Museum in Werther wird 2018 eröffnet – drei spektakuläre Ausstellungen geplant Böckstiegel kommt groß raus

Werther (WB). Dem Meister und Namensgeber gebührt der Vortritt: Wenn zu Peter August Böckstiegels 129. Geburtstag am 7. April 2018 sein Museum in Werther öffnet, wird dem 1951 gestorbenen Maler die erste große Ausstellung gewidmet. Drei weitere Ausstellungen für die Jahre 2018 und 2019 sind bereits in Planung.

Von Klaus-Peter Schillig
Museumsleiter David Riedel vor einem seiner Böckstiegel-Favoriten mit dem Titel »Golberode bei Dresden«.
Museumsleiter David Riedel vor einem seiner Böckstiegel-Favoriten mit dem Titel »Golberode bei Dresden«. Foto: Klaus-Peter Schillig

Die Fläche vor Böckstiegels kleinem roten Geburtshaus an der Schloßstraße im Ortsteil Arrode hat bis ins vergangene Jahrhundert die ganze Familie Böckstiegel ernährt. Heute liegt dort der Rohbau des Museums wie ein Findling auf dem Feld.

Und »ackern« wird hier künftig David Riedel (35): Der Kunsthistoriker und künstlerische Leiter des Museums kann derzeit im Böckstiegel-Haus nur einen kleinen Bruchteil aus dem Nachlass des Expressionisten zeigen. Künftig aber zieht das Depot mit knapp 1300 eigenen Gemälden, Radierungen, Zeichnungen und Skulpturen sowie 500 Werken aus der Kunstsammlung Böckstiegels von Gütersloh ins Untergeschoss des neuen Museums um, das im Erdgeschoss 350 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet.

Leihgaben, die noch nie gezeigt wurden

Riedel bestellt bereits das Feld, das von 2018 an künstlerische Früchte tragen soll. Die Eröffnungsausstellung wird mit herausragenden Werken Böckstiegels bestritten, darunter Leihgaben aus Privatbesitz und Bilder, die noch nie gezeigt wurden.

In diesem kühnen Gebäude soll ab 2018 Böckstiegel gewürdigt werden. Foto: dpa

Vom 21. Juli bis zum 14. Oktober 2018 wird der Kreis etwas weiter gezogen. Riedel kann sich im Fundus des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster bedienen und will daraus eine Schau zusammenstellen, die auf die drei künftigen Schwerpunkte der Wertheraner Museumsarbeit vorausblickt: auf die künstlerische Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bielefeld (Böckstiegel, Victor Tuxhorn, Hermann Stenner), auf die Künstler im weiteren Westfalen (Wilhelm Morgner, Christian Rohlfs) sowie auf ihre Vorbilder, die Expressionisten der Künstlervereinigungen »Brücke«, »Blauer Reiter«, außerdem Ernst Barlach und Max Beckmann.

Die dritte Ausstellung von Oktober 2018 bis Januar 2019 rückt einen Bielefelder Kulturpreisträger in den Mittelpunkt: den Bildhauer, Maler und Zeichner Wilhelm Heiner (1902-1965). Riedel will 80 Werke aus dem Nachlass des vielseitigen Künstlers sowie aus öffentlichen und privaten Sammlungen zeigen. Heiner hat in Bielefeld auch Kunst im öffentlichen Raum hinterlassen, drei Kirchenfenster in St. Jodokus beispielsweise und die modernen Glasfenster in der Neuen Kapelle des Sennefriedhofs.

Böckstiegel auf Reisen

Außerdem ist er der Designer der bekannten Dr.-Oetker-Rührschüssel von 1961. »Zu Heiner hat es seit 1966 keine umfassende Ausstellung mehr gegeben«, sagt Riedel, der Nachholbedarf sieht. Deshalb auch gibt es eine Kooperation mit dem Herforder Kunstverein, denn die Ausstellung zieht weiter von Werther an die Werre.

Das wiederum ist nur ein Strang der künftigen engen Vernetzung mit anderen Museen, die in Arrode angestrebt wird: Böckstiegel soll in den kommenden Jahren mehrfach auf Reisen gehen. Von Juni bis Oktober 2018 wird er im Städtischen Museum und in der Städtischen Galerie Paderborn gezeigt, 2019 ist der »Expressionist zwischen Westfalen und Dresden« erst in Apolda (Thüringen), dann in Passau zu sehen.

Natürlich wird Böckstiegel in Werther beheimatet sein. »Und wenn ich nicht Böckstiegel zeige, dann Künstler aus seiner Sammlung«, sagt Riedel. Denn der Wertheraner Maler leistete sich schon damals teure Werke seines Vorbilds Ernst Barlach, und auch sein Schwager Konrad Felixmüller ist reichlich vertreten.

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