Per Kletterseil wird ein Fallrohr montiert – mit Video
Hängepartie am Kirchturm

Werther (WB). Holger Menke hängt in den Seilen. Fachgerecht gesichert, 20 Meter über dem Boden. Neben ihm baumelt ein Schlagbohrhammer. Das neue Fallrohr für den Kirchturm muss montiert werden, und da nützt das Gerüst nur als Haltevorrichtung.

Dienstag, 02.07.2019, 03:00 Uhr
Arbeitsplatz in luftiger Höhe: Holger Menke klettert am Kirchturm hoch und bringt an der Ostseite Fallrohre an. Foto: Margit Brand

Denn dort, wo der Chef der Firma HM-Dachtechnik Boden unter den Füßen bräuchte, kann das Gerüst, das seit Mitte Mai für die Fassadensanierung aufgebaut ist, nicht erweitert werden. »Die Traglast für den Dachstuhl wäre kritisch. Und ein Hubsteiger kommt nicht in Frage, weil die Beschaffenheit des Untergrundes ungewiss ist«, sagt Menke. Rund um St. Jacobi war schließlich früher ein Friedhof. Wenn der Boden unter dem Gewicht nachgäbe, könnte das sehr gefährlich werden...

Also steigt der 50-Jährige in das bis zu 22 Kilogramm schwere Tragesystem und seilt sich ab, zieht sich hoch. Möglichst selten, denn das kostet richtig Kraft. Jedes Werkzeug ist mit einem Karabiner am Gürtel befestigt, Kollegin Dörte Holzmeier reicht ihm vom Gerüst aus Schellen und Rohre an.

Fassade wieder heil

Eine Etage höher sitzt Dennis Härtel und lötet die Dachrinne, die in den vergangenen Tagen angebracht worden ist. Ein aufwändiges Unterfangen, denn das Turmdach sollte natürlich dafür nicht geöffnet werden. Auch so schon ist die evangelische Kirchengemeinde froh, dass die Denkmalschutzbehörde der Installation zugestimmt hat. Denn: Schon vor 40 Jahren, als der Turm zuletzt eingerüstet war, wollten die Verantwortlichen gerne eine Dachrinne anbringen, um zu verhindern, dass von der Turmhaube ablaufendes Wasser ins darunter liegende Mauerwerk zieht. Damals wurde das aus Denkmalschutzgründen nicht genehmigt.

Das Resultat ist Jahrzehnte später eine Art »Wasserschaden«: Der Mörtel bröckelte zuletzt an der Wetterseite an vielen Stellen aus den Fugen. Fachgerecht sind die Schäden in den vergangenen Wochen behoben worden. Diese Arbeiten sind an der Turmfassade weitgehend abgeschlossen – und werden dank der neuen Dachrinne hoffentlich auch nicht so schnell wiederholt werden müssen. Der Strebepfeiler neben dem Seiteneingang, der besonders gelitten hat und weiter ausgebessert werden muss, wird dagegen noch für einige Zeit eingerüstet bleiben.

Glänzende Kupferkante

Das Spengler-Team kommt mit seinen Metallarbeiten am Dach derweil gut voran. In Kürze werde sich entscheiden, ob die Firma bei dieser sich bietenden Gelegenheit auch noch das Kreuz auf der Turmspitze genau in Augenschein nimmt. Per Seil versteht sich, und dann würde die Kletterpartie noch einmal etwas spektakulärer. Wenn HM-Dachtechnik fertig ist, wird das Gerüst – voraussichtlich nächste Woche – abgebaut. Dann kann man schon von weitem sehen, dass St. Jacobi eine glänzende »Kupferkante« bekommen hat. Allzu lange werde die jedoch nicht so strahlen. Dennis Härtel: »Ein paar Regenschauer genügen, dann stumpft das Material bereits ab.«

Ein Blick von der Kirchturm-Baustelle im Mai

 

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