Schüler gestalten ökumenische Gedenkstunde auf dem Jüdischen Friedhof mit Wie auch die junge Generation mitfühlt

Werther (WB). Auf dem Jüdischen Friedhof an der Bergstraße herrscht betroffenes Schweigen. Soeben haben Jannick Speckmann, Nick Schütter Carolin Rother und Johanna Sahrhage von ihren Erlebnissen während der Klassenfahrt nach Polen erzählt, die sie im Frühjahr auch in das schrecklichste aller Nazi-Konzentrationslager führte. Nach Auschwitz.

Eine Erfahrung, die scheinbar einen bleibenden Einruck hinterlassen hat. »Alle 180 Schüler haben wichtige Erkenntnisse gewonnen. Den Holocaust hat es wirklich gegeben. So etwas darf nie wieder passieren«, sagt Nick Schütter (11. Jahrgangsstufe).

Geschichte der Juden aus Werther soll nie vergessen werden

Zur alljährlichen Gedenkstunde auf dem Jüdischen Friedhof versammeln sich am Sonntagvormittag zahlreiche Bürger und verfolgen zunächst, wie Dietrich Thomas von der evangelischen- und Jürgen Schnack von der katholischen Kirchengemeinde sowie Vertreter der Stadt Kränze niederlegen.

Anschließend ergreift Presbyterin Sigrid Ellerbrake das Wort und zitiert den einstigen Vorsitzenden des Auschwitz-Komitees, Noach Flug. »Die Erinnerung ist wie Wasser. Sie ist lebensnotwendig und sucht sich immer ihren Weg«, sagt sie und fügt hinzu: »Wir gedenken heute der Menschen, die systematisch ausgegrenzt, deportiert und später auch ermordet worden sind. Darunter auch Erwachsene und Kinder aus Werther. Mit dieser Gedenkstunde wollen wir dazu beitragen, dass ihre Geschichte nie vergessen wird.«

Gesamtschüler sind von ihren Eindrücken in Auschwitz stark bewegt

Nach einem Musikbeitrag des Posaunenchores Langenheide sind die Schüler der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule an der Reihe. Mit trauriger Stimme beginnen sie mit den Erzählungen von ihrer mehrtägigen Klassenfahrt im März diesen Jahres, die sie nach Krakau führte. Am ersten Tag besichtigten die Schüler die bekannte Emailwaren-Fabrik von Oskar Schindler, die viele bereits aus Steven Spielbergs Film »Schindler Liste« kennen. Die Geschichte des Deutschen, der etwa 1200 Juden das Leben rettete, war für die Schüler sehr ergreifend. Genauso wie der Besuch der teilweise noch intakten Ghettomauern. »Die Mauer sah aus wie aneinandergereihte Grabsteine«, erinnert sich Nick Schütter.

Am nächsten Tag ging es für die Schüler in das Auschwitz-Stammlager, wo sie den zynischen Schriftzug »Arbeit macht frei« sahen. »Ein äußerst komisches Gefühl. Als wir dann noch die Todesblöcke und die Todeswand für die Erschießungen sahen, wurde uns deutlich, wie wahr das alles war«, erzählt Johanna Sahrhage. Auschwitz-Birkenau mit seinen Krematorien und dem Selektionsplatz an den Gleisen wurde von den Schülern ebenfalls besichtigt und vertiefte das beklemmende Gefühl der Heranwachsenden. Am Abend kamen die Schüler dann noch einmal mit den Lehrkräften zusammen, um das Gesehene gemeinsam zu verarbeiten und darüber zu sprechen.

Der Kantor der Jüdischen Gemeinde Bielefeld, Yuval Adam, bedankt sich am Sonntag herzlich bei den vier Schülern für ihren eindrucksvollen Vortrag und stimmt kurz darauf das jüdische Lied »Gebet zum Gedenken« an, bevor er das Kaddisch-Gebet spricht und sich bei den Anwesenden für ihre Teilnahme an der Gedenkfeier bedankt.

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