Stadt Werther hat schon 2007 Folgekosten und Verantwortung übernommen
Samstag fällt die Babbel-Linde

Werther (WB). Das Prachtexemplar von einer Linde bekommt seit zehn Jahren sein Gnadenbrot. Jetzt aber ist der Baum an der Ravensberger Straße nicht mehr zu retten. Kommenden Samstag wird er gefällt – und dafür die Straße ganztags gesperrt.

Donnerstag, 07.02.2019, 13:54 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 13:58 Uhr
»Traurig, aber nicht zu ändern.« Die Linde neben dem Modehaus Sudfeld und direkt vor dem denkmalgeschützten Haus von Hartmut Babbel (früher Töppich) wird Samstag gefällt. Foto: Schillig

Hartmut Achterberg, Forst-Sachverständiger aus Werther, hat die Linde vor dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus Nr. 34 immer wieder untersucht, auch mit Schalltomografien regelmäßig die Holzfestigkeit überprüft. »Er ist jetzt ausbegutachtet«, umschreibt der Fachmann das Todesurteil für den Baum, der vermutlich unter einer Pilzerkrankung leidet. Das Alter aber kann auch Achterberg nicht bestimmen. Mehr als 100 Jahre sagen er und Werthers neuer Umweltbeauftragter Ole Hummel. Mehr als 160 Jahre schätzt Sven-David Heidbrink, der im Erdgeschoss seine Physiotherapie-Praxis betreibt. Denn schon auf historischen Fotos von 1920 habe er die Linde als mächtigen Baum gesehen.

Werner Schröder hat sich für den kranken Baum eingesetzt

Inhaber von Haus und Grund ist eigentlich Hartmut Babbel. Schon 2007 aber hat er mit der Stadt Werther, nach engagiertem Einsatz des Umweltbeauftragten Werner Schröder, einen Handel geschlossen, sogar notariell beurkundet. Demnach gehen Verantwortung und Kosten für den Baum an die Stadt über. Die Fällkosten hat Babbel schon damals dafür als Gegenleistung überwiesen. »Die Verantwortung war mir zu groß. Bei alten Bäumen wird man zusehends unsicher, ob nicht doch mal was passieren könnte.«

Zehn Jahre habe Hartmut Achterberg damals dem Baum noch gegeben, erinnert sich Babbel. Schon damals waren Schäden festgestellt worden. Fachgerechter Beschnitt und die regelmäßigen Untersuchungen haben dem Baum tatsächlich diese zehn Jahre Gnadenfrist beschert. Genau diese Zeit habe der Baum noch für Sauerstoff ein gesünderes Mikro-Klima, und weniger Feinstaub gesorgt, würdigt Ole Hummel den Einsatz seines Vorgängers. Jetzt aber sei die Standfestigkeit nicht mehr zu gewährleisten.

Äste und Stamm werden von oben Stück für Stück zurückgeschnitten

Kommenden Samstag wird der Forstbetrieb Michael von Hoff mit Spezialausrüstung, Kran und großen Lkw anrücken, um die Linde von oben Stück für Stück abzutragen. Dafür muss die Ravensberger Straße zwischen Mühlen- und Schloßstraße für den Verkehr gesperrt werden. Zu Fuß sind die Geschäfte aber erreichbar.

Hartmut Babbel wird auch für Ersatz sorgen. Etwas weiter weg von den beiden nahen Gebäuden soll eine junge Eiche gepflanzt werden. Sie ist schon bestellt, mit zwei Metern Stamm plus zwei Metern Krone. Sie wird in die Erde gebracht, sobald am übernächsten Samstag der alte Baumstumpf weggefräst ist.

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