Partnerschaftsjubiläum: Wie Dobczyce und Versmold Freunde wurden
25 Jahre »Verczyce«

Versmold (WB). Anknüpfungspunkte gab es anfangs keine: Doch aus Fremdheit entwickelte sich Freundschaft. Und so feiern Versmold und Dobczyce an diesem Samstag 25-jähriges Partnerschaftsjubiläum.

Samstag, 05.10.2019, 06:08 Uhr aktualisiert: 05.10.2019, 06:30 Uhr

Erste Reaktionen »mehr als verhalten«

»Es gibt immer wieder Phasen, in denen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen solche Städtepartnerschaften fördern«, sagt der Historiker Dr. Rolf Westheider. Als Stadtarchivar hat er den Beginn der Partnerschaft hautnah miterlebt. Erste Reaktionen bezeichnet er als »mehr als verhalten«, von Begeisterung sei keine Rede gewesen. Zur mehr als 1.000 Kilometer entfernten polnischen Stadt in der Nähe von Krakau gab keinerlei Anknüpfungspunkte.

Aus Distanz und Fremdheit entwickelte sich echte Freundschaft

Den Kontakten vorausgegangen war eine Anfrage bei der Städte- und Gemeindedirektorenkonferenz des Kreises Gütersloh, mit der die polnische Seite ihr Interesse an einer Partnerschaft bekundete. Natürlich habe das Ende des Kalten Krieges und politisches Tauwetter zwischen Ost und West derartige Partnerschaften erst möglich gemacht, so Westheider.

»Das große Glück des Menschen ist die Freundschaft, die man stärken soll« schrieb der damalige Bürgermeister von Dobczyce, Marcin Pawlak, am 4. September 1994 ins Versmolder Gästebuch. Vorausgegangen waren zwei Jahre zuvor erste Kontakte von Versmold aus. Am 7. Juni 1995 brach erstmals eine 38-köpfige Delegation zu einem fünftägigen Gegenbesuch nach Dobczyce auf. Unter anderem pflanzten die Teilnehmer damals eine vom Heimatverein gestiftete Eiche vor dem örtlichen Kindergarten.

Rolf Westheider erinnert sich

Die den Baum pflegenden Kinder sollten zugleich in die Städtepartnerschaft hinein wachsen, so erinnert sich Rolf Westheider als Augenzeuge. Von Anfang an war die Beziehung nicht nur für politische Eliten konzipiert. Über Schulen und Kindergärten, Musikgruppen und Sportvereine, Institutionen wie die Feuerwehr und Betriebe sollte das anfangs aufgrund des Krieges nicht unproblematische Verhältnis verbürgerlicht und demokratisiert werden.

Deutsch-polnische Freundeskreise

Es bildeten sich in beiden Kommunen deutsch-polnische Freundeskreise, dank der »Brücke der Freundschaft« finden alljährlich die inzwischen traditionellen Fahrten zur Partnergemeinde statt. Meist im Mai besuchen die Versmolder Dobczyce, im Oktober erfolgt in der Regel der Gegenbesuch. Regelmäßig wird zudem ein Schüleraustausch unter dem bezeichnenden und verbindenden Motto »Verczyce« statt.

Bemerkenswerte Rede

Die erste offizielle Dienstreise führte den frisch gekürten Bürgermeister Michael Meyer-Hermann 2014 nach Dobczyce. In einer bemerkenswerten Rede bekannte er sich ohne Wenn und Aber zu den Zielen der Städtepartnerschaft. Von Anfang an wurde die Städtepartnerschaft in die Hände junger Leute gelegt. »Die Verwaltung kann die Brücke herstellen, gelebt werden muss es von der Bevölkerung«, betont Jennifer Oldach, Pressesprecherin und Beauftragte für Städtepartnerschaften in Versmold.

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