Erörterungstermin mit Grundeigentümern und Anwohnern zum Bebauungsplan bringt keine Verständigung
Harte Kritik: »Weco-Planung macht alle zu Verlierern«

Werther (WB). In einer zwischenzeitlich äußerst gereizten Atmosphäre, gespickt mit vielen auch sehr persönlichen Vorwürfen, ist der Erörterungstermin zum städtischen Bebauungsplan für das Weco-Gelände über die Bühne gegangen. Nach dem Ablauf der Veranstaltung zu schließen, muss nunmehr mit Klagen des Eigentümers wie auch von Anwohnern im Plangebiet nach einem eventuellen Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gerechnet werden.

Freitag, 06.09.2019, 07:30 Uhr
Unternehmer Gerhard Wehmeyer saß beim Weco-Erörterungstermin im Publikum und übte scharfe Kritik. Foto: Stefan Küppers

Riesenärger bei Unternehmer Wehmeyer über

Etwa 20 Zuhörer verfolgten die am Ende mehr als dreistündige Veranstaltung im Sitzungssaal des Rathauses. Im Zuge des laufenden Offenlage-Verfahrens ist die Stadt angehalten ihre Planung den unmittelbar Betroffenen und der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen. Das war für Werner von Beeren und Detlev Winkler vom planenden Büro Enderweit und Partner aus Bielefeld gar nicht so einfach, denn immer wieder gab Unterbrechungen mit teils sehr kritischen Rückmeldungen. Insbesondere der Eigentümer des Großteils der Fläche im Plangebiet, Gerhard Wehmeyer, hielt mit seiner großen Verärgerung über die Planung und das Verfahren nicht hinterm Berg. Neben vielen Details, die Wehmeyer kritisch monierte, erhob der Unternehmer vor allem einen grundsätzlichen Vorwurf insbesondere gegen Bürgermeisterin Marion Weike. Denn mit ihm und anderen Anwohnern sei vor der Planung nicht gesprochen worden.

Kommentar

Man kann es durchaus bedauern. Doch besser ist wohl der nüchterne Blick auf die tatsächliche Lage. Diese Weco-Planung wird wohl nur umgesetzt werden können, wenn sie auch vor einem Gericht Bestand hat. Von Konsens war beim Erörterungstermin jedenfalls kein bißchen zu verspüren.

Die Stadt Werther ihrerseits steht unter Druck. Wird nicht bis zum nächsten November ein Satzungsbeschluss herbeigeführt, dann würde womöglich die derzeitige Veränderungssperre fürs Plangebiet nicht mehr wirken.

Dann könnten die alten Investoren-Pläne für insgesamt sechs Einzelhandelsmärkte mit jeweils bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche wieder chancenreich aufs Tapet kommen. Mit all den Folgen für den Einzelhandel in Werthers Innenstadt, die diese Marktentwicklung hätte. In diesem Bebauungsplanverfahren steht also einiges auf dem Spiel.

Stefan Küppers

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Alle von der Bürgermeisterin und der Stadt zuletzt eingeleiteten Maßnahmen dienten vor allem dazu, den Wert des Grundstückes systematisch herabzusetzen, klagte Wehmeyer. Ihm werde es unmöglich gemacht, eine wirtschaftliche Nutzung seines Geländes umzusetzen. Wehmeier kritisierte weiterhin, dass von ihm teuer bezahlte Gutachten zur Gefährdungsabschätzung von Altlasten auf dem Gelände überhaupt keine Rolle spielten. Auf seine Nachfragen bekomme er auch keine Antwort, so Wehmeyer.

Bürgermeistern und Planer widersprechen Wehmeier deutlich

Dem Unternehmer wurde von der Bürgermeisterin und auch von Planerseite deutlich widersprochen. Und es wurde insbesondere zur Altlasten-Thematik beispielhaft auf Einschätzungen der Aufsichtsbehörden beim Kreis Gütersloh verwiesen. All das sei auch in den Unterlagen nachlesbar. Im übrigen würden alle Stellungnahmen ins Verfahren einfließen.

In der Diskussion tauchte von Anwohnerseite immer wieder die Frage auf, warum in diesem innerstädtischen Bereich keine Wohnbebauung entwickelt werde. Dem Hinweis von Weike und den Planern, dass dieser Bereich immer schon ein Gewerbegebiet gewesen sei, auch dort, wo im Laufe der Zeit betriebsunabhängige Wohnnutzung entstanden ist, wurde teils heftig widersprochen. Dies sei ein Mischgebiet, wurde behauptet. Die Planer hingegen hoben darauf ab, dass durch bestimmte Festsetzungen der Schutz von bestehender Wohnbebauung besonders ausgeprägt sei.

Anwalt sieht »nur Verlierer«

Ein Rechtsanwalt der Kanzlei Streitbörger, der einen Handwerksbetrieb im Plangebiet vertritt, meinte, dass die Planfestsetzungen die tatsächliche Situation im de-facto-Mischgebiet missachteten. Der Anwalt und einige Anlieger forderten ein valides Gutachten über die tatsächliche Altlasten-Situation ein. Die Planung mache die Beteiligten im Plangebiet alle zu Verlierern, sagte der Anwalt. Bis 27. September können Einwendungen erhoben werden.

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