SPD-Bürgermeister-Kandidat Veith Lemmen strampelt in einem Jahr 85 Kilo runter Worauf der Mann mit dem Hut stolz ist

Werther (WB). Nach der nichtöffentlichen Mitgliederversammlung am Sonntag, bei der Veith Lemmen mit 34 von 35 Stimmen nominiert worden ist, hat der SPD-Vorstand am Dienstag seinen neuen Bürgermeister-Kandidaten der Presse vorgestellt. Dabei ist neben der auffälligen Geschichte mit dem Hut auch sehr Persönliches zur Sprache gekommen.

Von Stefan Küppers
Die Vorstandsmitglieder des SPD-Ortsvereins Werther Helga Lange, Erika Sahrhage, Vorsitzende Anette Milke-Gockel und Wilfried Kipp-Weike (von links) nehmen den frisch nominierten Bürgermeister-Kandidaten Veith Lemmen (mit Hut) in ihre Mitte.
Die Vorstandsmitglieder des SPD-Ortsvereins Werther Helga Lange, Erika Sahrhage, Vorsitzende Anette Milke-Gockel und Wilfried Kipp-Weike (von links) nehmen den frisch nominierten Bürgermeister-Kandidaten Veith Lemmen (mit Hut) in ihre Mitte. Foto: Stefan Küppers

Während der Pressekonferenz im Haus Werther liegt der Hut auf dem Tisch neben ihm. »Ich weiß mich natürlich zu benehmen. Aber dort, wo es möglich ist, trage ich einen Hut. Er ist mein Markenzeichen geworden, seitdem ich 17 Jahre alt war«, sagt der 35-Jährige. Etwa 20 Hüte nennt er sein eigen. Und als Fotos gemacht werden, möchte Veith Lemmen bitte auch nur mit Hut abgelichtet werden.

Zur Person Veith Lemmen

Veith Lemmen ist in Mönchengladbach aufgewachsen und war 2003-2014 Freier Mitarbeiter bei Tageszeitungen (u.a. Rheinische Post)

Studium der Politikwissenschaft, neuere und neueste Geschichte, Soziologie an der Uni Münster (Abschluss Magister Artium)

2007-2008 ASTA-Vorsitzender Uni Münster

2010-2014 Landesvorsitzender NRW-Jusos

2014 – Juni 2018 Referent bei der SPD-Landtagsfraktion

seit September 2017 Mitglied im WDR-Rundfunkrat,

seit 2018 stellvertretender Landesvorsitzender NRWSPD

15.000 Kilometer Rad gefahren

Der Mann weiß, was er will. Und das gilt auch für die zweite Geschichte, die beim Vorstellungstermin zur Sprache kommt. Denn auf die Frage, was er zwischen dem Ausscheiden als Wissenschaftlicher Referent aus der SPD-Landtagsfraktion im Juni 2018 und seinem Einstieg als Prokurist sowie Leiter Entwicklung und Digitales bei der gemeinnützigen sozialen Aktiengesellschaft in Bielefeld (eine Spendensammelorganisation zugunsten anderer Organisationen) Mitte 2019 gemacht hat, schildert Lemmen einen persönlichen Kampf, der Werthers SPD-Vorsitzende Annette Milke-Gockel begeistert hat. Binnen dieses Zeitraums hat er sein Gewicht um die Hälfte oder 85 Kilo reduzieren können. Ganz ohne Operation, vor allem mit Sport und eisernem Willen, wie er erzählt. So ist Lemmen, der mit seiner Lebensgefährtin Wiebke Esdar (MdB/SPD) in Bielefeld lebt, nach eigenen Angaben rund 15.000 Kilometer mit dem Fahrrad in einem Jahr gefahren. Und er habe dabei oft die schönen Strecken durch Werther durchfahren. Auf die enorme Gewichtsreduktion ist das politische Schwergewicht als Vize-Vorsitzender im SPD-Landesvorstand stolz. »Wenn ich mir Ziele vornehme, dann kämpfe ich dafür und bin bereit auch 300 Prozent zu geben«, sagt er.

»Werther ist eine wirklich tolle Stadt«

Auf die Frage, warum es ihn nun ausgerechnet nach Werther treibt, bleibt der gebürtige Niederrheiner, der fünf Minuten vom Mönchengladbacher Bökelberg aufgewachsen ist, eine Antwort nicht schuldig. »Eine wirklich tolle Stadt«, sagt Lemmen mehrfach. Und er habe sich die Anfrage der Wertheraner SPD gut überlegt. Es hätten ihn auch andere Anfragen für Mandate und Dezernate erreicht, aber die hätten ihn nicht interessiert. Bei Werther sei das anders. Er verlasse sehr gerne die politische Makroebene auf Landesebene, um pragmatisch Probleme vor Ort zu lösen, konkret was zu erreichen.. »Und obwohl ich aus dem Rheinland komme, bin ich ein Stück weit verliebt in OWL«, sagt er. Hier gelte ein Wort noch als ein Wort. »Und ich habe selten erlebt, dass man hier nicht in ein Gespräch kommt.«

»Gestalten, Verwalten, Moderieren, kühler Kopf und offene Ohren«

Wie er ein Bürgermeisteramt anginge, falls er gewählt würde? Lemmen nennt die Stichworte »Gestalten, Verwalten, Moderieren, kühler Kopf und offene Ohren«. Zur Frage des Führungsstils sagt er; »Ich bin bereit, zu vertrauen.« Er freue sich auf eine gut arbeitende Verwaltung und auf die politisch Aktiven, die bereit seien für die Interessen der Menschen in Werther zu streiten.

Als politische Aktionsfelder benennt Lemmen beispielhaft den Bildungsbereich, die Schaffung von Wohnraum, die Kooperation mit der Uni Bielefeld, die Sicherung wohnartnaher Ärzteversorgung, sauberes Gewerbe 4.0 sowie Verbesserungen insbesondere im ÖPNV. Die Wertschätzung des Ehrenamtes sieht Lemmen als wichtig an, damit Menschen Lust hätten, in Ehrenämtern aktiv zu sein.

Ein Kommentar zum neuen SPD-Bürgermeister-Kandidaten

Veith Lemmen ist ohne Zweifel das, was man einen homo politicus nennt, ein durch und durch politischer Mitmacher. Sein politischer Werdegang hat den 35-Jährigen vom Landesvorsitz der Jusos bis zum Vizevorsitzender in den Landesvorstand der NRW-SPD geführt. Das ist ziemlich weit oben. Jahrelang war er Referent der SPD-Landtagsfraktion. Das kleine politische Karo hat der einstige ASTA-Vorsitzende in Münster wohl nie gespielt.

Eine Karriere als Bürgermeister einer westfälischen Kleinstadt war in diesem Lebenslauf wohl kaum vorgezeichnet. Doch der kommunikative Niederrheiner ist gefragt worden und will jetzt seine Chance nutzen. Der 35-jährige Lemmen setzt auf vielfältige politischen Erfahrungen, seine Überzeugungen und dass er in Gesprächen Menschen überzeugen kann. Die Wähler werden ihn sich genau angucken und für sich entscheiden, ob dieser Mann mit Hut ihre Stadt gut repräsentieren, das Rathaus effizient führen und mit seinen Impulsen die Böckstiegel-Stadt nach vorne bringen kann. Denn genau auf diese Fähigkeiten kommt es in Werther an. Stefan Küppers

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