Hajo Schumacher stellt bei den Reinert Open in Versmold »Sehnen lügen nicht« vor Bloß keine walkenden Veganer...

Versmold (WB). Bloß keine Witze über Wurst! Da muss Hajo Schumacher alias Achim Achilles als Lesungs-Gast der »Reinert Open« höllisch aufpassen.

Von     Burkhard Hoeltzenbein
Eine gute Kamera-Figur machen Hajo Schumacher und Lauf-As Matthias Landwehr aus Werther auch bei den »Stabies«.
Eine gute Kamera-Figur machen Hajo Schumacher und Lauf-As Matthias Landwehr aus Werther auch bei den »Stabies«. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

An Stellen, wo sich der aus Münster stammende Wahl-Berliner in seiner jüngsten Langstreckenbibel »Sehnen lügen nicht« über Fleischfresser mokiert, tauscht er in Versmold beim Tennisturnier des Fleischfabrikanten Reinert das böse Wort flugs gegen »Veganer« aus.

Ansonsten hält er seinen knapp 100 Verse-Jüngern im Turnierzelt, von denen sich die Mehrzahl als Hardcore-Jogger outet, ungeschminkt den Spiegel ihrer eigenen, dem Wahnsinn nahen Leidenschaft vor. Wie Matthias Landwehr, szenebekannter Ultra-Läufer aus Werther, der im knatschgelben Funktionsshirt in der ersten Sitzreihe geradezu darum bettelt, auf der Bühne mit dem durchtrainierten Polit-Kommentator und fabulierfreudigen wie ambitionierten Hobbysportler Stabilisationsübungen vorzuführen. Bei den »Pinkneys«, wie die Bodenverrenkungen in Fachkreisen heißen, liest der knackfrische 53-Jährige im Stütz leicht angestrengt, aber flüssig weiter.

Von Bergläufen und Zahnfleisch-Zielankünften

Munter liest und quatscht sich Schumacher auf Einladung von Gesine Klack von der Buchhandlung Krüger durch seine Anekdoten von Bergläufen und Zahnfleisch-Zielankünften. Von vor dem Start ungern, aber unvermeidlich aufgesuchten Dixi-Klos und von der völlig überflüssigen wie un-wegwerfbaren Finisher-Shirt-Sammlung daheim im Kleiderschrank. »Können Sie alte Laufschuhe wegwerfen?«, fragt er rhetorisch und erntet wie erwartet kollektives Kopfschütteln. »Jedes Paar der durchgelaufenen Treter ist wie ein Kind. Gesammelte Erinnerungen an das, was man mit ihnen durchgemacht hat«, erklärt er.

Matthias passe mit seiner Marathonbestzeit von 3:16 Stunden noch so gerade ins Idealprofil für Arbeitgeber. »Ab fünf Stunden zeigt man, dass man nicht beißen kann. Unter drei Stunden bedeutet, dass man dauernd wegen Verletzungen, Training oder Wettkampf fehlt.«

Irgendwo zwischen Berliner Gute-Laune-Bär mit schallendem Lachen und Lebenskunstdozenten, der eigene frisch erworbene Erkenntnisse der Gehirn-Kinetik weitergibt, kalauert sich der Autor durch den Abend. Etwas zotig schrammt Schumacher schon mal knapp am Altherrenwitz vorbei, beschreibt sein Laufdrama gegen einen Ossi (»Rache für Jürgen Sparwasser«) und beschwört das ultimative Feindbild des Lauf-Fetischisten. Beim Gedanken an den »walkenden Veganer« läuft es seinen Gleichgesinnten kalt den Rücken runter.

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