Wirtschaftsförderer Pförtner spricht Klartext: »In Werther wird viel zu viel zerredet«
»Werther darf nicht am eigenen Ast sägen«

Werther (WB/kh). Werther hat einige Chancen zu bieten, die derzeit nicht genutzt werden. So lautet das Fazit von Albrecht Pförtner, Geschäftsführer Pro Wirtschaft GT, der beim Kamingespräch im Haus Tiefenstraße zu Gast war.

Freitag, 08.02.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 14:56 Uhr
Willi Rose (links) begrüßt Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der Pro Wirtschaft GT, zum Kamingespräch. Foto: Kathrin Hentschel

40 Besucher hören im Haus Tiefenstraße den von Willi Rose moderierten Vortrag über Werthers Entwicklungschancen in den Bereichen Einzelhandel, Gewerbe und Industrie. »In der Pointierung liegt meiner Meinung nach die Würze«, warnt Pförtner. Mithilfe des rhetorischen Stilmittels erläutert er die Situation des Einzelhandels im Stadtkern: »Wer nicht online ist, existiert nicht.« Dieser Trend sei nicht aufzuhalten. Stationärer Einzelhandel werde es immer schwerer haben, insbesondere in Kleinstädten.

»Werther sollte Flächen für die eigene Industrie vorhalten«

Das Schlagwort dabei sei »Ehrlich miteinander sein«. Man solle nicht so tun, als könne man dieses Problem beheben. Aber es werde auch immer Nischen für tolle Ideen, individuelle Leute und guten Service geben. Die Entwicklung im Bereich Gewerbe habe der Standort hingegen selbst in der Hand. Der Fachmann spricht Klartext: »Werther wird, vor dem Hintergrund der Topografie und der Entfernung zur Autobahn, nie ein Industriestandort werden.« Daher müsse die Stadt alles tun, um die jungen Leute hier zu halten, indem beispielsweise Flächen für die eigene Industrie vorgehalten werden.

Ein gesichertes wohnortnahes Arbeitsplatzangebot sei von besonderer Bedeutung für die Bürger. »Wenn wir die Flächen, die unsere Industrie braucht, nicht zur Verfügung stellen, dann sägen wir an unserem eigenen Ast.« Stichwort sei dabei die Angebotsplanung. Der Ort müsse Angebote für Gewerbeunternehmen bereithalten, ansonsten verliere der Standort Unternehmen, so wie bereits in der Vergangenheit geschehen. »Wie verhält sich eine Kommune zur Ausweisung von Gewerbeflächen – das ist eine politische Entscheidung, deren Ergebnis entscheidend ist«, betont der Geschäftsführer. Das Gewerbegebiet Rodderheide sei ein Anfang, reiche aber noch lange nicht.

Politische Einigkeit ist wichtig für wirtschaftliches Wachstum

»Die Wertheraner Politik entscheidet, ob sie mit ihrer Zustimmung zur Erweiterung die Weichen auf Wachstum stellen will oder nicht. Jetzt ist die Frage, wie man in Zukunft mit dieser Chance umgehen will.« Je größer die politische Einigkeit bei der positiven Bewertung von Wirtschaftsfragen sei, umso besser sei das Klima für wirtschaftliches Wachstum. Wenn eine Stadt bei den Unternehmern den Ruf genieße, dass ihnen dort geholfen werde, sei das natürlich anziehend.

Deutliche Worte fand der Referent auch in Bezug auf jahrelangen Stillstand: »In Werther wird viel zu viel zerredet. Es entsteht der Eindruck, die Stadt habe kein Ziel.« Dabei habe der Ort unendliche Chancen durch die Nähe zu Bielefeld, zur Universität und zur Fachhochschule. Die Verbindung des öffentlichen Personennahverkehrs sei hervorragend, die medizinische Fakultät sei in Zukunft gleich um die Ecke und da sei es doch naheliegend, dass Wohnbauflächen entstehen müsse. Provokativ fragt Pförtner: »Hat Werther Lust auf neue Bürger oder soll die Mauer hoch gebaut werden?«

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