Großes Interesse an Veranstaltung zum Wasserversorgungskonzept in Werther
»Der Kampf um Wasser hat begonnen«

Werther (WB). »Die Stadt Werther redet von Klimaschutz und zerstört gleichzeitig das eigene Naturschutzgebiet.« Derart emotional aufgeladene Behauptungen waren vor der Veranstaltung zum Wasserversorgungskonzept zu vernehmen. Dennoch haben die Gastgeber Jürgen Schierenbeck vom Landwirtschaftlichen Ortsverein und Heinrich-Theodor Venghaus als Vorsitzender der Forstbetriebsgesellschaft nicht mit diesem Besucheransturm gerechnet.

Samstag, 02.03.2019, 11:00 Uhr
Kahlschlag auf der Egge: Heinrich-Theodor Venghaus (Forstbetriebsgesellschaft), Jürgen Schierenbeck (Landwirtschaftlicher Ortsverein) und Karsten Steinmann (v.l.) halten immer noch einen Zusammenhang mit der erhöhten Wasserförderung durch die Stadt für möglich. Foto: Johannes Gerhards

Mehr als 50 Interessierte drängten sich im Saal der Gaststätte Weinhorst in Häger, um den Ausführungen des Gutachters Dr. Dirk Brehm vom Büro für Geohydrologie zu folgen. Er stellt Details zum Wasserversorgungskonzept vor, das derzeit beim Kreis zur Genehmigung vorliegt. Die bestehende wasserrechtliche Erlaubnis war am 31. Juli 2018 abgelaufen.

In Werther gibt es drei Tiefbrunnen zur Sicherstellung des Wasserbedarfs der Bevölkerung. Die genehmigte Gesamtfördermenge von 684.500 Kubikmeter pro Jahr verteilt sich auf die Entnahmestellen Kök und Rotingdorf (zusammen maximal 474.500 m³) und Schanze (210.000 m³). Infolge technischer Probleme am Brunnen Schanze und der nötig gewordenen Sanierung am Brunnen Kök musste in Rotingdorf die genehmigte Fördermenge deutlich überschritten werden. Anstelle der erlaubten 185.000 Kubikmetern wurden hier 2018 mehr als 300.000 Kubikmeter abgezapft. Die Überförderung von Kök (218.000 m³) und Rotingdorf war im letzten Jahr 50.000 Kubikmeter höher als genehmigt.

Warmenau-Quelle versiegte

Im Zusammenwirken mit dem heißen und trockenen Sommer versiegte nicht nur die Warmenau-Quelle, sondern auch zahlreiche Hausbrunnen. Darüber hinaus beklagen die Waldbesitzer enorme Schäden am Fichtenbestand von mehr als 1.000 Festmetern, weil die gestressten Bäume dem Borkenkäfer zum Opfer fielen. Hier jedoch sieht der Geologe Dr. Dirk Brehm keinen Zusammenhang mit der erhöhten Wasserförderung, weil die Wurzeln der »da nicht hingehörenden« Nadelbäume nicht bis zum Grundwasser durchdringen.

Dagegen gibt er die Überförderung zu und räumt ein: »Die Anlagen sind auf Verschleiß gefahren worden«. Auch Volker Kahmann als technischer Leiter des Wasserwerks muss eingestehen, dass »zu viel Zeit vergangen sei und schnelles Handeln erforderlich gewesen wäre«. Mit den betroffenen Brunnenbesitzern werde man sich zeitnah zusammen setzen und nach einvernehmlichen Lösungen suchen, sofern die Beeinträchtigungen ausgleichspflichtig sind.

Am Brunnen Kök soll die filternde Befüllung künftig häufiger ausgetauscht werden, zudem stehen im Wirtschaftsplan 2020 Mittel bereit, um an der Schanze mit einer Neubohrung die erforderlichen Kapazitäten wieder herzustellen, teilte Bürgermeisterin Weike mit. Zusätzlich verringere sich durch die Beimischung des weicheren Wassers aus dem Schanze-Brunnen der Härtegrad des Wertheraner Wassers, wenn alle Entnahmestellen wieder wie vorgesehen fördern können.

Verena Paul-Hambrink, Geschäftsführerin beim Landwirtschaftlichen Kreisverband Gütersloh, stellte kritische Fragen. War die massive Überförderung der Brunnen im Vorfeld nicht absehbar? Ob Gespräche im Vorfeld mit den Betroffenen geführt wurden? Und werde es in den nächsten Jahren weitere Überförderungen geben? Mit den als ausweichend empfundenen Antworten schien das Publikum nicht vollständig einverstanden zu sein.

An alte Gutachten erinnert

Auf längere Sicht rechnen die Geologen dennoch mit einer Verschärfung der Lage. Durch den Klimawandel reduziere sich die Grundwasserneubildung. Dazu hat Dirk Brehm in seiner Bedarfsprognose bis 2048 eine Fehlmenge von 63.500 Kubikmetern pro Jahr errechnet. Als Lösungsansatz schlägt er die Erhöhung des Wasserrechts um 13 Prozent (Kök und Rotingdorf) und die ausreichende Förderung an der Schanze vor. Dennoch steht für ihn fest: »Der Kampf um die wertvolle Ressource Wasser hat begonnen«.

Karsten Steinmann als einer der betroffenen Landwirte möchte sich mit den Erklärungen nicht zufrieden geben. Schließlich habe schon sein Vater Jürgen vor fast 40 Jahren auf die Problematik hingewiesen. In einem Gutachten von Lamprecht/Preul aus dem Jahre 1980 wird die maximale Fördermenge für Kök und Rotingdorf, deren Wasser zur selben Schicht gehört, auf 480.000 Kubikmeter pro Jahr festgelegt. Auch in Bezug auf die geschädigten Fichten ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6434192?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516078%2F
Gesundheitsminister Spahn hat Corona
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich mit dem Coronavirus angesteckt.
Nachrichten-Ticker