Religionsgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat klärt mit Ausstellung über »ihren« Koran auf.  Im Namen Allahs

Versmold (WB). »Den Islam« gibt es nicht. Davon können sich die Besucher demnächst in einer Ausstellung im Rathaus überzeugen. Die Religionsgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) stellt darin eine islamische Auslegung des Koran vor, die mit Klischees vom fanatischen Glauben nichts gemein hat.

Mushtag Chandary, Imam Mustansar Ahmad von der Ahmadiyya-Gemeinde Münster und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann werben für die Ausstellung der islamischen Religionsgemeinschaft. Diese ist im Juni für eine Woche im Rathaus zu sehen.
Mushtag Chandary, Imam Mustansar Ahmad von der Ahmadiyya-Gemeinde Münster und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann werben für die Ausstellung der islamischen Religionsgemeinschaft. Diese ist im Juni für eine Woche im Rathaus zu sehen. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Vom 10. bis 17. Juni wird die viel nachgefragte Wanderausstellung »Allah – Der Eigenname Gottes« mit ihren 16 Schautafeln, den Koranübersetzungen in mehreren Sprachen sowie viel Literatur zur islamischen Religion zu sehen sein. Imam Mustansar Ahmad von der Ahmadiyya-Gemeinde Münster stellte am Freitag im Versmolder Rathaus Hintergründe der Glaubensausrichtung seiner Religionsgemeinschaft sowie das Konzept der Ausstellung vor.

Unter den 73 islamischen Religionsausrichtungen hat die Ahmadiyya Glaubensgemeinde, die weltweit mehr als zehn Millionen Anhänger hat, ein Alleinstellungsmerkmal. »Wir sind die einzige, deren Endzeitreformer bereits gelebt hat«, erklärt der Geistliche.

Die AMJ sei danach die einzige islamische Bewegung, die daran glaubt, dass der von allen Muslimen erwartete Reformer und Messias in der Person Seiner Heiligkeit Hadhrat Mirza Ghulam Ahmadas (1835-1908) von Qadian (Indien) bereits erschienen sei. Alle anderen sunnitischen und schiitischen Glaubensrichtungen des Islam warten nach Darlegung Mustansar Ahmads noch auf diesen Messias und Reformer.

Im Streit der religiösen Auslegungen haben es die Anhänger der AMJ, die als einzige unter den islamischen Religionen als Körperschaft in Deutschland anerkannt ist, entsprechend schwer. »Wir werden in allen islamischen Staaten höchstens geduldet, in vielen sogar als ›Ungläubige‹ verfolgt und unterdrückt«, erklärt der Imam. Die Religionsfreiheit in Deutschland garantiert einen Schutz, unter dem die sehr säkular ausgerichtete AMJ nach eigener Darstellung auf der Basis der westlichen demokratischen Ordnung ihre Auslegung des Islam offensiv vertreten könne.

Die Deutung des Koran unterscheidet sich gravierend von der fundamentalistischen und menschenverachtenden und dogmatischen Religionspropaganda eines IS, Al Quaida oder der Taliban. Mit der Ausstellung wollen der seit 30 Jahren in Versmold lebende Mushtag Chandary und der Imam darüber aufklären, was diese Religion ausmache. In Versmold leben zehn Anhänger der Ahmadiyya-Gemeinde.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Darüber hinaus will die Stadt die Schulen animieren, die Ausstellung auch in Sonderführungen zu besuchen. Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde werden dazu ganztägig vor Ort sein.

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