Bürgermeister Michael Meyer-Hermann (CDU) beschreibt Aufgaben im Jahr 2020
Wie Versmold attraktiver werden will

Versmold(WB). Wie gestalte ich eine Innenstadt, so dass sie insgesamt attraktiver für Besucher wird? Wie stärke ich den stationären Einzelhandel vor Ort, damit dieser sich zum Beispiel durch eine bessere Aufenthaltsqualität in der Stadt im Daseinskampf gegen die Online-Konkurrenz besser wappnen kann? Und wie gestalte ich öffentliche (Verkehrs-)Räume, damit Radfahrer und Fußgänger, aber auch insbesondere ältere Menschen, die zum Beispiel auf einen Rollator angewiesen sind, barrierefrei im Alltag besser zurecht kommen?

Dienstag, 21.01.2020, 05:00 Uhr
Noch ist der Vorplatz des Versmolder Rathauses eine große Baustelle, voraussichtlich im März soll sie fertiggestellt sein. Links im Bild sind bereits die Grundzüge eines künftigen Brunnens zu sehen. Insgesamt soll die Aufenthaltsqualität deutlich erhöht werden. Foto: Küppers

 

„Umbau aus einem Guss“

Die Stadt Versmold hat sich zu all diesen Fragen Gedanken gemacht. Und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann (CDU) ist davon überzeugt, dass das aktuell laufende Bauprogramm in der Versmolder Innenstadt einige überzeugende Antworten liefern wird. Im Moment allerdings sind die Baustellen noch ein Problem in der Versmolder Innenstadt und die Besucher können die künftige Gestaltung allenfalls erahnen. „Unsere Innenstadt ist nicht mehr zeitgemäß, gerade auch was die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung angeht. Und das, was nun neu gestaltet wird, soll aus einem Guss erfolgen“, sagt Michael Meyer-Hermann. Ein Kirschblütenband ist da nur ein Element. Voran gegangen war ein Gestaltungswettbewerb mit zwei Handvoll verschiedenen Entwürfen. Besonders freut sich der Bürgermeister auf die Gestaltung des Vorplatzes am Rathaus. Hier wird ein begehbarer Brunnen, wo zum Beispiel Kinder zwischen den sprudelnden Wasserfontänen laufen können, das bestimmende Element sein. Drumherum werden die bisherigen Stufen und Barrieren beseitigt, sodass der Zugang zum Rathaus für Gehbehinderte deutlich angenehmer wird. Und nicht nur bei Innenstadtfesten soll der Rathaus-Vorplatz durch geschickt eingebaute Sitzmöglichkeiten eine höhere Aufenthaltsqualität gewinnen. Bis März soll diese Baustelle abgeschlossen sein.

Etwa sieben Millionen Euro sollen insgesamt in der Versmolder Innenstadt investiert werden, worin allerdings auch Sanierungsmittel für die Stadtbibliothek mit eingerechnet sind. Nach Erstellung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) hat Versmold die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, bis zu 60 Prozent Städtebauförderungsmittel für die erste größere Neugestaltung seit 35 Jahren zu erlangen. Vom Rathaus bis zum Kirchplatz soll der Umbau noch dieses Jahr angegangen werden, es folgen weitere Abschnitte am Marktplatz (Schweinebrunnen) in 2021 sowie entlang der Ravensberger Straße in 2022.

„Es wird mehr Platz für Fußgänger geben. Aber wir achten darauf, dass die Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmer vernünftig erreichbar bleibt und keine Parkplätze groß wegfallen“, betont der Bürgermeister. Insgesamt sieht er den Einzelhandel in Versmold im Vergleich zu anderen Städten noch ganz gut aufgestellt. Die Insellage habe Vorteile. Aber man müsse auch etwas tun und dürfe sich keinen Illusionen hingeben.

 

Bauplätze heiß begehrt

Ein wichtiger Punkt der Versmolder Infrastruktur bleibt die Bereitstellung von Bauplätzen. Am Hohlweg in Versmold sind zahlreiche der 30 städtischen Bauplätze bereits vergeben, weshalb hier laut Meyer-Hermann ein weiterer Bauabschnitt mit nochmals 30 Grundstücken geplant werde. Doch auch hierfür gebe es schon um die 60 Bauinteressenten. Ansonsten sei auch die Klimaschutzsiedlung im kleinen Ortsteil Bockhorst dank der nahen A33 stark nachgefragt. Von einst 18 Grundstücken (99 Euro je Quadratmeter erschlossen) seien nur drei noch nicht vergeben, informiert der Bürgermeister. Die vielen Zuzüge sind für ihn ein Zeichen für die Stärke der Region. Er ist aber auch froh, dass die demografischen Prognosen vor einigen Jahren, die ein Schrumpfen der Bevölkerung vorher gesehen hatten, so nicht eingetreten sind.

 

Schulen laufen stabiler

Und so ist der Versmolder Bürgermeister mit Blick auf die nächsten Jahre zuversichtlich in Sachen Schulentwicklung. Alle fünf Grundschul-Standorte seien stabil und nicht gefährdet. Und im weiterführenden Bereich habe sich die CJD-Sekundarschule auch durch Überzeugungsarbeit den Eltern gegenüber in den letzten zwei bis drei Jahren gut entwickelt, meint Meyer-Hermann. „Der erste Abschlussjahrgang ist fertig und die Eltern sehen, wie viele Abgänger den Q-Vermerk für den Besuch einer gymnasialen Oberstufe schaffen“, stellt der Bürgermeister fest. Wichtig ist ihm, dass möglichst viele Kinder in Versmold beschult werden und weniger den Weg beispielsweise zur PAB-Kreisgesamtschule in Borgholzhausen suchen. Bislang seien es umgerechnet zwei Schulklassen, die Schulen außerhalb von Versmold besuchen.

 

Neue Gewerbeflächen nötig

Im Wirtschaftsbereich sieht Michael Meyer-Hermann die Notwendigkeit, den viel diskutierten dritten Bauabschnitt im interkommunalen Gewerbegebiet Borgholzhausen/Versmold (IBV) perspektivisch zu entwickeln. In Versmold-Stadt seien nur noch ganz geringfügige Erweiterungen möglich. Drei Flächen davon seien bereits Firmen zugesagt. „Ansonsten habe ich in Versmold nichts mehr zu bieten“, sagt der Bürgermeister. Und generell sei es eben sehr sinnvoll, Industriebetriebe nicht in der Stadt, sondern in der Nähe der Autobahn anzusiedeln. 2022 oder 2023 erwartet er den fertigen Regionalplan, um mit den örtlichen Planungen konkreter werden zu können. Denn angesichts des Wandels in der Fleischindustrie, die einen großen Beitrag zu den insgesamt 9230 Arbeitsplätzen in Versmold leistet, sieht Meyer-Hermann eine „herausfordernde Situation“, um die wirtschaftliche Stärke Versmolds auch nach einem Transformationsprozess zu bewahren.

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