Lothar Frenz stellt in Werther ein sehr persönliches Porträt von Loki Schmidt vor
Eine Frau mit drei Leben

Werther (jog). »Vielleicht wird uns an diesem kalten Frühlingsabend etwas warm ums Herz«, kündigt Lothar Frenz zu Beginn seiner Lesung an. Ein Zuhörer bescheinigt ihm am Ende eine »sehr herzliche Perspektive«, die er in seinem Buch mit dem Titel »Ein Jahr mit Loki« einnehme und den Lesern überzeugend vermittle.

Donnerstag, 09.05.2019, 12:50 Uhr
Einfühlsames Porträt einer beeindruckenden Frau: Lothar Frenz stellte sein Buch »Ein Jahr mit Loki« vor. Foto: Gerhards

Mit rund 60 Gästen ist die Buchhandlung Lesezeichen ausverkauft, als Lothar Frenz mit seinem Vortrag beim Lesefrühling beginnt. Er wählt den »demokratischen Pfad« durch sein inzwischen neuntes Werk und bereichert die Lesung mit Originaltönen aus über 40 Stunden Aufnahmematerial, das er bei den Treffen in Lokis letztem Lebensjahr mitgeschnitten hat.

»Wir waren uns gleich verblüffend vertraut.«

Die damals 90-jährige Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und der halb so alte Journalist und Buchautor lernten sich bei der gemeinsamen Arbeit am »Naturbuch für Neugierige« kennen und schätzen. »Wir waren uns gleich verblüffend vertraut. Die Gespräche waren bereichernder Austausch und kein Interview«, betont Lothar Frenz und gibt zu, dass er immer noch fast jeden Tag an Loki Schmidt, die am 21. Oktober 2010 in Hamburg gestorben ist, voller Hochachtung denken muss.

»Wie Kinder wollten wir die Welt entdecken«, so lautete die Arbeitsgrundlage am Projekt der Botanikerin und des Zoologen. Die beiden fachsimpeln über das charakteristische Rascheln von Eichenlaub, das typische Geräusch auf den Boden fallender Eicheln und die einzigartige Form mit glatter Frucht und rauem »Hut«. Wobei Loki im Anschluss erklärt, dass sie Kastanien eigentlich ansprechender findet und mit ihrem Mann die Tradition pflegt, sich die erste Kastanie des Jahres zum Geschenk zu machen.

Kontaktmöglichkeiten zu den Mächtigen der Welt

Überhaupt war die Beziehung zu ihrem »Herrn und Gebieter«, den sie seit der Schulzeit kannte, von zärtlicher Liebe und gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Da kommt es auch schon mal vor, dass Helmut anruft und tschüss sagt, weil er vergessen hatte, sich von ihr zu verabschieden.

Als armer Leute Kind war Hannelore Schmidt bei aller hanseatischen Zurückhaltung bodenständig, humorvoll und voller Selbstironie. Als Gattin des Bundeskanzlers nutzte sie die sich ihr bietenden Kontaktmöglichkeiten zu den Mächtigen der Welt. Mit dem japanischen Kaiser Hirohito debattierte sie ungezwungen und abseits des strengen Protokolls über Fische, dem chinesischen Staatschef Mao schüttelte sie die Hand. Aber auch den normalen Handwerkern begegnete sie stets auf Augenhöhe. »Jeder konnte stinknormal mit ihr reden«, sagt Lothar Frenz über die Frau mit den drei Leben als Lehrerin, Kanzlergattin und Naturschützerin.

»Loki macht Mut zum Handeln, Mut zu Anstand, zum Geben und Nehmen und die Dinge zu akzeptieren, wie sie kommen«, so zieht Lothar Frenz sein Fazit zum Abschluss eines wahrhaft herzerwärmenden Leseabends, den die Zuhörer mit lang anhaltendem Beifall honorieren.

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