»Festkönig« als Notlösung: Schützenverein Werther findet erneut keine Thronanwärter Majestät für ein Wochenende

Werther (bec/mat). Für den Wertheraner Schützenverein beginnt eine Zeit des Umbruchs. Denn zum zweiten Mal in Folge fand sich auch an diesem Wochenende niemand, der sich die Königskrone aufsetzen wollte. Schützenoberst Ralf Biermann ersann relativ spontan die Idee des »Festkönigs« – womöglich ein Amt, das das schwächelnde Schützenwesen in die Zukunft trägt.

Ulrike und Ralf Biermann, die amtierende Bierkönigin Anette Detering, Herbert und Christa Barz (von links) haben am Ende auf den Rumpf des Adlers gezielt, ohne Schützenkönig werden zu wollen. Als er fiel, war klar: Ralf Biermann ist Festkönig.      
Ulrike und Ralf Biermann, die amtierende Bierkönigin Anette Detering, Herbert und Christa Barz (von links) haben am Ende auf den Rumpf des Adlers gezielt, ohne Schützenkönig werden zu wollen. Als er fiel, war klar: Ralf Biermann ist Festkönig.       Foto: Sara Mattana

Dass Biermann am Samstag selbst zum »Festkönig« wurde, ist dann aber dem Zufall zuzuschreiben. Und das kam so: Nachdem der hölzerne Adler am Hochstand kräftig Federn gelassen und der Insignien beraubt war, hing nur noch der Rumpf, den keiner wollte. Kein würdiges Ende für einen so traditionsreichen Wettbewerb, befand Biermann. Spontan rief er eine improvisierte Vorstandssitzung ein.

»Adlerschießen soll Spaß machen«

»Ein Adlerschießen gehört zu einem Schützenfest dazu. Die Frage ist nur, was man daraus macht. Es soll ja schließlich Spaß machen«, erläutert er im WB-Gespräch seine Gedanken. So erklärten sich am Ende Ralf und Ulrike Biermann sowie Herbert und Christa Barz bereit, den Rumpf im Wettkampf runter zu holen, um anschließend Festkönig(in) zu sein. Als »Majestät für ein Wochenende« bleibt Biermann, bei dem das letzte Teil schließlich fiel, ohne Königin und andere Thronmitglieder.

Lediglich die Insignienschützen (Dieter Wagenführ/Krone, Herbert Barz/Apfel und linke Kralle Sophia Brinkkötter/Zepter und rechte Kralle, Jürgen von Morsey-Picard/rechter Flügel, Ricardo Schlothage/linker Flügel) dienten ihm am Sonntag als Begleiter, als er am zweiten Schützenfesttag 120 Gäste der befreundeten Vereine aus Bad Meinberg, Dornberg, Borgholzhausen und Halle begrüßte.

Nachdenken über die Zukunft

Die Gegenbesuche des Wertheraner Vereins (rund 85 Mitglieder) – sei es bei Schützenfesten oder Winterbällen – werde es selbstverständlich wie gewohnt geben. »Nur eben ohne Amtskette und Krönchen oder andere Repräsentationspflichten«, verdeutlichte Biermann. Er will sich in Kürze mit seinen Vorstandskollegen beraten. »Wir sollten immer die realistischen Fakten sehen und uns möglicherweise von Althergebrachtem trennen, ohne gänzlich mit der Tradition zu brechen«, meint er. Es werde schließlich – nicht nur in Werther – immer schwieriger, Majestäten für eine zweijährige Amtszeit zu gewinnen.

Der ungeplante Weg zur Proklamation hinderte die Wertheraner Schützen und ihre Gäste am Wochenende nicht, begleitet von den Klängen der Kapelle Wiltmann ordentlich zu feiern. Außerdem nutzte der Verein die Gelegenheit, seine besten Schützen zu ehren. Heinz Kowitzke gewann mit 99 Ringen die Bronzenadel und Dieter Wagenführ den Glückspokal 7x7, während Annegret Tantow sowie Dieter Wagenführ und Ricardo Schlothage als Vereinsmeister ausgezeichnet wurden.

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