Wanderausstellung im Versmolder Rathaus eröffnet
300 Jahre Stadtgeschichte spannend erzählt

Versmold (WB/jog). »Als Landeshistoriker stehe ich Ortsjubiläen eher skeptisch gegenüber«, sagt Dr. Christof Spannhoff in seiner Festrede. Dennoch: »Mit Stolz und Recht dürfen die ältesten Akzise-Städte ihr gemeinsames Jubiläum feiern, schließlich handelt es sich dabei um einen ganz eigenen Städtetyp, der nur im preußischen Westfalen vorkommt«.

Montag, 06.05.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 12:30 Uhr
Dr. Ulrich Andermann (historischer Verein Ravensberg), Dr. Rolf Westheider, Michael Meyer Hermann und Landeshistoriker Dr. Christof Spannhoff (v.l.) eröffneten die Ausstellung. Foto: Gerhards

Rund 60 Besucher haben sich im Versmolder Rathaus versammelt, um einer »Weltpremiere« beizuwohnen, wie es Bürgermeister Michael Meyer-Hermann formuliert. Die auf Initiative der Stadt Versmold zustande gekommene Wanderausstellung »300 Jahre Stadtrechte« bezeichnet er als »imposantes, einzigartiges interkommunales Projekt« der acht beteiligten Kommunen. Jede Stadt präsentiert ihre Besonderheiten auf einer 2 mal 2,50 Meter großen Roll-Up-Wand. Dazu kommen Tafeln mit allgemeinen Hintergrundinformationen aus der Zeit des frühen 18. Jahrhunderts.

Ausstellung ist später auch in Borgholzhausen, Werther und Halle zu sehen

»Ausnahmsweise ist die vorherrschende Hintergrundfarbe nicht sparrenrot sondern preußisch blau«, führt Dr. Rolf Westheider in die Thematik ein. Das Material aus historischen Abbildungen, aktuellen Karten und statistischen Angaben werde sich bald in einer Unterrichtsreihe für die Sekundarstufe 1 niederschlagen, die an der Universität Bielefeld derzeit vorbereitet werde. In diesem Zusammenhang spricht er eine Einladung an alle Schulen der Region aus, die Ausstellung bis zum 21. Juni in Versmold zu besuchen. Danach zieht sie weiter durch die Rathäuser von Borgholzhausen (28.6. – 9.8.) und Werther (23.8. – 27.9.), bzw. das Foyer der Sparkasse in Halle (ab 3.10.).

Ohne die Mitwirkung des historischen Vereins der Grafschaft Ravensberg, des LWL-Netzwerks Preußen in Westfalen und der finanziellen Unterstützung in Höhe von 6000 Euro vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft wäre die Ausstellung nicht zustande gekommen. Besonders die wissenschaftliche Begleitung Sebastian Schröders vom Institut für vergleichende Stadtgeschichte Münster, hebt Westheider hervor. Hier ist seit 2013 auch Dr. Christof Spannhoff beschäftigt, der unlängst mit dem LWL-Preis für westfälische Landeskunde ausgezeichnet wurde.

In erster Linie sollte die Kasse des »Soldatenkönigs« gefüllt werden

Detailliert und unterhaltsam schildert Spannhoff die Vorgänge im Jahre 1719 und zeichnet ein einprägsames Bild der damaligen gesellschaftlichen Situation. Dass die Einführung der Stadtgerechtigkeit in erster Linie die Kassen des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. füllen sollte, darf inzwischen als bekannt vorausgesetzt werden. Die neuen Städte kommen aber erst 24 Jahre später in den Genuss von Zuwendungen aus dem Akzisetopf, ergänzt der Historiker. Zuvor gingen sämtliche Einnahmen an die preußische Kriegs- und Domänenkammer.

Keinesfalls wurde die Einführung der Akzise in allen Orten widerstandslos hingenommen. Zahlreiche Amtmänner verloren durch den Umbau der Verwaltungsstrukturen Geld und Kompetenzen. Die mehr als 200 unterschiedlichen Abgabesätze boten gewieften Zeitgenossen genügend Gelegenheit zur Steuerhinterziehung durch Schmuggel. Die beeindruckende Ausstellung zeigt, dass Geschichte sehr wohl populär und wissenschaftlich aufgearbeitet werden kann.

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