Entomologe wirbt in Werther um Verständnis bei Landwirten und Gartenbesitzern
Ein Herz für Insekten

Werther (WB). In den Medien ist in den vergangenen Monaten immer wieder vom »großen Insektensterben« die Rede. Eine Begrifflichkeit, die den Vorsitzenden der AG Westfälischer Entomologen, Werner Schulze, gewaltig stört.

Donnerstag, 04.04.2019, 08:45 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 09:00 Uhr
Ein zartes Wesen, dieser Aurorafalter. Er ist genauso selten geworden wie das Nahrung spendende Wiesenschaumkraut. Foto: Frank Langheim

Warum er sich daran stößt? »Nur wenn etwas da ist, kann es auch sterben. Es gibt aber kaum noch Insekten da draußen«, sagt der Bielefelder, der den Menschen dabei als treibende Kraft sieht.

Laut dem Insektenkundler sorgen übermäßige Düngung und Monokulturen in der Landwirtschaft sowie das damit verbundene Verschwinden von Blühflächen dafür, dass die Insekten kaum noch Nahrung finden. Viele der Bienen, Fliegen und Schmetterlinge seien durch den Einsatz von chemischen Mitteln wie Glyphosat und anderen Pestiziden bereits soweit geschädigt, dass sie gar nicht mehr in der Lage dazu sind, Nachkommen zu zeugen. »Das ist nicht nur für die Tiere, sondern auch für uns Menschen eine Katastrophe«, sagte Werner Schulze, der die wichtige Bedeutung der Insekten für das ökologische Gleichgewicht betont.

Moderator Rolf Düfelmeyer (links) begrüßt den Entomologen Werner Schulze beim Kamingespräch. Foto: Krammenschneider

Moderator Rolf Düfelmeyer (links) begrüßt den Entomologen Werner Schulze beim Kamingespräch. Foto: Krammenschneider

Rückgang um 77 Prozent

Dass es inzwischen kurz vor zwölf ist, belegt Werner Schulze beim Kamingespräch im Haus Tiefenstraße anhand von erschreckenden Zahlen, die die sogenannte »Krefelder Studie« 2017 hervorgebracht hat. An 68 Stellen im gesamten Bundesgebiet wurden dafür von Entomologen Insekten in sogenannten Malaise-Fallen gesammelt und mit den Zahlen von vor 28 Jahren verglichen. Ergebnis: Die Biomasse der Fluginsekten hat sich um 77 Prozent reduziert. »Allein in OWL hat ist die Menge der Schwebfliegen um 80 Prozent zurückgegangen«, beklagt Werner Schulze, der allerdings nicht nur die industriell betriebene Landwirtschaft als Grund dafür sieht.

Gesamtgesellschaftliches Umdenken gefordert

Zunehmende Lichtverschmutzung und der immense Kraftfahrzeugverkehr würden ebenfalls ihren Teil zur beunruhigenden Entwicklung beitragen. Laut Schulze müsse es deshalb ein gesamtgesellschaftliches Umdenken geben. Nicht nur die Landwirte sollten trotz zunehmenden wirtschaftlichen Drucks vermehrt an die Umwelt denken. Auch der normale Bürger könne mit seinem Verhalten und der insektenfreundlichen Gestaltung seiner Gärten und Balkone viel für verbesserte Lebensbedingungen tun.

»Lassen die das Laub doch mal länger liegen und mähen sie den Rasen nicht immer möglichst kurz«, sagte Werner Schulze, dessen Ausführungen bei den etwa 30 Zuhörern für Erstaunen sorgten. Ein eindrucksvoller Vortrag, der sein Ziel, vermehrt auf das große Problem aufmerksam zu machen, mehr als erreicht hat.

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