Böckstiegel-Ausstellung öffnet Sonntag im Museum in Werther
Mal typisch, mal exotisch

Werther (WB). Acht Wochen Böckstiegel im Böckstiegel-Museum: Das war direkt nach der (ungeplant deutlich verspäteten) Eröffnung vorigen Sommer eindeutig zu kurz, da sind sich alle einig. Jetzt ist »PAB« zurück. Der Sommer gehört ihm – auch in den kommenden Jahren.

Samstag, 04.05.2019, 08:45 Uhr aktualisiert: 05.05.2019, 15:44 Uhr
Böckstiegel ehrt ihm vertraute Menschen im Portrait. Kurator David Riedel machte daraus eine Ausstellung. Foto: Margit Brand

Sonntag um 11 Uhr wird die neue Ausstellung eröffnet, die unter dem Titel »Jugend und Alter« das Portrait im Werk des Wertheraner Expressionisten in den Mittelpunkt stellt. Bis zum 15. September sind rund 70 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken zu sehen, in denen Böckstiegel – für ihn ganz selbstverständlich – die Brücke schlägt zwischen den Generationen.

Er wurde vermisst

Museumsdirektor David Riedel weiß, dass diese Schau den Wünschen vieler Kunstfreunde entgegen kommt. »Viele haben nach Böckstiegel gefragt«, berichtet er, wenngleich auch die Ausstellung von Wilhelm Heiner (5524 Besucher) und Robert Sterl (6154 Besucher) auf großes Interesse gestoßen seien. Riedel kündigt an, dass auch künftig die Sommermonate Böckstiegel vorbehalten sein sollen. Sei es das eigene Depot oder großzügige Leihgaben von öffentlicher oder privater Seite aus ganz Deutschland: »Der Fundus ist enorm und so vielfältig, dass sich immer wieder neue Facetten zeigen lassen.« 2020 werde es vorrangig um die Kriegsjahre 1939 bis 1945 gehen.

Auch diesmal wirkt Böckstiegel vertraut und ungewohnt zugleich. Da sind zum einen seine markanten, großformatigen Ölgemälde, die vor allem ihm nahestehende Menschen zeigen. Auch das Titelbild der Ausstellung gehört dazu, »Jugend und Alter«. Es schmückte früher das Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld und ist nach mehr als 20 Jahren wieder in der Öffentlichkeit zu sehen.

Lauter kleine Denkmäler

Weniger erwartet man indes farbstarke Aquarelle und Radierungen, die Menschen aus Lappland in traditioneller Tracht (1925) zeigen. Oder Zeichnungen aus den Dresdner Altfrauenhäusern, die er als junger Stipendiat 1913/14 anfertigte und die erstmals in diesem Umfang gezeigt werden. Allen Werke ist eines gemein: Sie sind mehr als Bildnisse, sondern kleine Denkmäler der Persönlichkeit.

Das Museumsteam rechnet mit großem Zuspruch und erwartet bis zum Herbst mehr als 10.000 Besucher. Um künftig bei großer Nachfrage auch mehrere Gruppen parallel führen zu können, wird ein Audiosystem angeschafft, das die erklärenden Worte direkt per Knopf ins Ohr bringt. Auch an der Verbesserung der Akustik im Vorraum werde in Kürze weitergearbeitet.

Der Eintritt kostet ab Sonntag sieben Euro (ermäßigt vier Euro), Kinder und Jugendliche sind gratis. Gleiches gilt zur Eröffnung für alle: Die ersten zwei Stunden bleibt die Kasse geschlossen, Eintritt ist frei. 

Ein Kommentar von Margit Brand

Häufig war zuletzt davon die Rede, wie Werther sich durch das neue Museum für Auswärtige attraktiv machen kann. Ohne Zweifel ein Thema, das wichtig ist und wichtig bleibt. Doch mit der neuen Ausstellung wird das Museum jetzt ganz besonders auch für Einheimische interessant. Denn Böckstiegel ist zurück in »seinem« neuen Domizil und bietet damit allen, die bislang noch nicht da waren oder gar mit dem Bau fremdeln, gute Gelegenheit, sich dem zu nähern, was – ob man will oder nicht – ein großes Stück kultureller Identität der Stadt ist. Es ist eben auch Werthers Museum.

»Jugend und Alter« lädt schon vom Titel her Generationen übergreifend ein. Böckstiegel-»Anfänger« wie eingefleischte Fans (egal woher) kommen hier auf ihre Kosten. Es ist schön zu hören, dass der Sommer künftig immer dem »Hausherrn« gehören soll. Er hat das Potenzial.

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