Ohne Folie geht beim Anbau derzeit nichts – Preise sinken nur langsam Nachtfrost setzt dem Spargel zu

Versmold/Dissen (WB). Die erst am Sonntag abgezogenen Folien über seinen Grünspargelfeldern hat Björn Borgmeyer gestern schnell wieder übergestülpt. Die Nachtfröste machen dem Spargellandwirt auf allen Feldern in Peckeloh, Siedinghausen und am Hof bei Bockhorst derzeit arg zu schaffen.

Von Burkhard Hoeltzenbein
Noch erntet Björn Borgmeyer den grünen Spargel aus der freien Erde. Doch die empfindlich niedrigen Nachttemperaturen machen den Einsatz der Folie unumgänglich. Wegen der bisher geringen Ernte liegen die Kilopreise derzeit noch bei zehn Euro.
Noch erntet Björn Borgmeyer den grünen Spargel aus der freien Erde. Doch die empfindlich niedrigen Nachttemperaturen machen den Einsatz der Folie unumgänglich. Wegen der bisher geringen Ernte liegen die Kilopreise derzeit noch bei zehn Euro. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

»Probieren Sie mal«, ermuntert Borgmeyer, der gerade einen weit aus der Erde ragenden grünen Spargel frisch geschnitten hat und selbst herzhaft in das Rohgemüse direkt vom Feld beißt. Der Aha-Effekt beim Probieren ist gewaltig. Knackig frisch, saftig und überhaupt nicht holzig lässt sich der hellgrüne Stengel bestens kauen. Eine Mischung aus hauchfeinem Bittergeschmack und einer angenehmen dezenten Süße regt die Geschmacksknospen an.

Seit 30 Jahren baut Borgmeyer bereits die grüne Variante des königlichen Gemüses an. In den 80ern war er damit in der Region noch ein Exot, mittlerweile ist die Nachfrage nach der schlanken Variante, an der höchstens am Fuß geschält werden muss, sehr groß.

»Der Grünspargel ist bei Frost besonders gefährdet, weil er nur unter einer einzigen Folie liegt«, erklärt der Landwirt. Insbesondere die Spitzen würden schnell erfrieren und damit weich, der Spargel verliere damit die gewünschte Qualität. Das gilt auch für den unter doppelter Schwarz-Weiß-Folie wachsenden weißen Spargel. Im automatischen Sortierer finden sich viele abgeschnittene Spargelspitzen. Die »enthaupteten« Spargelstangen bringen als »Bruch« weniger Ertrag.

Boden verliert viel Wärme

Die niedrigen Temperaturen und der Wind der vergangenen Wochen haben dafür gesorgt, dass der Boden viel Wärme verloren hat. Daher freut sich Borgmeyer gestern über jeden Sonnenstrahl. »Das hilft, um einen schützenden Wärmepuffer aufzubauen.« Immerhin haben die beiden warmen Tage am Sonntag und Montag auch den tief unter Folie in Tunnelbauweise versteckten weißen Spargel in Richtung Erdoberfläche getrieben. »Mit zwei bis drei Tagen Verzögerung kommt der dann mit Kraft, wenn die Wärme von der Folie über den Boden an die Pflanze gelangt«, sagt der erfahrene Spargelanbauer, der mehrmals täglich die Wetterprognosen im Blick hat. Zum Wochenende sollen die Temperaturen weiter steigen. »Die Eisheiligen kommen noch, das sind die gefährlichsten Tage.«

Die Kälte und das damit verbundene langsame Wachstum halten das Angebot bei hoher Nachfrage in Grenzen. Die mit Kameras und Sortiersystem ausgerüstete Wasch- und Verarbeitungsanlage am Hof Borgmeyer ist derzeit nur zu gut der Hälfte ausgelastet. So erklären sich auch die relativ hohen Preise. »Wir haben bei 10,90 Euro pro Kilo angefangen. Jetzt liegen wir bei 9,90 Euro.«

Die Ernte soll nun besser werden. In der kommenden Woche werden zusätzliche Arbeiter aus Polen und Rumänien bei Borgmeyer anfangen. Die kommen nicht nur zum Spargelstechen: »Auch die ersten Erdbeeren werden reif. Am Wochenende gibt es die ersten Früchte zu kaufen«, verspricht er.

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