Anwohner vom Jugendzentrum fühlen sich terrorisiert von einer Jugend-Szene
Brennpunkt Ampelschule

Werther (WB). Trotz Hausverboten nach der Randale in der Innenstadt hält der Ärger an: Genervte Anwohner rund um das Jugendzentrum in der Ampelschule fühlen sich terrorisiert von jungen Leuten und nicht ernst genommen von der Stadt. Bei der Polizei haben die Wertheraner, die von einem Brennpunkt wie früher am Werther Berg sprechen, inzwischen schon 20 Strafanzeigen gestellt. Aus verständlichen Gründen wollen sie anonym bleiben und jetzt juristischen Beistand in Anspruch nehmen.

Mittwoch, 06.11.2019, 05:00 Uhr
Die Holzterrasse hinter der alten Ampelschule ist beliebter Treffpunkt für Jugendliche. Von dort soll auch oft der Krach ausgehen und laute Musik zu hören sein. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Nach der Eskalation am letzten Oktober-Wochenende hatte Bürgermeisterin Marion Weike persönlich Hausverbote an fünf namentlich bekannte Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren überbracht. Diese galten auch für das Jugendzentrum in der früheren Ampelschule. Schon im Sozialausschuss hieß es, dass diese Verbote Wirkung gezeigt haben sollen. Und auch die Anwohner bestätigen, dass es am vergangenen Wochenende ruhiger gewesen sei. Gleichwohl seien die bekannten Gesichter dort immer noch zu sehen. Die Hausverbote würden einfach ignoriert. Und damit bleibe das Problem in der Welt.

Aus Sicht der Nachbarn hält der Ärger schon mehr als zwei Jahre an. Und deshalb habe man auch schon damals die Bürgermeisterin angesprochen. Die Situation soll sich aber immer mehr zugespitzt haben. Betroffen sind etwa zwölf Familien.

Lautstarke Party gemacht

»Angefangen hat es vor den Sommerferien, als es abends sehr laut geworden ist», erinnert sich ein Anwohner. Der Lärm vom Jugendzentrum – laute Musik und Geschrei - dröhne des nachts in alle Richtungen. »Wir haben es erst im Guten versucht und klar gemacht, dass sie sich an gewisse Regeln halten müssten. Danach wurde es schlimmer.« Deshalb habe man Ruhe verlangt und schließlich immer häufiger die Polizei gerufen. Erst per Festnetznummer auf der Wache in Halle, schließlich über die 110. Und in manchen Nächten sogar mehr als zehn Mal.

War das der Zeitpunkt, an dem das begann, was die Nachbarn als Terror bezeichnen? Die Vorwürfe malen ein düsteres Bild: Eine international gemischte Runde junger Leute, die auch mit Autos mit Herforder und Bielefelder Kennzeichen anfährt, hängt abends am »Funtastic« ab, chillt gern auf der Holzterrasse hinter der alten Schule. Oder beim »Lagerfeuer« auf der Rampe des Edeka-Marktes. Die Älteren holen Biercontainer von der Tanke. Angetrunken und/oder bekifft werde Party gemacht: lautstark und ziemlich aggressiv, sagen die Anwohner.

Pöbeleien und Drohungen

Sie müssten sich Pöbeleien gefallen lassen, ja sogar Morddrohungen. Es seien Sätze gefallen wie: »Wir terrorisieren euch, bis ihr im Graben liegt«. Frauen aus der Nachbarschaft trauten sich am Abend nicht einmal mehr, zu ihren Garagen zu gehen. Noch im September sei es sogar zu einem Gerangel gekommen.

Dazu seien die Sachbeschädigungen gekommen: unter anderem ein Auto ramponiert, ein Haus mit Eiern und Steinen beworfen. Zuletzt seien zwei frisch montierte Videokameras am Giebel eines Hauses erst verdreht worden, dann aus den Halterungen gerissen und gestohlen. Die Anwohner sind zudem überzeugt, dass mitten in Werther mit Drogen gedealt wird. Morgens seien nicht nur Scherben, sondern auch Spritzen zu finden. »Was in dieser einen Nacht in der Innenstadt passiert ist, haben wir jede Nacht vor der Tür«, sagt ein Nachbar.

»Die Stadt hat doch Hausrecht und müsste dafür sorgen, dass Ordnung herrscht«, fordern die Anwohner striktere Maßnahmen, damit auch die Polizei eine Handhabe gegen die Szene habe: Kamera-Überwachung, eine abendliche Abschaltung des WLans und auf jeden Fall ein Betretungsverbot des Hofes nach 21 Uhr.

Das sagt die Polizei:

»Wir ermitteln derzeit, ob es einen Zusammenhang zu den Sachbeschädigungen gibt. Noch haben wir nichts Konkretes, aber wir haben das schon im Blick und schauen, ob es Ansätze gibt, Verweise polizeilicherseits durchzusetzen«, sagt Polizeisprecherin Katharina Felsch. Obwohl es in der Umgebung von Jugendzentren immer wieder einmal Beschwerden aus der Nachbarschaft gebe, sei der Vandalismus in Werther derzeit nur als Einzelfall im Kreis dokumentiert, »ein Wertheraner Phänomen«. Die Polizeisprecherin: »Abschließen können wir die Stadt nicht. Aber mir ist es wichtig, dass Bürger in solch einem Fall nicht lange nach einer Festnetznummer suchen, sondern schnell die 110 wählen.«

Das sagt die Bürgermeisterin

Wir nehmen das Problem ebenso ernst wie die Polizei. Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Anwohner etwas anderes glauben«, sagt Bürgermeisterin Marion Weike. Für nächsten Montag hat sie ein Gespräch mit dem Team des Jugendzentrums und der aufsuchenden Sozialarbeit vereinbart. Dort sollen Vereinbarungen wie Wlan, Tor, Schlüssel zum »Funtastic« und andere Details thematisiert werden. Gleichwohl hält die Stadtverwaltung ihre ersten Maßnahmen für zielführend. »Unsere Hausverbote haben nicht unbedingt die Rädelsführer getroffen. Aber sie haben schon gegriffen. Und wir haben uns gesprächsbereit gezeigt, weil es wichtig ist, die Situation zu deeskalieren«, verweist die Bürgermeisterin auf mehr Ruhe am Halloween-Wochenende. Zwei der Jugendlichen, »die natürlich zur falschen Zeit am falschen Ort waren«, seien von sich aus ins Rathaus gekommen, einer von ihnen mit seinem Vater. Mit einem weiteren, der mit der Gruppe in Kontakt stehe, habe sie ebenfalls schon gesprochen. Weike: »Ich möchte vermeiden, dass wir das Gelände ganz absperren müssen und damit ganz andere Nutzer treffen.«

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