurst, Lachs und Schnippelschinken mit passendem Dip. Dazu wird traditionell Kaffee getrunken. Von allem gibt es für zehn Euro pro Person so viel wie gewünscht, lediglich der abschließende „Schluck“ ist portioniert.

Kein Kneipenklientel

„Nach drei Stunden gehen die Leute wieder, dann räum ich meine Deele auf“, sagt Elisabeth Kerksiek. Sie selbst ist nach eigenen Angaben nicht so nachaktiv und wünscht sich auch bei Vermietungen keine Kneipenklientel. Im Sommer kümmert sie sich um ihren Garten, im Winter wird der Alltag durch die Pickertdeele strukturiert. Vor allem seit dem drei Jahre zurückliegenden Tod ihres Mannes Gerhard, der sie bis dahin maßgeblich unterstützt hat, gibt die Beschäftigung ihr Halt durch „positiven Stress“. Solange ihre Gesundheit mitspielt, soll die Pickertdeele in der bisherigen Form weiter existieren.

Auch wenn ihre Kinder keine entsprechenden Ambitionen haben, fühlt Elisabeth Kerksiek keinen Druck. Gemeinsam mit einem Team aus dem Kreis erfahrener Landfrauen will sie weiterhin ihre Marktnische nutzen und eine lebendige Tradition pflegen. Ein Besuch auf der Pickertdeele empfiehlt sich auch in Kombination mit Besichtigung der „Kirche im Felde“ oder im Anschluss an eine Führung durch die Kartoffelmanufaktur Pahmeyer. Eine Reservierung unter Telefon 05423/1254 ist aber unbedingt erforderlich.

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