Warum der Edeka-Markt älteren Kunden kostenlos Einkäufe liefert »Das gehört sich so«

Werther (WB). Mag sein, dass junge Leute sich alles mögliche per Internet ins Haus liefern lassen. Erika Fabian greift da eindeutig lieber zum Telefonhörer. Sie weiß: Ein Anruf genügt und schon bald klingelt ein Edeka-Mitarbeiter oder Chefin Martina Engelke-Söhngen persönlich, um der 69-Jährigen Käse, Kiwis oder Kaffeefilter zu bringen.

Von Margit Brand
Marktleiterin Martina Engelke-Söhngen und ihre Mitarbeiterin Sina Bartling (rechts) haben eine Lieferung zusammen gestellt.
Marktleiterin Martina Engelke-Söhngen und ihre Mitarbeiterin Sina Bartling (rechts) haben eine Lieferung zusammen gestellt. Foto: Margit Brand

Für die Senioren ist dieser Lieferservice eine große Hilfe, für die Marktleiterin schlicht etwas, »das sich gehört«. Seit 33 Jahren arbeitet Martina Engelke-Söhngen im Supermarkt an der Alten Bielefelder Straße und kennt entsprechend viele Gesichter. »Ich habe unsere Stammkunden älter und eben auch alt werden sehen«, fühlt sie sich ihnen verbunden. Als die gebürtige Amshauserin den Edeka-Markt Ende 2013 von ihrem bisherigen Chef Jürgen Lewin übernahm, stand für sie schnell fest, Wünsche nach einem Bringdienst fortan zu erfüllen. »Das hat sich nach und nach herumgesprochen«, erzählt die Inhaberin. Zwei Dutzend Kunden geben regelmäßig ihre Bestellung auf. Da wissen schon alle, welche Sorte Erdbeerjoghurt die eine Dame bevorzugt und welche der Herr drei Straßen weiter.

Bezahlen lässt Martina Engelke-Söhngen sich den Service nicht. »Das ist doch ein Geben und Nehmen«, ist die 51-Jährige überzeugt und versteht es als ihren persönlichen Beitrag, die Gesellschaft ein kleines bisschen freundlicher zu machen.

Und das Team greift mit ins Rad. Der Lieferdienst erfordert eine gewisse Professionalität, läuft aber in erster Linie unkompliziert ab. Wenn also im Büro eine Bestellung eingegangen ist, geht ein Kollege durch die Regalreihen, um alles zusammen zu suchen, und anschließend zur Kasse. Und wenn da beispielsweise 37,95 Euro fällig sind, wird mit einem Fünfziger bezahlt – so gibt es gleich Wechselgeld fürs Wechseln später an der Haustür. Vor allem aber gehört zu jeder Lieferung gratis die Antwort auf die Frage »Was gibt es Neues in der Stadt?« und ein paar herzliche Worte. »Das ist manchmal schon eine sehr private Situation«, erzählt Martina Engelke-Söhngen, die auf dem Heimweg nach Häger oft selbst die Auslieferung übernimmt.

Montagmorgens wird die große Runde gefahren. Denn auch Kindergärten und das Johanneswerk an der Gartenstraße nutzen den Service, die Waren an die Haustür gebracht zu bekommen. Da ist der schwarze Kastenwagen schon mal voll. Und dann ist da natürlich noch der Dorfladen Häger, den Martina Engelke-Söhngen wie einen kleinen Außenposten beliefert – Sonderwünsche inklusive. »Der Dorfladen hat inzwischen ein großes Bio-Sortiment«, berichtet sie vom Wandel in den Regalen, die sie regelmäßig bestückt.

Für junge Leute mag einkaufen gelegentlich lästige Notwendigkeit sein, für alte Leute bedeutet es nicht selten ein Stück Lebensqualität. Martina Engelke erzählt von einer alten Dame aus Schröttinghausen, die extra mit dem Bus kommt. Inzwischen kommt sie kurz vor Feierabend. Denn dann gibts einen besonderen »Bring-Dienst: »Ich bringe die Frau mit ihren vollen Taschen nach Hause. Liegt für mich auf dem Weg.«

Seniorin Erika Fabian aus Häger will die Lebensmittel-Lieferungen nicht missen, die Azubi Benni Sedzielewska vorbeibringt.

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