Mit Vollgas zum Titel »Green Monster Team« wird Deutscher Meister im Tractor-Pulling

Versmold/Füchtorf (WB). 15 bis 20 Liter Benzin für 100 Meter Fahrvergnügen. Was sich nach dem Traum jedes Tankwartes anhört, ist der Kraftstoff-Verbrauch beim »Tractor-Pulling«. Und das »Green Monster Team« aus Füchtorf hat in diesem Jahr mal wieder einen Titel bei der deutschen Meisterschaft abgeräumt.

Von Jens Horstmann
Das siegreiche »Green Monster Team« aus Füchtorf präsentiert sich vor seinem Traktor »Green Monster« (von links): Matthias Böhmann, Jannis Rüter, Tobias Hörstkamp, Enrico Vollerthun, Daniel Frische und Fabian Düpmann.
Das siegreiche »Green Monster Team« aus Füchtorf präsentiert sich vor seinem Traktor »Green Monster« (von links): Matthias Böhmann, Jannis Rüter, Tobias Hörstkamp, Enrico Vollerthun, Daniel Frische und Fabian Düpmann. Foto: Jens Horstmann

Tatsächlich handelt es sich bei den Fahrzeugen um Traktoren. Mit dem fahrbaren Untersatz, mit dem ein Landwirt im Allgemeinen sein Feld bestellt, hat das Fahrzeug aber nicht mehr viel gemein. Die Karosserie ist schmal und lang gezogen, und während die beiden hinteren Reifen 1,75 Meter messen, sind die vorderen Reifen nur 25 Zentimeter groß. Je nach Wertungsklasse baut das »Green Monster Team« einen oder mehrere Motoren ein. Jeder Motor bringt dabei fast 3000 Pferdestärken mit sich.

Entscheidend ist die richtige Balance

Allerdings steckt viel mehr als reine PS-Kraft hinter dem Erfolg beim »Tractor-Pulling«, als man zunächst vermuten könnte, erklärt Matthias Böhmann: »Man muss viel mit Gewichten arbeiten. So versucht man die richtige Balance zu finden. Optimal ist, wenn die Vorderräder beim Fahren ungefähr 20 Zentimeter über dem Boden schweben.«

Zudem bietet auch der Motor viele Möglichkeiten zur Tüftelei. Verschiedene Teile haben eine unterschiedliche Wertigkeit. Am Ende darf die Summe aller Teile nicht mehr als 44 Punkte betragen. Und der erste Versuch muss bei jedem der insgesamt sieben Läufe zur deutschen Meisterschaft sofort sitzen, wie Tobias Hörstkamp betont: »Es gibt kein Training. Wir müssen uns vorher die Beschaffenheit des Bodens anschauen, und uns im Anschluss überlegen, wie genau wir vorgehen.« Im ersten Anlauf gilt es dann Bremsschlitten am hinteren Ende des Traktors über die gesamte 100-Meter Strecke zu ziehen. Gelingt dies, nennt man das einen »Full pull«.

Meister und zwei Vizetitel

Jeder Fahrer, der das geschafft hat, darf ins Stechen. Dort wird ein deutlich schwerer Bremsschlitten benutzt. Da damit niemand einen »Full pull« schafft, gewinnt am Ende derjenige, der es am Weitesten geschafft hat. Am besten klappte dies am vergangenen Wochenende in der 3,5 Tonnen-Klasse mit dem »Green Monster«. Mit zwei 2800 PS-Motoren donnerte Matthias Böhmann im letzten Lauf in Edewecht bei Oldenburg auf Platz Eins und sicherte dem Team um Jannis Rüter, Tobias Hörstkamp, Enrico Vollerthun, Daniel Frische und Fabian Düpmann den Meistertitel. Bei jedem Lauf saß ein anderer Fahrer auf dem Traktor. Echte Teamarbeit also. Mit dem »Green Monster« und dem »Green Fighter« sprangen in der 2,5 Tonnen-Klasse noch zwei Vize-Meister-Titel heraus.

Hohe TV-Einschaltquoten

Reich wird man mit diesem Sport allerdings nicht: »Es ist ein sehr teures und zeitaufwendiges Hobby. Ohne die ganzen Sponsoren wäre das gar nicht möglich«, betont Tobias Hörstkamp. Da kommt es ihm auch ganz gelegen, dass auf dem Spartensender DMAX ab Herbst wieder alle Läufe im Rahmen einer »Tractor-Pulling«-Staffel laufen. »Die Einschaltquoten 2015 haben wohl alle Rekorde gebrochen. Das ist natürlich immer ein super Argument für die Sponsorensuche«, freut sich Hörstkamp.

Den Abschluss der Saison bildet die Europameisterschaft im englischen Great Ecclestone am 27. und 28. August. Dort will das »Green Monster Team« noch mal für Furore sorgen, wie Tobias Hörstkamp ankündigt: »2007 sind wir zuletzt Europameister geworden. Es wird also mal wieder Zeit.«

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