Maxim Leo stellt seinen neuen Roman vor
Drei tatkräftige jüdische Frauen

Werther (WB). »Vergessen und Verdrängen wird in meiner Familie stark praktiziert und kultiviert«, sagt Maxim Leo. Dies helfe dabei, glücklich zu werden, verrät der Schriftsteller den 65 Besuchern in der Buchhandlung »Lesezeichen«.

Freitag, 04.10.2019, 06:39 Uhr aktualisiert: 04.10.2019, 07:00 Uhr
Maxim Leo schreibt Kolumnen für die Berliner Zeitung, Drehbücher für den TV-Krimi »Tatort« und vor allem Romane über seine eigene Familiengeschichte.
Form der Therapie

Mit seinem Buch will Maxim Leo zur rechtzeitigen Beschäftigung mit der eigenen Familiengeschichte anregen. »Keine Familiengeschichte ist langweilig«, sagt der in Ost-Berlin geborene Schriftsteller. Die Aufarbeitung seiner eigenen sei zudem auch eine Form der Therapie gewesen: »Man lernt sich auf eine andere, ehrlichere Art kennen, kann sich besser einschätzen, wenn man weiß, woher manche Dinge kommen.«

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Glücklicherweise befolgt der 49-Jährige die Familienpraxis nicht immer, denn sonst wäre sein Roman »Wo wir zuhause sind« nie entstanden. Aber Leo ist tief eingedrungen in seine Familienhistorie. Anhand von Tagebüchern und Erzählungen lebender Verwandter rekonstruiert er die wahre Geschichte seiner jüdischen Familie, die auf der Flucht vor den Nazis in alle Winde zerstreut wurde.

Berlin der 30er Jahre

Maxim Leo erzählt sie exemplarisch anhand von drei Verwandten, drei beeindruckenden Frauen, die aus dem Berlin der 30er Jahre fliehen. Sie sind starke Persönlichkeiten mit einem ungewöhnlichen Lebensweg, keine Opfer, die unter dem Nationalsozialismus zerbrechen, was sich auch in Leos unverkrampftem und zumeist humorigem Stil widerspiegelt.

Da ist zum einen Hilde, eine Schauspielerin, die in jungen Jahren den Gründer der KPD heiratet und später mit ihrem Sohn nach London flieht, wo sie es durch Immobilienkäufe und Börsenspekulationen bis zur Millionärin brachte. Ihre Cousine Irmgard verschlägt es vom Jurastudium direkt nach Palästina, wo sie einen Kibbuz mit aufbaut und auch schon mal zum Maschinengewehr greift, um ihr Dorf gegen arabische Eindringlinge zu verteidigen.

Alle drei haben auf ihre Weise ein tolles Leben geführt. Ich bin ihnen begegnet, aber gekannt habe ich sie nicht

Maxim Leo

Dann ist da noch Ilse, die sich im Konzentrationslager in ihren späteren Mann verliebt und mit ihm dort ein Kind bekommt. Weil sie aufgrund der NS-Zeit ihren Schulabschluss nicht machen konnte, holt sie mit 60 Jahren in ihrer neuen Heimat Wien ihr Abitur nach, studiert Psychologie und eröffnet eine eigene Praxis in einem Alter, in dem andere in Pension gehen. »Alle drei haben auf ihre Weise ein tolles Leben geführt. Ich bin ihnen begegnet, aber gekannt habe ich sie nicht«, so Leo.

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