Ungewöhnlicher Hocker aus der Möbelmanufaktur Werther macht Furore Der »Zipfel« ist der Gipfel

Werther-Häger (WB). Manchmal bringt ein kleiner Zipfel etwas Großes hervor – man muss ihn nur ergreifen. Im Falle der Möbelmanufaktur Werther war dieser »Zipfel« ein gerade einmal wenige Zentimeter hohes Mini-Modell eines Hockers, den ein Designer zurück gelassen hatte. In Echtgröße hat dieses Möbelstück inzwischen etwas hervorgebracht, was die Hägeraner Firma in fast 100 Jahren nicht erlebt hat.

Von Margit Brand
In drei Größen und mit verschiedensten Bezügen haben Tim Oberwelland und seine Schwester Lea den »Zipfel« im Angebot.
In drei Größen und mit verschiedensten Bezügen haben Tim Oberwelland und seine Schwester Lea den »Zipfel« im Angebot. Foto: Margit Brand

Juniorchef Tim Oberwelland staunt selbst. Zum ersten Mal gibt es im Hause so etwas wie ein Produktlager. Üblicherweise gehen die Handwerker erst ans Werk, wenn ein Kunde im Möbelhaus ein exklusives Sofa oder eine Esszimmer-Garnitur ausgewählt hat. Nun aber wird in Häger regelmäßig ganze Tage »gezipfelt«. Nicht nur auf Bestellung, sondern auch auf Vorrat werden die Hocker gefertigt. Die Nachfrage ist hoch.

Für Garten und Konzertsaal

Denn der gepolsterte Rundling mit den markanten »Ohren«, die ihn bequem und praktisch zugleich machen, erobert ein neues Marktsegment. Händler bieten ihn bei »Landpartien« an oder Lifestyle-Messen. Dass »Zipfel« auch im »Schöne Dinge«-Laden Massmann in Werther zu haben sind, ist mehr als nur eine lokale Besonderheit. »Unsere ›Zipfel‹ stehen inzwischen auch in Goldschmieden oder Kosmetikstudios. Selbst einen Konzertsaal haben wir schon ›bezipfelt‹«, erzählt Tim Oberwelland. Und immer neue Aufträge gehen ein.

In einer Manufaktur von »Massenprodukt« zu sprechen, ist natürlich relativ. Zumal Familie Oberwelland – auch Tochter Lea ist vor einigen Wochen nach erfolgreichem Abschluss ihres BWL-Masterstudiums mit ins Geschäft eingestiegen – sich bewusst dagegen entschieden hat, die ganz großen (Online-)Verkaufskanäle zu öffnen. Entsprechende Anfragen gebe es.

Aus gutem Hause

»Doch wir bleiben beim Vertrieb über den qualifizierten Fachhandel«, sagt Tim Oberwelland. Der »Zipfel« kommt aus gutem Hause, und das soll der Kunde (sich) merken. Als Markenbotschafter für »Werther«-Möbel leistet er große Dienste. »Manch einer hat noch ein Bild von gediegenen Sesseln im Kopf, wenn er unseren Namen hört. Mit diesem Image räumt der ›Zipfel‹ auf«, freut sich der Juniorchef.

Aber warum hat das Unternehmen den »Zipfel« vor einem Jahr überhaupt ergriffen? Schließlich ist der Hocker ohne Zweifel ein Exot im Portfolio der Manufaktur. Tatsächlich habe der Mini-Hocker von Designer Jan Armgardt zunächst über Wochen auf dem Schreibtisch seines Vaters »herumgestanden«, räumt Tim Oberwelland ein. So lange, bis unpassende Holzschemel in der Einrichtung einer Ferienwohnung die Frage aufwarf: Womöglich gibt es doch Bedarf für optisch ansprechende, federleichte Hocker?

Verkaufsschlager in Köln

Zur Hausmesse im September 2016 wurden fünf Test-»Zipfel« gefertigt. Vertreter klemmten sie sich unter den Arm – und hatten bald die ersten 150 Platzierungen in Möbelhäusern unter Dach und Fach. Bei der Möbelmesse in Köln wurde »der Neue« zum Verkaufsschlager. Bis Jahresende, so rechnet Tim Oberwelland hoch, dürften 5000 Exemplare verkauft sein.

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