Bundeskartellamt gibt grünes Licht für geplanten Zusammenschluss
Die Fleisch- und Wurstwarenhersteller Kemper und Reinert dürfen fusionieren

Versmold/Nortrup (WB). Die Fleisch- und Wurstwarenhersteller Reinert aus Versmold und Kemper aus Nortrup (Landkreis Osnabrück) haben am Mittwoch vom Bundeskartellamt grünes Licht für ihre geplante Fusion erhalten.

Mittwoch, 20.11.2019, 11:08 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 11:10 Uhr
Symbolbild. Foto: Oliver Schwabe

Nach der Freigabe bilden die ostwestfälische Privat-Fleischerei Reinert und der ebenfalls inhabergeführte Wettbewerber aus Niedersachsen künftig ein Gemeinschaftsunternehmen unter dem Namen »The Family Butchers«.

Zweitgrößter Hersteller von Fleisch- und Wurstwaren entsteht

Durch den Zusammenschluss der beiden Mittelständler entsteht (wie berichtet) in mehreren Produktkategorien der zweitgrößte Hersteller von Fleisch- und Wurstwaren in Deutschland. Marktführer ist den Angaben zufolge in vielen Bereichen die Tönnies-Gruppe aus Rheda-Wiedenbrück , die darüber hinaus auch über eigene Schlachthöfe verfügt.

Kartellamts-Präsident Mundt: noch hinreichende Alternativen

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: »Auch nach der Fusion gibt es für Abnehmer und Lieferanten noch hinreichende Alternativen. Trotz der seit einigen Jahren fortschreitenden Konzentration der Branche gibt es in Deutschland weiterhin eine ganze Reihe mittelständischer Fleisch- und Wurstwarenhersteller. Die gemeinsamen Marktanteile von Kemper und Reinert sind auf den verschiedenen Märkten der Fleischverarbeitung nicht höher als zehn bis 20 Prozent. Die Lebensmitteleinzelhandelskonzerne verfügen außerdem über eine hohe Nachfragemacht und haben zum Teil auch eigene Fleischwerke.«

Stark in Teilmärkten gekochte Fleischwaren und Aspik/Sülze

Die Reinert-Gruppe ist ebenso wie die Kemper-Gruppe in der Herstellung und dem Vertrieb von verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren tätig. Beide Unternehmen betreiben keine eigenen Schlachthöfe oder Zerlegebetriebe. Die Reinert-Gruppe erzielte laut der Mitteilung des Bundeskartellamts im Geschäftsjahr 2018 in der EU rund 300 Millionen Euro Umsätze, in Deutschland etwa 194 Millionen Euro, die Kemper-Gruppe 2018 in der EU rund 415 Millionen Euro Umsätze, in Deutschland etwa 330 Millionen. Euro.

Besonders stark sind die Zusammenschlussbeteiligten in den Teilmärkten gekochte Fleischwaren sowie Aspik/Sülze aus Geflügelfleisch. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Rohwurst-Herstellung. In der Fleischverarbeitungsbranche, insbesondere im Bereich der Wurstherstellung, gibt es Überkapazitäten, die – verbunden mit dem Rückgang der Nachfrage nach Fleischprodukten – zu einem hohen Wettbewerbsdruck führen.

Hohe Nachfragemacht

Die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels verfügen über eine hohe Nachfragemacht und haben wie Edeka, Rewe und Kaufland zum Teil eigene Fleischwerke. Auch das neue Gemeinschaftsunternehmen liegt auf zahlreichen Märkten hinter dem Marktführer Tönnies, der auf der gesamten Wertschöpfungskette tätig ist. Hinzu kommt, dass es in Deutschland weiterhin eine Reihe größerer mittelständischer Fleisch- und Wurstwarenhersteller gibt, die sich auf bestimmte Marktsegmente spezialisiert haben.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7078474?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516082%2F
Lage am See entspannt sich
Weniger Betrieb war am Sonntag in Godelheim. Foto: Frank Spiegel
Nachrichten-Ticker