23-jähriger Versmolder kommt mit seiner Berufung am Landgericht nicht durch
Es bleibt bei Haftstrafe für Brandstifter

Versmold (WB/jog). Im März und April des vergangenen Jahres kam es in Versmold zu einer Serie von Brandstiftungen. Menschen wurden nicht verletzt, es entstand allerdings zum Teil erheblicher Sachschaden an einer Lagerhalle (Versicherungssumme 500.000 Euro) und einem damals unbewohnten Mehrfamilienhaus (ca. 60.000 Euro).

Freitag, 01.03.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 08:44 Uhr
Allein bei diesem Brand einer Lagerhalle in Versmold entstand im März 2018 ein Schaden von 500,000 Euro. Foto: Genuit-Thiessen

Am 13. April hat sich der 23-jährige Florian R. auf der Versmolder Polizeiwache gestellt und die Taten eingeräumt. Er wurde umgehend in Untersuchungshaft genommen und am 19. September 2018 vom Amtsgericht Bielefeld zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht hatte jetzt über seine Berufung gegen das Strafmaß zu entscheiden.

16-jähriger Bruder auf Bewährung verurteilt

Zum Teil war auch der 16-jährige Bruder des Beschuldigten an den Brandstiftungen beteiligt, dieser wurde zu einer dreijährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Angeklagte nannte nicht zuletzt diese vergleichsweise milde Strafe als Grund für seinen Berufungsantrag. Offenbar wollte er dem jüngeren Bruder nacheifern. »Wenn der das mit 16 Jahren kann, warum kriege ich das mit 23 nicht hin«, so erläuterte er vor Gericht seine Beweggründe. Zudem hätten die Brände ihn magisch angezogen, wie eine Sucht.

Carsten Nabel als Vorsitzender der dritten Großen Jugendkammer erklärte dem Angeklagten zunächst die Besonderheit des Jugendstrafrechtes, wo es in erster Linie um Erziehung und weniger um Strafe gehe. »Sie als der Erwachsene hätten die Pflicht gehabt, rechtzeitig auf die Bremse zu treten«, sagte er und wies im Übrigen darauf hin, dass die Täter sehr vehement und hartnäckig vorgegangen seien und verschiedene Brandbeschleuniger benutzt hätten. Die schweren Brände waren hochgefährlich und haben erheblichen Sachschaden in Millionenhöhe verursacht.

Insgesamt hatte das Gericht zehn Brandstiftungen zu beurteilen

Darüber hinaus brachte er eine psychiatrische Begutachtung ins Spiel, was im schlimmsten Fall eine Unterbringung im Maßregelvollzug ohne Begrenzung nach sich ziehen könnte. In Anbetracht der Tatsache, dass der Angeklagte seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft sitze, solle er doch lieber sein künftiges Leben planen und einen Neustart vorbereiten.

Zugute halten wolle er ihm, dass er sich letztlich gestellt und damit auch einen Schlussstrich unter die Brandserie gezogen habe. Gemeinsam mit der gesetzlichen Betreuerin möge er an seiner Zukunft arbeiten. In der Verhandlung vorm Amtsgericht waren problematische Lebensumstände, ungünstige familiäre Hintergründe, eine abgebrochene Berufsausbildung und psychische Probleme des Angeklagten zur Sprache gekommen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wies nochmals darauf hin, dass das Strafmaß angesichts von fast zehn Brandstiftungen - unter anderem auch im Schwimmbad und an einem Kindergarten in Versmold - letztlich mit Einzelstrafen von 14 Monaten für das Wohnhaus und 16 Monaten für die Lagerhalle vergleichsweise milde ausgefallen sei.

Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende, die Kammer sei sich einig und sehe keine Möglichkeit zur Reduzierung der Haftstrafe oder einer Aussetzung auf Bewährung, woraufhin der Angeklagte t die Berufung zurück zog. Seine gesetzliche Betreuerin müsse sich nun »mächtig reinhängen« und mit ihm zusammen Perspektiven für die Zukunft entwickeln. »Ich traue es Ihnen zu«, so der Vorsitzende.

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