Vor einem Jahr hat Hannes Dicke-Wentrup seinen Betrieb umgestellt
»Bio ist für mich keine Religion«

Werther (WB). Das erste Erntedankfest als Biobauer erlebt Landwirt Hannes Dicke-Wentrup relativ emotionslos. Derzeit kann er seine Produkte ohnehin nur als Umstellungsware vermarkten, erst ab 2021 gilt das, was er auf seinen Äckern anbaut, offiziell als Bioerzeugnis. Schon jetzt weist ein Schild am Hofeingang auf seine Kooperation mit Naturland hin.

Sonntag, 06.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 06.10.2019, 09:40 Uhr
Landwirt Hannes Dicke-Wentrup möchte die Biodiversität auf seinen Anbauflächen erhöhen. Auch als Biobauer sieht er viele Dinge kritisch, macht sich unkonventionelle Gedanken. Foto: Gerhards

Dazu bezieht er seine Wärme von der angrenzenden Biogasanlage und arbeitet schon jetzt mit einem ökologisch wirtschaftenden Geflügelbetrieb zusammen. Also alles Bio, alles gut? Ganz so einfach ist die Sachlage nicht. »Ich mache das schon aus Überzeugung, bin aber kein Grüner«, sagt Hannes Dicke-Wentrup und ergänzt: »Für mich ist Bio keine Religion«. Gemeinsam mit seiner Frau, einer selbständigen Fahrlehrerin, hat er sich entschieden, den Versuch mit Biolandbau zu wagen.

Dicke-Wentrup stellt im Vergleich zu vorher deutliche Mindererträge fest

Wegen verschiedener Förderungen falle er nicht in ein totales Loch; wenn der Markt es hergebe, werde er den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Allerdings kann er schon jetzt deutliche Mindererträge gegenüber konventioneller Anbauweise feststellen. So habe der Nährstoffmangel im Boden dazu geführt, dass »die Ackerbohne das Dreschen nicht finanziert«.

Er setzt auf seinen 93 Hektar großen Anbauflächen auf ausgewogene, fünfgliedrige Fruchtfolge, ohne Felder brach liegen zu lassen. Auf die Ackerbohne folgt Winterweizen, dann Mais auf einer Untersaat aus Kleegras, schließlich Sommerweizen und Tritikale, eine Kreuzung aus weiblichen Weizen- und männlichen Roggenanteilen. Auf etwa zehn Prozent der Flächen hat der Rotingdorfer Landwirt Blühstreifen, Blühflächen und Uferrandstreifen angelegt. Die sind gut für die Biodiversität und funktionieren als Barriere zu konventionell bewirtschafteten Feldern der Kollegen.

»Wer Biodiversität ernst nimmt, darf eigentlich keine Katze frei laufen lassen«

Diese beobachten die Entwicklung sehr genau, im Übrigen helfe man sich gegenseitig. Und ganz ohne Pflanzenschutz gehe es auch beim Bioanbau nicht. So habe der Kartoffelkäfer in der vergangenen Saison wieder drei Generationen ausgebildet. »Insekten sind nicht nur schön«, betont Hannes Dicke-Wentrup beim Untersuchen einer Nisthilfe in Langenheide. Hier steht ein Randstreifen aus Sonnenblumen und Maispflanzen. Der Häcksler wäre damit nicht klar gekommen, jetzt bleiben die Pflanzen stehen - als Deckung für Wild und Nahrungsquelle für Vögel.

Als Jäger kennt sich Dicke-Wentrup nicht nur in der Pflanzenwelt aus. Er fordert ein erweitertes Prädatorenmanagement, denn das Vorkommen an Waschbären, Dachsen und Steinmardern steige ständig und bedrohe das ökologische Gleichgewicht. »Wer Biodiversität ernst nimmt, darf eigentlich keine Katzen frei laufen lassen«, fordert er, denn vor allem Jungvögel seien gefährdet.

Bei mehr Wetterextremen ist Bio-Landbau der konventionellen Landwirtschaft nicht überlegen

Für fünf Jahre hat er sich nun verpflichtet, nach Richtlinien des Biolandbaus zu wirtschaften. »Falls es sich lohnt, mache ich weiter«, kündigt Dicke-Wentrup an. Er glaubt allerdings nicht, dass Bio bei zunehmenden Wetterextremen dem konventionellen Anbau überlegen ist. Zudem sei der Markt begrenzt, und nicht jeder könne sich den dreifachen Preis für einige Lebensmittel leisten. Die Abhängigkeit von äußeren Faktoren nehme eben beim Ökobetrieb nicht ab.

Änderungsbedarf sieht er bei der Wertschätzung von Lebensmitteln und den oft übertriebenen Transportwegen. Dicke-Wentrup plädiert für fairen Handel in unmittelbarer Nähe des Verbrauchers. Warum nicht einen Biosupermarkt in Werther bauen anstatt einen weiteren Discounter? Vater Heinrich Dicke-Wentrup hätte nach eigenen Angaben nicht umgestellt. Eine Einmischung ins Alltagsgeschäft des neuen Bioland-Betriebes kommt für ihn aber nicht in Frage.

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