Stadtführer prägen zehn Jahre »Tourismus in Versmold« Da staunen selbst Ureinwohner

Versmold (WB/uvb). Wenn Karl-Heinz Galling auf Stadtführung geht, packt er eine große und eine kleine Kartoffel in seine leuchtend rote Diensttasche. Am Schweinebrunnen helfen die Knollen, den Unterschied zwischen Kartoffeln für Menschen und »Schweinekartoffeln« zu erklären. Helga Uhlmann dagegen zaubert an gleicher Stelle Ferkelköpfen aus Weingummi aus der Tasche. Jeder der knapp 15 Versmolder Stadtführer hat sein eigenes Thema und seine eigene Art, Appetit auf Versmold zu machen.

Bürgermeister Michael Meyer-Hermann gratuliert der Vorsitzenden Bettina Sieckendiek im Kreis vieler Aktiver zum zehnten Geburtstag des Vereins Tourismus in Versmold (TiV).
Bürgermeister Michael Meyer-Hermann gratuliert der Vorsitzenden Bettina Sieckendiek im Kreis vieler Aktiver zum zehnten Geburtstag des Vereins Tourismus in Versmold (TiV). Foto: von Bevern

Die Stadtführer sind die tragende Säule des Vereins TiV-Tourismus in Versmold, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert. Als »Aushängeschild der Idee« würdigte sie Bürgermeister Michael Meyer-Hermann bei einem kleinen Empfang am Heimatmuseum. Gleichzeitig erinnerte er an die weiteren Aktivitäten des TiV, in dem außer den Stadtführern auch Gastronomen und Geschäftsleute organisiert sind, und bedankte sich für das hohe ehrenamtliche Engagement im Sinne der Stadt.

»Ich wusste nichts«

Hauptaufgabe des TiV sei es, Versmold und sein Potential durch die umliegende Urlaubsregion bekannter zu machen, sagte die Vorsitzende Bettina Sieckendiek und warb um weitere Unterstützung durch die Stadt.

Die Stadtführungen richteten sich allerdings nicht nur an Touristen oder die Belegschaften großer Unternehmen. Auch Neubürger und Alt-Versmolder sind angesprochen. Erlebte Geschichte wird weiter getragen. »Am Anfang dachte ich, ich weiß viel von Versmold«, erinnerte sich Helga Uhlmann, Versmolder Urgestein, an die erste gemeinsame Ausbildung zum Stadtführer vor gut zehn Jahren. »Heute weiß ich, ich wusste nichts.«

Stefanie Krumkühler ist das »Küken«

»Der größte Triumph ist es, wenn man einem Versmolder etwas erzählen kann, was er noch nicht wusste«, schmunzelte Stefanie Krumkühler, stellvertretende Vorsitzende des TiV und »Küken« der Stadtführer. Sie wünscht sich vor allem auch jüngere Verstärkung. Begeisterung für die eigene Stadt ist für sie eine wichtige Eigenschaft der Guides. »Zahlen sind schnell vergessen, aber was mich fasziniert, sind die Geschichten dahinter«, schwärmte sie.

Manchmal helfen sogar die Teilnehmer einer Führung, solche Geschichten aufzuspüren. Sieckendiek hob allerdings hervor, dass es gerade die Versmolder selber sind, die immer wieder bereitwillig ihre Türen öffnen oder auf Fragen mit Erinnerungen antworten.

Ganz im Gegensatz zu dem verbreiteten Unverständnis, auf die die Idee am Anfang stieß. Bei den ersten Führungen sei viel Herzklopfen dabei gewesen, erinnert sich Bettina Sieckendiek. Dass sie auf dem richtigen Weg waren, habe sie spätestens gewusst, als ihr nach einer Führung zum 50-jährigen Abitur einer der Teilnehmer sagte: »Mensch, Mädchen, warum haben die uns das früher nie erzählt?«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.